Aachen: Offene Ganztagsschule Reumontstraße zieht nach zehn Jahren Billanz

Aachen : Offene Ganztagsschule Reumontstraße zieht nach zehn Jahren Billanz

240 Kinder besuchten bis zu den Sommerferien die Montessori-Grundschule Reumontstraße. Und 170 von ihnen gingen auch in die Offene Ganztagsschule (OGS). Im neuen Schuljahr werden es etwa genauso viele sein.

OGS-Leiterin Petra Kleine­feld und die stellvertretende Schulleiterin Sabine Larisch sind sehr zufrieden mit diesen Zahlen. Zeigen sie doch, dass die OGS an der Grundschule Reumontstraße ein Erfolgsmodell ist. Dabei war der Start, damals vor gut zehn Jahren, alles andere als einfach.

Direkt an das OGS-Gebäude in der Reumontstraße grenzt nun schon seit etlichen Jahren die Parkanlage „Werk-Kunst-Hof“, die sogar ein Wasserspielgerät zu bieten hat, mit dem man herrlich matschen kann. Die Kinder aus der Grundschule Reumontstraße waren seinerzeit sogar an der Planung des Parks beteiligt. Foto: Harald Krömer

„Von Elternseite war das nicht wirklich gewünscht“, erinnert sich Larisch. Der flächendeckende Ausbau der OGS auf Kosten der Hortbetreuung wurde in Aachen von massiven Protesten begleitet. Die Montessori-Grundschule Reumontstraße und die benachbarte katholische Grundschule, die damals bereits eng zusammenarbeiteten, gehörten mit zu den ersten Schulen, die die neue Art der Nachmittagsbetreuung bekamen. Vor allem von den Montessori-Eltern sei erheblicher Widerstand gekommen, so Larisch. „Es gab hitzige Diskussionen.“ Sie selbst war damals überzeugt, dass der Bedarf nach Nachmittagsbetreuung durchaus vorhanden sei und steigen werde. Und sie sollte recht behalten.

Gleich im ersten Jahr, im Schuljahr 2007/08, besuchten schon 75 Kinder die neue OGS, drei Gruppen also. Eher behelfsmäßig wurden sie alle miteinander in einem Klassenraum betreut. „Und unten im Keller hatten wir ein Mensaräumlein“, erinnert sich die damalige OGS-Leiterin, Kerstin Lipsch. Sie ist heute Fachbereichsleiterin beim Hauptkooperationspartner, dem Pädagogischen Zentrum (PÄZ).

Ein Meilenstein war 2008 der Umzug in das neue OGS-Gebäude neben dem Schulhaus. Ab dann stieg die Zahl der OGS-Kinder stetig und schnell auf fast 180 an. Die in der ursprünglichen Planung vorgesehen acht Betreuungsgruppen hätte man locker voll bekommen, sagt Sabine Larisch. Gebaut wurde letztlich nur für sechs Gruppen, und auch deshalb stößt das Erfolgsmodell OGS an der Reumontstraße längst an Kapazitätsgrenzen.

Kindliche Selbstbestimmung

Damit die vielen OGS-Kinder nicht strikt getaktet durch den Schulnachmittag geschleust werden, haben OGS-Team und PÄZ sich das System mit den Kernzeiten ausgedacht. „Von 12 bis 14 Uhr ist Zeit für Mittagessen und Hausaufgaben“, erläutert PÄZ-Geschäftsführerin Karin Montermann. „Aber jedes Kind entscheidet für sich, wann es essen und wann es lernen will.“

Diese Regelung passe auch wunderbar zum Montessori-Prinzip der kindlichen Selbstbestimmung, betont Petra Kleinefeld. „Wir sind sehr froh, diesen Schritt getan zu haben. Wir spüren sehr viel mehr Zufriedenheit bei den Kindern.“

Allerdings lasse sich OGS mit dieser Art Freiheit nur organisieren, wenn in den Räumen und in der Mensa ausreichend Platz vorhanden sei. Montermann betont auch: Wenn Kinder so viel Zeit in der Schule verbringen, brauchen sie (Frei-)Räume, in denen sie in Ruhe etwas bauen und auch mal bis zum nächsten Tag stehenlassen dürfen. Die multifunktionale Nutzung von Räumen, habe da ihre Grenzen, wo es um das Wohl der Kinder geht.

Neben der Offenen Ganztagsschule gibt es an der Schule Reumontstraße übrigens auch seit vielen Jahren die von einem Elternverein organisierte Mittagsbetreuung bis 14 Uhr.

Immer mehr Eltern nutzen mittlerweile die OGS-„Notgruppe“ in der Zeit von 16 bis 16.30 Uhr. An die 20 Mütter und Väter, die eine OGS-Betreuung über 16 Uhr hinaus brauchen, nutzen dieses Angebot — mit „Arbeitgeberbescheinigung“, wie Petra Kleinefeld betont.

Wie überall im Offenen Ganztag stöhnt auch das Team an der Reumontstaße über das knappe Budget. Auch in einem erst zehn Jahre alten Haus geht schließlich mal was kaputt. Aber selbst die Filzgleiter unter den Stühlen, die abgenutzt sind, müssten aus dem OGS-Etat ersetzt werden, beklagt Petra Kleinefeld.

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