Aachen: OGS-Personal: Träger blicken auf den Vormittag

Aachen: OGS-Personal: Träger blicken auf den Vormittag

Sie sprechen für die meisten der 4333 OGS-Kinder in Aachen, sind Kooperationspartner für mehr als 80 Prozent der Offenen Ganztagsgrundschulen in Aachen. Und die Vertreter der freien Träger im Arbeitskreis OGS sagen: Wir möchten uns weiter im Interesse der Kinder einsetzen.

Es war ein bewegtes Jahr für die Träger, denn nach vielen Jahren haben sie endlich einen neuen, siebenseitigen Kooperationsvertrag mit der Stadt abgeschlossen, der ab dem 1. August gelten wird. „Die vorhandenen Verträge bildeten einfach nicht mehr die Realität ab“, sagt Stefanie Koszucki, Geschäftsführerin von Betreute Grundschulen e.V. und Sprecherin des Arbeitskreises. „Es bedeutet viel, dass wir in Aachen diesen Vertrag abgeschlossen haben.“ Zumal er eine jährliche Anpassung der finanziellen Mittel um 1,5 Prozent beinhaltet.

Der Vertrag gibt den Trägern mehr Sicherheit, zudem werden die Kompetenzen von Schule und OGS schriftlich festgehalten, beide sollen noch näher zusammenrücken, OGS-Koordinatoren an Schulkonferenzen teilnehmen und Lehrer in die Hausaufgabenbetreuung eingebunden werden. Explizit vereinbart wurden in diesem Vertrag auch Qualitätsstandards — die Träger verpflichten sich und wollten sich auch verpflichten, Fachkräfte einzusetzen: Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen, Di-plompädagogen, Heilerziehungspfleger. Auch wenn sie sich damit einem Problem stellen müssen — dem Fachkräftemangel. Denn Finanzierungsgrundlage ist auch für sie das Erziehergehalt, und das ist nicht gerade üppig.

Das Personaldilemma

Hinzu kommt, dass in der OGS ausschließlich nachmittags und selten in Vollzeit gearbeitet wird. Von 165 Fachkräften beschäftigen die Träger nur 26 in Vollzeit. „Es gibt viele, die gerne in Teilzeit arbeiten — aber eben nicht am Nachmittag“, beschreibt Koszucki das Dilemma. Die Folge: „Wir können nicht alle Stellen besetzen“, berichtet Stefan Keller, Leiter des Hauses der Jugend in Eilendorf. Und die Fluktuation unter den Mitarbeitern ist gleichzeitig groß. Alternativen werden gesucht und beispielsweise in Person von Tanzpädagogen mit Zusatzqualifikationen gefunden. Doch auch die können nicht besser bezahlt werden. „Das ist ein finanzielles Problem“, sagt Susanne Kotulla von der Euro Jugend.

Geworben wird nun offensiv mit der Möglichkeit, neben der Arbeit in der OGS studieren zu können. Von ihren Standards wollen sich die Träger keinesfalls verabschieden. „Wir sind zum Glück in der Situation, dass wir nicht mit 400-Euro-Kräften die OGS bestreiten müssen. In anderen Kommunen sind es auch nach zehn Jahren noch diese Kräfte und Eltern, die die Betreuung verantworten. Darauf sind wir stolz“, betont Kotulla.

Die Frage, wie das Personal noch ergiebiger eingesetzt werden kann, führt Karin Montermann vom Pädagogischen Zentrum zu einem zweiten Thema, das die Träger beschäftigt: Inklusion, also das alltägliche Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung in der OGS. „Unsere Mitarbeiter können zum Beispiel vormittags als Inte-grationshelfer in Anspruch genommen werden“, sagt sie. „Das würde der Qualität im Vor- und Nachmittag zugute kommen.“

Bislang endet die Arbeit von solchen Schulbegleitern um 12 Uhr. In der OGS sind sie nicht vorgesehen, auch wenn sie hier ebenso wichtig wären. „Da ist das System noch nicht genug verzahnt“, erklärt Kotulla. Stattdessen kommen die Kinder im Laufe eines Tages manchmal mit sieben oder acht Menschen in Kontakt. „Dabei bräuchten sie gleichbleibende Vertrauenspersonen“, findet Sandra Jansen von der Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof. Vorgesehen ist dies in der OGS aber bislang nicht.

„Inklusion bedeutet für uns die Chance, visionär zu sein“, sagt Koszucki. Neue Strukturen müssen her. Eine große Tagung aller Beteiligten wünschen sich die Träger. Eine interne Arbeitsgruppe haben sie schon. Und jede Menge Arbeit.

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