Aachen: Oecher Schängche muss Sitzplatz im Flieger zur Kanzlerin kaufen

Aachen : Oecher Schängche muss Sitzplatz im Flieger zur Kanzlerin kaufen

Die Jungs haben sich kaputtgelacht. Weil Tausende das hörten: „Fluggast Öcher Schängchen wird zum Warteraum C 30 gebeten; Passenger Öcher Schängchen, please...“: So lautete die Durchsage auf dem Köln/Bonner Flughafen. Aus allen Lautsprechern. Schon auf dem Weg zu Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin — erstmals war eine Aachener Delegation Mittelpunkt des karnevalistischen Empfangs in Merkels Kanzleramt — drehte sich alles um die jecke Stockpuppe.

Wobei später sogar die Regierungschefin Hand anlegte... Vorher mussten die handverlesenen Öcher Jecken — Prinz Mike I. Foellmer, Adjutant Peter Brust, Schängchen Bernd Steinbrecher, Rittmeister Michael Winkens, Hofmarschall Thomas Jägerberg, AAK-Präsident Frank Prömpeler (Festausschuss Aachener Karneval) mit Vize Marcel Meis und Vorstand Nicole Hess — noch ein besonderes Kunststück vollbringen.

Sitzplatz fürs Öcher Schängchen: Für 660 Euro musste ein eigenes Ticket für die Handstockpuppe für den Flug nach Berlin gebucht werden — allerdings in der Holzklasse. Foto: Prömpeler

Denn die Fluggesellschaft Eurowings wollte Steinbrechers fast anderthalb Meter lange Handstockpuppe — das 97 Jahre alte Schängche — nicht als Handgepäck im Flugzeug in die Hauptstadt befördern. Obwohl man Holzklasse, also Economy flog. Aber die Öcher sind bekanntlich aus besonderem Holz geschnitzt — allen voran der Schang, der 1921 im Puppenspiel „Der Teufel in Aachen oder Et Schängche köllt der Krippekratz“ Weltpremiere feierte.

Hier steckte der Teufel im Detail: „Die Fluggesellschaft wollte unser Schängchen weder als Handgepäck noch als ganz normales Reisegepäck mitnehmen. Stattdessen hat man uns vorgeschlagen, für die Puppe einen Sitzplatz zu kaufen. Haben wir dann auch getan“, schildert Schang Steinbrecher. Ohne Schang nach Berlin? Das war natürlich keine Option. 660 Euro wurden berappt.

So sollte das Schängchen ausweislich seines eigenen Flugtickets von Eurowings „operated by Adria Airways“ auf dem Platz 19F (Nichtraucher) nach Berlin düsen. Und als ob das nicht schon abstrus genug wäre, legte der Hofstaat vor dem Einchecken am Flughafen noch einen drauf. Man habe den Mitreisenden „Schängchen“ verloren, teilte man dem Bodenpersonal mit — was dann zu besagter Flughafen-Durchsage führte. Nebst entsprechendem Gelächter.

„Der Schang ist dann allerdings im schwarzen Sack trotzdem im Handgepäck mitgeflogen“, erklärt Prömpeler. Warum? Weil Schangs Platz von Eurowings doppelt verkauft worden war. Und da die freundlichen Aachener dem bereits auf 19F sitzenden Menschen nicht zumuten wollten, ins Gepäckfach umzusteigen, verfrachtete man Schängchen dorthin. Der bekam dann in Berlin ohnehin einen der größten Auftritte seines stocksteifen Lebens.

Denn als Kanzlerin Merkel Prinz Mike I. und seine närrische Reisegruppe aus dem Westzipfel begrüßte, gipfelte die Zusammenkunft mit dem Schängchen in folgender Szene. „Die Kanzlerin hat tatsächlich versucht, aus den Händen des Schängchens eine Raute zu formen. Was echt witzig war“, erklärte Puppenführer Steinbrecher. „Angela Merkel gefiel das Öcher Schängchen direkt, sie hat versichert, sie wolle sich nun mit der Geschichte der lustigen Personenpuppe — heimatgeschichtlich Typ Domgraf im Aachener Puppenspiel — beschäftigen.

Damit war die Hauptrolle unter den 250 Karnevalisten aus 16 Bundesländern in Berlin eindeutig vergeben. „Schängche, reck mich e Hängche.“ Gesagt, getan. Schon blitzten die Fotografen, was die Kameras hergaben, TV-Sender filmten — und Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte Bilder von Merkel, Mike I. und dem Öcher Schängche in alle Welt. Die Merkel und der Schang — kurz sondiert, dann koaliert. „Eine tolle Erfahrung, großes Kino“, resümierte Prömpeler nach dem Empfang.

Es ist alles andere als selbstverständlich, dass aus den rheinischen Karnevalshochburgen Aachen — und nicht etwa Köln oder Düsseldorf — für die diesjährige Berlin-Mission ausgewählt wurde. Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus Ludwig Fess, wurde aber nicht nur deshalb zum Aachener Rosenmontagszug eingeladen. Er hat zugesagt, ist an Bord. Genauso wie das Öcher Schängchen — garantiert ohne Sitzplatz. Kostenlos.

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