Aachen: Offene Türen für die vierte Gesamtschule

Aachen: Offene Türen für die vierte Gesamtschule

Christiane Schwarz kann sich wohl nur an wenige Tage erinnern, an denen sie so viele offene Türen hintereinander einrannte. Zunächst einmal war da die Pforte zum Ratsaal. Dort tagte Dienstagabend das Bürgerforum und Schwarz war mit einer Handvoll Mitstreiter gekommen, um ihr Anliegen vorzutragen.

Und nachdem sie das getan hatte, rannte sie weiter offene Türen rein. Bei der SPD und den Grünen, die explizit betonten, dass ihre Pforten für Schwarz´ Vorschlag weit offen stünden. Auch aus Reihen der CDU wurde Wohlwollen bekundet, Leo Deumens (Linke) hob hervor, dass sich seine Partei schon immer für längeres gemeinsames Lernen eingesetzt habe und dass Schwarz´ Vorschlag ein erster richtiger Schritt auf diesem Weg sei.

Christiane Schwarz und ihre Mitstreiter waren in das Bürgerforum gekommen, um eine vierte Gesamtschule für Aachen zu fordern. Sie begründeten das. Mit dem bewährten pädagogischen Konzept der Gesamtschulen. Damit, dass an ihnen alle Abschlüsse machbar seien. Und mit dem prozentualen Anteil von Migranten, die Abitur machen. Der sei an Gesamtschulen nämlich deutlich höher als an Gymnasien.

Ihr wohl wichtigstes Argument hatten die Befürworter einer vierten Gesamtschule auf ein Plakat geschrieben. 1184 war da zu lesen. Das ist die Zahl der Kinder, die in den vergangenen fünf Jahren auf eine Gesamtschule gehen wollten, aber dort keinen Platz bekommen hatten. „Rund 140 waren es allein im vergangenen Jahr”, sagt Schwarz. Und sie nannte eine weitere Zahl. 1260. So viele Unterschriften hatten die Schulpflegschaften von Heinrich Heine Gesamtschule, Gesamtschule Brand, und Maria Montessori Gesamtschule - deren Pflegschaftsvorsitzende Schwarz ist - für die Gründung einer vierten Gesamtschule gesammelt. Drei Monate brauchten sie dafür.

Von Seiten der Verwaltung wurde betont, dass sie derzeit einen (rot-grünen) Antrag zum Thema „Überarbeitung der Schulstruktur” prüfe. Dabei sollen alle Optionen in den Blick genommen werden - was auch die der Einrichtung einer vierten Gesamtschule impliziert. Ulla Griepentrog (Grüne) warnte allerdings davor, „Luftschlösser zu bauen.” Angesichts des demographischen Wandels sei es unrealistisch, das eine neue Gesamtschule in „einem neuen Gebäude an einem neuen Ort” entstehe. Dr. Ralf Otten präzisierte. „Einem Schulleiter zu erklären, dass seine Schule demnächst geschlossen wird, ist nicht einfach”, sagte der CDU-Mann. Soll heißen: Für eine neue Gesamtschule müsste eine andere Bildungseinrichtung weichen.

Auf schnelles Ausweichen jedenfalls möchte Marlis Hamacher in Zukunft verzichten. Zumindest wenn sie durch die Burtscheider Fußgängerzone flaniert. Die Vertreterin des Seniorenbeirats sprach sich gegen eine Öffnung der Einkaufsstraße für den Radverkehr aus. Begründung: „Die steigen ja jetzt schon nicht ab. Und wenn die fahren dürfen, wissen wir gar nicht mehr, wohin wir springen sollen.” Auch von den Fraktionen wurde der Antrag, die Fußgängerzone für Radfahrer frei zu geben, mehrheitlich kritisch gesehen. Beschlossen wurde, das Thema in der Bezirksvertretung Mitte und dem Mobilitätsausschuss weiter zu behandeln. Eine Empfehlung, den Antrag umzusetzen, gab es allerdings nicht.

Eingebracht worden war er von Ursula Bender. Im Bürgerforum legte sie ihre Beweggründe dar. Würde die Fußgängerzone für Radler legal befahrbar sein, würde das die Feinstaubwerte reduzieren und den Anreiz, sich in Aachen auf den Sattel zu schwingen, steigern, sagte Bender. So sieht das auch Monika Volkmer. „Der Münsterplatz ist ein Beispiel, dass das funktionieren kann. Radfahrer und Fußgänger müssen nur aufeinander Rücksicht nehmen”, sagte die Vertreterin des „Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs”.

Die Bedenken die Fraktionsvertreter konnte sie damit nicht zerstreuen. Zumal sich auch die Kur- und Badegesellschaft sowie die Burtscheider Interessengemeinschaft nicht fürs Radeln in der Fußgängerzone erwärmen konnten.