Oskar von Forckenbeck und Aachen

Beeindruckende Sammlung gedruckter Schätze

Eine auf ein Papiertaschentuch gedruckte Zeitung zählt womöglich zu den kleinsten Kuriositäten, die das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) in der Pontstraße zu bieten hat. Eine Ausstellung zeigt dort derzeit die Anfänge der Sammlung auf und beleuchtet, was Oskar von Forckenbeck schon vor etlichen Jahren in Angriff genommen hat.

Der 1822 geborene Privatgelehrte verstand Zeitungen an sich als „kunsthistorisches Zeugnis“ und machte sich entsprechend daran, Ausgaben zu sammeln. „Heute würden wir ihn als Nerd bezeichnen“, sagt Andreas Düspohl, Leiter des IZM, denn Forckenbeck sammelte alles, was er in die Finger bekam. Er reiste durch Europa und brachte Zeitungen aus aller Welt mit zurück in die Heimat. „Und schon sehr früh träumte er von einem Zeitungsmuseum“, sagt Düspohl. Seine Frau Maria dagegen hielt Forckenbecks Schätze für „einen Haufen nutzloses Zeug“. Nach seinem Tod schenkte sie die Sammlung der Stadt Aachen. Sie sollte später zum Grundstock des 1931 eröffneten Zeitungsmuseums in Aachen werden.

Die Ausstellung bietet einen Einblick in all die Schätze, die heute im Zeitungsmuseum schlummern. Schon Forckenbeck habe Kriterien entwickelt, um seiner Sammlung Struktur zu geben, sagt Düspohl. Immerhin hatte er bereits 80.000 Exemplare zusammengetragen. Neben Kuriositäten zeigt die aktuelle Ausstellung Erst-, Letzt und Sonderausgaben sowie persönliche Aufzeichnungen, Briefe und Bestandslisten aus den Anfangszeiten.

Auch eine Reihe von deutsch-jüdischen Zeitungen wird gezeigt. „Sie hätten eigentlich auf Wunsch der Nazis vernichtet werden sollen, aber dazu kam es nicht“, erzählt Düspohl. Hinter jedem der Exemplare, die ausgestellt werden, steckt offensichtlich eine weitreichende Geschichte.

Über die Goldene Hochzeit von Kaiser Wilhelm I. und seiner Frau wurde 1879 in unzähligen Zeitungen berichtet. Forckenbeck trug 350 verschiedene Berichterstattungen aus aller Welt zusammen. Die von Karl Marx herausgegebene „Neue Rheinische Zeitung“ erschien nach ihrem Verbot mit roten Lettern: Auch dieses letzte Exemplar ist Teil der Ausstellung. Ausgaben der „Aachener Volkszeitung“ und der „Aachener Nachrichten“ finden sich ebenfalls dort wieder. Laut Düspohl macht die Ausstellung vor allem auch deutlich, was sich in den Archiven des IZM verbirgt. Der Anfangsbestand hat sich demnach kontinuierlich weiterentwickelt. Heute werden im Internationalen Zeitungsmuseum über 350.000 Exemplare aufbewahrt.

Ständige Erweiterung

Viele Angebote „Und dem Museum werden ständig neue Ausgaben angeboten“, sagt Düspohl. Interessant seien Zeitungen für das Museum aber erst dann, wenn sie lückenlos einen längeren Zeitraum abdecken würden. Als eines Tages ein Besucher mit einer Plastiktüte ins Museum kam, und die gesamten Ausgaben der „Aachener Nachrichten“ aus dem ersten Erscheinungsjahr auf den Tisch legte, da konnte Düspohl nicht „Nein“ sagen. Andere Angebote müsse er oft ablehnen, weil die Lagerung von großen Beständen die Möglichkeiten des Museums sprengen würde.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Anfänge des Museums und in die Vielfalt der archivierten Zeitungen. Darüber hinaus präsentiert sich das Internationale Zeitungsmuseum heute vor allem auch als Medienmuseum, das gemeinsam mit Schülern Themen wie „Pressefreiheit“ oder die Gefahren von „Social Media“ behandelt. Eine Welt ohne Journalisten kann sich Düspohl nicht vorstellen. Möglicherweise gebe es in der Zukunft nur noch digitalen Journalismus, aber ganz ohne gehe es nicht, meint er.