Aachen: Ohne Autos klappt es am besten

Aachen: Ohne Autos klappt es am besten

Die junge Frau bremst an der Einmündung Friedrich-Wilhelm-Platz/Ursulinerstraße ab, schaut sich staunend das Absperrgitter nebst „Durchfahrt verboten”-Schild an, grübelt ein paar Momente und macht dann kehrt.

Nach rechts über Ursuliner- und Buchkremerstraße zum Parkhaus Büchel darf sie nicht mehr fahren, geradeaus über den Elisenbrunnen sowieso nicht - bleibt nur das Wendemanöver. Obwohl dieses Beispiel am Montag kaum Schule macht. Viele Autofahrer steuern wie gewohnt über die Peterstraße die Ursulinerstraße an und ignorieren dort geflissentlich die Absperrung. Oder sie schenken sich zumindest das Wendemanöver und fahren verbotenerweise geradeaus. Dass man seit Montag wieder einmal über die Fußgängerzonen Büchel und Holzgraben das Parkhaus anfahren muss, haben noch nicht viele bemerkt.

Doch nicht nur dort herrscht am Montag in der Aachener Innenstadt Gewöhnungsbedarf sowohl für Pkw-Piloten wie für Passanten. Denn die Stawag buddelt in Kürze nicht nur auf dem Stückchen Straße neben dem Elisenbrunnen, um dort Kanäle und Leitungen zu erneuern, sondern auch in der Mostardstraße. Und wie die Planer es wollen, sind damit sogleich zwei wichtige Innenstadt-Parkhäuser direkt von Baustellen betroffen. Denn das Apag-Parkhaus Rathaus wird nun nicht mehr über die Mostardstraße angefahren, sondern über die Fußgängerzone Pontstraße. Und abfließen muss das Blech dann über den Markt und die Jakobstraße.

Bereits im Vorfeld hat diese ungewöhnliche Verkehrsführung über seit Jahrzehnten etablierte Fußgängerareale bei manchem für Kopfschütteln gesorgt. Teilweise gab es auch heftigen und erfolgreichen Widerstand. So ist die ursprünglich ins Auge gefasste Verkehrsführung über die Fußgängerzone Großkölnstraße (anstelle der Marktquerung) am Protest der dortigen Geschäftsleute gescheitert. Begeisterung herrscht aber nun auch an Markt und Pontstraße nicht gerade.

Da schimpft die Verkäuferin in einer kleinen Modeboutique schon am Premierentag „über diesen Lärm und das Durcheinander”, welches das ungewohnte Blech vor der Ladentür verursacht. Und eine Kellnerin in einem Lokal am Markt findet es schlicht „ätzend”, dass sie nun beim Bedienen rund um den Karlsbrunnen auch noch den Autoverkehr im Blick haben muss: „Was glauben Sie, wie das am Wochenende wird?” Der Härtetest steht noch bevor, keine Frage. Der Montag ist da kein Maßstab. Es ist ruhig in der Stadt, kaum Passanten, überschaubarer Verkehr. Mit einer Portion Ironie könnte man schlussfolgern, dass diese neue Verkehrsregelung so - fast ohne Autos - wohl am besten klappt.

Nur die Taxifahrer sind schon am ersten Tag sauer. Ihnen hat man den wichtigen Taxistand auf dem Markt genommen - obwohl es den Anschein hat, dass es viele noch nicht wissen. Dass sie es wirklich nicht wissen, erfährt man von Heinz Comouth, dem Vorsitzenden der Aachener Autodroschken-Vereinigung. „Mit uns hat keiner darüber gesprochen”, sagt der und klingt ziemlich verbittert. „Und wir wissen auch nichts von einem Ausweichstand.” Können sie auch nicht, denn darüber will die Stadt erst heute beraten. „Es wird aber auf jeden Fall Ersatz geben”, verspricht Axel Costard vom städtischen Presseamt.

Derweil verspricht Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen, dass den Absperrungen bald die Bagger folgen. Und dass man alles daran setzen werde, wie geplant bis Mitte November fertig zu sei. Denn diese neue Verkehrsregelung und der Weihnachtsmarkt - das würde wirklich nicht passen. Und Apag-Sprecherin Anne Linden kündigt schon erste Nachbesserungen an. Denn die Pontstraße steuern nun auch Autofahrer an, die gar nicht ins Parkhaus wollen. „Das ist so nicht gedacht, da müssen wir die Beschilderung verbessern.” Das würde im Übrigen auch am Elisenbrunnen helfen. Ein deutlicherer Umleitungs-Hinweis würde sicher dafür sorgen, dass an der Ursulinerstraße weniger Autofahrer am Absperrgitter stranden.

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