Aachen: Osternacht: Feuer fangen für den Glauben an die Erlösung

Aachen : Osternacht: Feuer fangen für den Glauben an die Erlösung

Für die Christenheit ist Ostern das Fest der Auferstehung Christi und der Höhepunkt der Feste jedes Kirchenjahres. Traditionell wird in der Osternacht bei anbrechender Dunkelheit im Aachener Domhof ein Osterfeuer entfacht und daran eine Osterkerze als Symbol für den auferstandenen Christus entzündet.

Diesmal jedoch musste wegen des andauernden prasselnden Regens der Ablauf geändert werden. Allein das Osterfeuer trotzte dem Unwetter und wurde lediglich zwischen die beiden Torflügel des Hauptportals umplatziert und hier daran dann auch die Kerze entzündet. Deren Segnung durch Bischof Dr. Helmut Dieser und die konzelebrierenden Geistlichen Bischof em. Dr. Heinrich Mussinghoff, Weihbischöfe und Domkapitulare sowie das kreuzförmige Aufdrücken der fünf Wachsnägel — Symbol der Wundmale Christi — erfolgte sodann im Eingangsbereich des Domes, der noch in völliger Dunkelheit lag und — wohl witterungsbedingt — zwar immer noch gut, aber diesmal etwas schwächer besucht war als gewöhnlich am Vorabend des hohen Feiertags.

Das Licht des Glaubens neu entzündet: Bischof Helmut Dieser (großes Bild Mitte) und sein Vorgänger Heinrich Mussinghoff (links hinter ihm) zogen mit den Weihbischöfen feierlich in den Dom ein, wo sie die Flamme des Osterfeuers an die Gläubigen weiterreichten. Foto: Andreas Steindl

Zeit der Stille und Besinnung

Symbol der Hoffnung: Das Osterfeuer wurde wegen des heftigen Regens vor dem Hauptportal des Doms platziert.

An drei Stationen hielt die Prozession an, und zum Wechselgesang „Lumen Christi — Deo Gratias“ zwischen Geistlichen und Gläubigen wurden die Becherkerzen der Besucher an der Osterkerze entzündet, die danach im Altarbereich platziert wurde.

Es war eine Zeit der Stille und Besinnung. Nur Kerzenschein reflektierte die kostbaren Mosaike des Münsters. Von der Heinrichskanzel herab verlas sodann Domvikar Mathias Fritz das traditionelle „Osterlob“. Danach erklang unter den Händen von Domorganist Professor Michael Hoppe wieder das erste Orgelspiel. Lesungen aus dem Alten Testament wechselten mit liturgischem Chorgesang des Mädchenchores am Aachener Dom. Die etwa 40 jungen Sängerinnen sind alle Absolventinnen der Domsingschule und begeisterten mit enormer Klangkraft. Ihr Gesang beflügelte die Gläubigen schnell zum Mitsingen der vertrauten österlichen Lieder.

Taufe, Firmung und Kommunion

Bereits zu Beginn des Pontifikalamts hatte Bischof Dieser einen jungen Mann begrüßt, der darum gebeten hatte, getauft zu werden und auch eine entsprechende Vorbereitungszeit erfolgreich durchlaufen hatte. Während des Pontifikalamts erhielt er nun Taufe, Firmung und die Erstkommunion. Der 18-jährige Leon Wilkosz ist in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Seine Eltern hatten beschlossen, dass er die Entscheidung zur Taufe selbst treffen solle. Als er dann vor einem Jahr in Aachen sein Studium der Physik und Mathematik begonnen hatte, war es für ihn klar: „Ja, ich lasse mich taufen.“ Und so konnte er auch bei der Feier dieser Osternacht bereits als Lektor von Fürbitten mit auftreten.

So hatte auch der Bischof das Thema seiner Predigt entsprechend gewählt: „Wenn man ein sogenanntes Date hat oder, wie man früher sagte, ein Rendezvous, ist man meistens ein wenig aufgeregt“, sagte er. „Man malt sich die Situation aus und hofft, dass es gut gehen wird. Das Schlimmste wäre, sich daneben zu benehmen oder trotz allen Werbens auf Ablehnung zu stoßen. Abgelehnt zu werden, wo ich Feuer gefangen habe, das ist ein Stück vom Tod.“

Neue Gewissheiten

Am Beispiel der drei Frauen, die am Ostermorgen in aller Frühe zum Grab Jesu gehen, illustrierte der Bischof dieses „Erlebnis“ des Todes weiter. „Sie hatten Feuer gefangen und Jesus geglaubt, dass er wirklich von Gott gekommen war, der die Erwartungen Israels erfüllte. Sein Tod am Kreuz war nicht nur ein schmerzlicher Verlust, sondern ihre Gewissheiten zerbrachen.“

Doch nicht nur das leere Grab hätten die Frauen an jenem Ostermorgen vorgefunden, sondern eben auch einen Engel, der eine Botschaft vermittelte: ‚Erschreckt nicht, ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“

Jesus „geht euch voraus“

Das letzte „Rendezvous“, das sich die Frauen erhofft hatten, wurde zur Aussicht auf ein endgültiges Zusammensein, fuhr der Bischof fort: „Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen, wie er es Euch gesagt hat“, zitierte er die Worte des Engels — Zeichen der Hoffnung und des Glaubens, der sich an diesem nächtlichen Osterfest in vielen Gesichtern im Dom eindrucksvoll spiegelte.