Aachen: Ostviertel: Kraft für die Zeit ohne dicke Finanzspritzen

Aachen : Ostviertel: Kraft für die Zeit ohne dicke Finanzspritzen

Seit zehn Jahren stecken Land, Bund und EU beträchtliche Summen ins kaiserstädtische Stadtsäckel. Hineingreifen dürfen Stadtentwickler und Wirtschaftsförderer. Ihr Auftrag: den Menschen und Institutionen in Aachen-Ost und Rothe Erde unter die Arme greifen.

Hat ganz gut geklappt, befinden die Macher - und wollen Mut machen für die Zukunft. Denn künftig muss die Kommune verstärkt eigene Muskelkraft aufwenden, um die vielfältigen Probleme am Stadtrand zu stemmen. Bevor die Finanzspritzen-Dekade zum Jahresschluss endet, soll ein großes Fest für frische Kräfte sorgen. Am 22. und 23. August kann stolz zurück-, mutig voraus- und viel Kulturelles angeschaut werden. Bei freiem Eintritt.

Die einzelnen Programmpunkte für den Samstagabend im Saalbau Kappertz (ab 19.30 Uhr) an der Hüttenstraße zurrt Veranstalter Christian Mourad derzeit noch zusammen. Dabei sei es ihm ein Anliegen, „die Euphorie der Stadtentwicklung” auf die Bühne zu transportieren. In kurzen Gesprächen und Filmen werden die Viertel-Veränderungen beleuchtet, für Stimmung sorgen Musik, Tanz und Comedy. Titel der Sause ist „Feier-Abend”.

Dass man niemals so ganz geht, was bleibt, wenn die Förderströme abebben, das soll am Sonntagmittag, 23. August, ab 13 Uhr in den Aachen-Arkaden erörtert werden. Unter dem Motto „Aufbruch statt Abbruch” blicken Vertreter von Politik, Verwaltung und Stadtteil-Projekten in die Zukunft.

Zum Blick zurück nutzte Gisela Nacken, städtische Planungs-Dezernentin, die Ankündigung des bunten Festprogramms. Auf die rosarote Brille verzichtete sie. „Es ist vieles gelungen, aber nicht alles”, bilanziert Nacken. Viele Ziele wurden erfüllt.

So stimmt das Ende des mittlerweile 17 Millionen Euro schweren Förderprogramms „Soziale Stadt NRW” dann auch Dieter Begaß „traurig”. Der stellvertretende Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung der Stadt war von Anfang an dabei und hat bei über 300 Projekten „viele engagierte Menschen und Einrichtungen kennengelernt”.

Eine fruchtbare Zusammenarbeit, die auch Stefanie Grote bestätigen kann: Die Sozialwissenschaftlerin, gebürtige Bielefelderin, arbeitet erst seit vergangenem Jahr im Stadtteilbüro, das seit Ende 2008 im ehemaligen Gebäude der Rheinnadel-Fabrik im Reichsweg angesiedelt ist. Dieses wird - ebenfalls mit Stadtteil-Fördermitteln - derzeit zum „Haus für Identität und Integration” umgebaut. „Ein schönes Folgeprojekt”, befindet Grote. Ob sie dessen Fertigstellung hier jedoch miterleben darf, steht noch in den Sternen.

Das Stadtteilbüro verschwindet sukzessive. Im kommenden Jahr soll noch ein Mitarbeiter beschäftigt werden. Danach ist wohl Schluss. Ins Büro nebenan sind derweil bereits drei Kollegen eingezogen. Diese sogenannte Wirtschaftsförderung Aachen-Ost ist zunächst bis 2011 vorgesehen.

Es gibt schließlich weiter viel zu tun. Und da dies nicht nur in Aachens Osten so ist, da längst über ähnliche Programme an anderer Stelle, etwa in Aachen-Nord, diskutiert wird, können auch die von Nacken als „nicht so gut” bezeichneten Erfahrungen sehr hilfreich sein.

Konkret nennen möchte die Dezernentin zwei Punkte: So war es nach ihren Worten wohl oft äußerst schwierig, die Entwicklung zweier Quartiere, also Ost und Rothe Erde, unter einen Hut, sprich die Stadtteilkonferenzen auf einen Nenner zu bringen. Ein zweiter Gedankenanstoß für künftige Projekte: Flächen für den Wohnungsbau seien wichtig. Diese hätten in Aachens Osten gefehlt.