Offenlage: Diskussion um Flächennutzungsplan Aachen geht in heiße Phase

Flächennutzungsplan Aachen 2030 : Jetzt beginnt die große Stunde der Bürgerinitiativen

Vor mehr als zehn Jahren haben die Vorarbeiten am Flächennutzungsplan (FNP) 2030 begonnen, doch alles, was bisher gewesen ist, bezeichnet die Bürgerinitiative BI Dell als „Vorgeplänkel“. Erst jetzt sei die Zeit gekommen, „in der sich die Bürgerschaft planungsrechtlich wirksam in das Verfahren“ einbringen könne. Die sogenannte Offenlage des FNP hat begonnen.

Die BI Dell zählt zu den größten und aktivsten Initiativen, die die geplante Bebauung der Richtericher Dell im Aachener Norden noch verhindern will. Die fünfwöchige Offenlage des FNP ist für sie Anlass, die Gegner des Vorhabens nochmals gehörig zu mobilisieren.

In der Dell ist auf einer Fläche von knapp 30 Hektar bekanntlich seit Jahren die Schaffung des größten neuen Wohngebiets im  Stadtgebiet geplant. Vor allem junge Familien sollen dort eine neue Heimat finden. Dagegen kämpft allerdings die BI Dell unter dem Motto „Flächenfraß ohne Maß“ an. Sie zweifelt grundsätzlich den errechneten Wohnraumbedarf in Aachen an und plädiert für eine Verdichtung in der Innenstadt und bessere Nutzungen bereits erschlossener Flächen. Schützenswerte Böden und ein wertvolles Kaltluftentstehungsgebiet gingen unwiederbringlich verloren, argumentieren Sprecher der Initiative.

Das Gerangel um die Richtericher Dell veranschaulicht das Dilemma, in dem Politiker auch an vielen anderen Orten der Stadt stecken: Es gibt im Stadtgebiet keine Flächen mehr, die nicht umstritten sind. Auf der einen Seite wird dringend Bauland gesucht, auf der anderen Seite soll jedoch auch der weiteren Versiegelung Einhalt geboten werden.

Mehr Erfolg als die BI Dell hat etwa der Verein „Umwelt- und Landschaftsschutz Aachen-Beverau“ gehabt, der eine Wohnbebauung der Beverau an der Adenauerallee allem Anschein nach erfolgreich abwehren konnte. „Der Plan ist wohl vom Tisch“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Lutz Dechamps, der glaubt, dass viele Politiker auch angesichts der gegenwärtigen Klimadiskussion „viel sensibler“ geworden sind.

Fünf Jahre lange habe der Verein „ruhige und sachliche Gespräche geführt“ und damit am Ende auch die Mehrheitsfraktionen von CDU und SPD vom Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen überzeugen können. Die Ecke gilt ebenfalls als wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet, bedeutsam sei sie für die Belüftung der gesamten Stadt.

Seine Arbeit einstellen wird der Verein trotz erfolgreicher Gegenwehr nicht, wie Dechamps erklärt. „Es gibt noch mehrere Gründe weiterzumachen“, sagt er, „die Verkehrsplanung ist etwa ein Thema.“ Viele Kinder würden in dem Viertel leben, durch das eine große Landesstraße führt. Da gebe es einiges zu tun.

Der Verkehr ist auch ein großes Thema für eine weitere Initiative, die in Forst aktiv ist, bisher allerdings noch keine große Öffentlichkeit gefunden hat. 180 Unterschriften hat das „Bürgerforum Schönforst“ bisher zusammentragen können mit dem Ziel, die weitere Bebauung an der „Automeile“ Neuenhofstraße abzuwenden und ein weiteres Gewerbegebiet an der Ecke Eisenbahnweg/Madrider Ring zu verhindern.

Schon heute sei die Verkehrsbelastung enorm. Weiteres Gewerbe würde nochmals täglich 3500 zusätzliche Fahrzeuge bringen. Umliegende Wohngebiete würden immer weiter zugeparkt, auch ginge eine der letzten grünen Brachflächen – ebenfalls eine Kaltluftschneise – verloren. Noch haben die Schönforster Hoffnung, die eher kleine Gewerbefläche wieder aus dem FNP streichen zu können. „Wir fühlen uns ja jetzt schon von Gewerbe erdrückt“, meint Wilhelm Homberg, einer der Aktiven.

Als größte neue Gewerbefläche will die Politik ein rund 26 Hektar großes Teilstück des ehemaligen Camp Hitfelds in den FNP aufnehmen. Mit Widerstand ist allerdings auch dort zu rechnen. Die BI Augustinerwald hat bereits angekündigt, alles daran setzen zu wollen, um das Areal als „Erholungsgebiet“ zu erhalten.

Ein Ende des Streits um den Flächennutzungsplan und die zukünftige Entwicklung der Stadt ist also noch lange nicht in Sicht.

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