Aachen: Ostern in der evangelischen Auferstehungskirche

Aachen: Ostern in der evangelischen Auferstehungskirche

Es ist schon ein Segen, was den Menschen am Ostersonntag in der Auferstehungskirche aufgetischt wird. Dampfender Kaffee, knusprige Brötchen, ganz viel Menschlichkeit. An einer langen Tafel wird den Menschen im evangelischen Kirchenraum am Kupferofen nach dem Familiengottesdienst ein Osterfrühstück serviert.

Für die Kinder werden ein paar Eier versteckt, Mamas und Papas, Omas und Opas kommen seit Jahren auf den Geschmack dieses köstlichen Abschlusses des Familiengottesdienstes. Gerade eben noch haben alle gemeinsam einen großen Kreis entlang der 50 Jahre alten Kirchenmauern gebildet und gemeinsam — Alt und Jung mit Wein und Saft und zehn Kelchen — das Abendmahl gefeiert.

Der Turm der Auferstehungskirche. Foto: Michael Jaspers

Es ist ein lebendiges Zeichen des Glaubens, das in der Auferstehungskirche gesetzt wird, und gleichzeitig steht es im krassen Kontrast zur sehr nachdenklichen Feier des Karfreitags. „Von großer Feierlichkeit geprägt“, nennt ihn Pfarrerin Silke Arendsen. Getragen wird sie durch die Gesänge der Kantorei, von Chorälen und der Matthäus-Passion. Immer wieder herrscht diese anmutige Stille im Schein einer einzigen Kerze. Ostern hat in der Auferstehungskirche eben zwei Seiten. „Der Kontrast ist uns sehr wichtig“, sagt Pfarrer Martin Obrikat. In diesem Haus kommen Stille und Lebendigkeit, Ruhe und Kinderrufe zusammen. Es gibt so viele Seiten dieser Kirche. In diesem Jahr feiert sie ihren 50. Geburtstag.

Die ersten Pläne für die Auferstehungskirche — welch österlicher Name — wurden Ende der 1950er Jahre geschmiedet. Es wurde der erste evangelischen Kirchenneubau nach dem zweiten Weltkrieg, der die protestantischen Häuser in Schutt und Asche hinterlassen hatte. Während die Dreifaltigkeitskirche und die Annakirche mühsam wieder aufgebaut wurden, wurde die Christuskirche endgültig gesprengt. An ihrer Stelle steht nun das Martin-Luther-Haus.

Der Grundstein der Auferstehungskirche wurde vom damaligen Bezirkspfarrer Wilhelm Carius in grüne Wiesen gesetzt. Die Adenauerallee hieß noch Drimbornallee und bis zur Schönrathstraße gedieh das Gras, bevor hier eine Gemeinde in einem ganz neuen Viertel wachsen konnte. Es war eine Zeit, in der Flüchtlinge Aachen erreichten, die evangelische Gemeinde zählte binnen kurzer Zeit 5000 Mitglieder mehr. Viele zogen nach Forst. In einem Raum in der Schule in der Mataréstraße (damals Zeppelinstraße) kamen sie zum Gebet zusammen. „Sie brauchten einen Raum, der Heimat schafft“, sagt Obrikat, übrigens so alt wie die Kirche. „Es ging auch darum, sichtbar zu sein.“

Das ist zumindest der 40 Meter hohe Turm des Kirchenbaus nach Plänen von Gerhard Langmaack. Das vergoldete, acht Meter große Auferstehungskreuz strahlt im Sonnenlicht über der Siedlung zwischen Trierer Straße und Tierpark. 550 Kilogramm ist es schwer und sollte damals mit einem Hubschrauber der Bundeswehr auf den Turm gehoben werden. Das ging dann aber nicht. Letztlich wurde das Kreuz am 30. Mai 1963 in Handarbeit über das Gerüst Meter um Meter nach oben gestemmt. Drei Stunden hat das gedauert.

Noch viel länger könnte Pfarrer Obrikat über die bewegte und bewegende Geschichte der Auferstehungskirche berichten. 20 Jahre wirkt er am Kupferofen. Für die Festschrift hat er sich noch viel tiefer in die Historie des am 7. Juli 1963 eingeweihten Gebäudes gegraben, dessen Grundstein am 11. Februar 1962 gelegt wurde — übrigens im Beisein des katholischen Pfarrers der Schwestergemeinde St. Bonifatius. Ökumene gewann so neuen Raum. Noch immer ist es guter Brauch, dass Pfarrer Hermann Kaiser der Auferstehungskirche eine Osterkerze schenkt. „Eine tolle Tradition“, nennt es Presbyterin Heidrun Eichmann. Auch in diesem Jahr wird diese Kerze die Gemeinde erhellen.

Überhaupt ist Licht ein zentraler Aspekt in dieser Kirche. Rundherum schließt das Gebäude nach oben hin mit einem Fensterriegel ab. Von außen mag ihm dies die Optik einer Schwimmhalle verleihen, das Innere mit Platz für 500 Besucher ist dank dieser Bauweise dafür herrlich lichtdurchflutet. „Diese Helligkeit und Höhe sind sehr einladend, haben nichts Erdrückendes. Es gibt wenig Ablenkendes, diese Kirche stellt den Mensch in den Mittelpunkt“, sagt Eichmann, deren Mann 40 Jahre Kantor der Kirche war. „Hier ist ein Platz für mich und meine Gedanken“, erklärt Presbyterin Inge Schönherr. „Berauschend“ nennt Obrikat die Atmosphäre.

Die dicken Mauern neben der Kindertagesstätte verbannen Lärm und Hektik des Alltags nach draußen. Aber Offenheit ist quasi Gebot. „Sie wird hier gelebt“, sagt Pfarrer Obrikat. Ein Umbau 2002 gab diesbezüglich neue Perspektiven. Die Kirchenbänke waren bis dahin fest mit dem Boden verschraubt. Das wurde geändert, die Bänke wurden durchgesägt und können nun individuell arrangiert werden. Etwa für das rege Musikleben in der Auferstehungskirche. Ostersonntag werden sie ein wenig auseinandergerückt, damit die Menschen nach dem Halleluja an der langen Tafel zusammenrücken können. „Der Osterjubel ist in keiner anderen Kirche so fühlbar“, sagt Pfarrerin Arendsen.

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