Osternacht im Aachener Dom: Über das Grab hinaus gibt es keine Zukunft

Aachener Gläubige feiern gemeinsam : Feierliche Osternacht im Aachener Dom

Mit einem nahezu dreistündigen Pontifikalamt, konzelebriert von Bischof Dr. Helmut Dieser und geistlichen Würdenträgern des Aachener Domes, wurde in der Osternacht das kirchliche Hochfest der Auferstehung Christi begangen.

Bereits eine Stunde vor Beginn waren alle Plätze in Oktogon und Umgang besetzt. Im Domhof loderten traditionell die Flammen des Osterfeuers, an dem der Bischof nach der Segnung die Osterkerze entzündete, von der wiederum beim Hineintragen die Flamme an die Lichtlein der Gläubigen übertragen wurden und sie zunächst allein den Dom erleuchteten, was die Festlichkeit des Pontifikalamts unterstrich.

Lesungen aus der Kirchenchronik zur Schöpfungsgeschichte wechselten mit Chorgesang, der unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Marco Fühner, vom Mädchenchor am Dom zu Aachen gestaltet wurde, begleitet von Domorganist Michael Hoppe an der Orgel. Auffallend war, dass bei dem Mitwirken an der diesjährigen Feier der Osternacht die aktive Rolle der Frauen „auf dem Vormarsch“ war, wie einer der Herren des Ehrendienstes anerkannte. Denn auch bei den Lesungen wirkten zwei junge Frauen als Solistinnen des Mädchenchores mit glockenhellen Stimmen gesanglich mit. Neu war zudem, dass Bischof Dieser die traditionelle Fußwaschung in diesem Jahr bei drei Frauen vornahm.

In seiner Predigt schilderte der Bischof das Erstaunen und Entsetzen Marias und der sie begleitenden Frauen aus der Jüngerschaft Christi, die am frühen Ostermorgen an das Grab Christi gekommen waren, um den Leichnam zu ehren und ihn noch einmal nahe zu spüren. Aber sie bezogen sich dabei auf einen Zeitraum seines Lebens, der für immer stehen geblieben war. „Keine Macht der Welt kann eine abgelaufene Uhr wieder zum Laufen bringen. Über das Grab hinaus gebe es keine Zukunft. Eine Uhr laufe immer nur so lange, wie sie aufgezogen sei, wie lange ihre Batterie reiche oder solange sie ans Netz angeschlossen sei. Eine Uhr, die stehen geblieben ist, zeige nur noch die Vergangenheit an. Die neue aktuelle Zeit könne man nicht mehr an ihr ablesen, hieß es in der Predigt.

„Ostern ist nicht menschenmöglich. Es ist wichtig, dass wir dieses Unbegreifliche nicht übergehen. Warum lagen dort die Leichentücher und sahen die Frauen den weg gewalzten Grabstein! Ein Grab kann nichts Neues mehr hervorbringen. Darum ist es glaubwürdig, dass die Evangelisten keine Erklärung boten, sondern zum Glauben helfen wollten“. Sie zeigten allen kommenden Generationen den Glauben, der in der Jüngerschaft Jesu nach diesem frühen Ostermorgen entstanden war“, so Bischof Dieser.

Im Anschluss an die Predigt erhielten Karina und Sandra, zwei junge Frauen aus dem Bistum Aachen, im Oktogon unter dem Barbarossaleuchter von Bischof Dieser die Taufe und die Firmung, nachdem sie ihr Glaubensbekenntnis und Taufversprechen abgelegt hatten, wie auch alle Anwesenden ihr Taufversprechen erneuerten.

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