Aachen: Öcher Platt und Öcher Blues gehen eine perfekte Liaison ein

Aachen: Öcher Platt und Öcher Blues gehen eine perfekte Liaison ein

Ganz unaufgeregt sitzt er auf einem Stuhl im Weißen Saal des Aachener Rathauses, beobachtet die eintrudelnden Gäste. Die Gitarre im Anschlag, über dem schwarzen T-Shirt eine braune Lederweste. Das typische Outfit eines Musikers, weniger das eines Preisträgers. In der Tat ahnt Dieter Kaspari, Jahrgang 1947, Fotograf, Musiker, glücklich verheiratet, zwei Kinder, nichts von seinem Glück.

Auch als er zwei Bluesstücke — natürlich mit Öcher-Platt-Texten — spielt, denkt er nicht im geringsten daran, dass er sich gewissermaßen selbst ein Ständchen bringt. Applaus ist er gewöhnt, und so lehnt er sich entspannt an eine Wand, als Oliver Thouet, ein Sohn der preisstiftenden Familie, zu seiner Rede anhebt.

Der macht das geschickt, verrät ein bisschen, aber gerade so wenig, dass Dieter Kaspari immer noch nichts ahnt. Erst nachdem Sabine Plum als Vertreterin des ersten Preisträgers des Thouet-Mundartpreises, der Alt Aachener Bühne, ein wenig aus dem Leben und der Chronologie des Preises erzählt, wird es langsam spannend.

Und dann macht Oliver Thouet kurzen Prozess: „Der Träger des 30. Thouet Mundartpreises heißt Dieter Kaspari!“ Der schüttelt ungläubig, aber nur kurz den Kopf und sagt selbstironisch: „Ich bin ein so ein hervorragender Redner, dass ich Musiker geworden bin.“ Aber selbst der Satz bringt ihm donnernden Applaus ein. Der wird ihm auch am 6. Januar, dem Tag der Preisverleihung, ganz sicher sein.

Der Frau aus dem Ostviertel, Ina Gröbner, folgt in Dieter Kaspari ein Mann aus dem Westviertel. Der Mann hat als Sänger, Gitarrist und Mundharmonikaspieler mit großen Blueslegenden zusammengespielt und viele Tourneen mitgemacht. Aber immer, wenn er nach Aachen kam, war für ihn klar: „Das ist meine Heimat. Aber meine Bluesstücke habe ich auch in Hamburg und in Ulm gespielt — und die Leute haben mich verstanden.“

Manfred Savelsberg, selbst eine Öcher-Platt-Ikone, entlockt dem neuen Preisträger vor dem Publikum im Weißen Saal ein paar persönliche Bemerkungen. Woher die Freude an der Musik kommt? „Die ist einfach da.“ Und was er von seiner Mutter, die in vielen Songs eine Rolle spielt, mitbekommen hat? „Meine Mam war ein Brander Stier, mein Vater kam aus der Eifel — das ist eine tödliche Mischung.“

Eine Gefahr kann man ausschließen: dass der erfahrene Bühnenmensch bei der Preisverleihung nervös sein wird. Er freut sich auf den 6. Januar und den „Thouetpriis“. Den hat er in den vergangenen Jahren mehrmals mitgestaltet. Einen Wunsch hat Kaspari für seinen Abend: „Dass die Truppe von ‚Pech&Schwefel‘ mitmacht.“ Die spricht auch Öcher Platt — und auch hier ist der neue Preisträger selbstverständlich mit von der Partie.

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