Aachen: Öcher Nölde stricken wieder feinste Satire

Aachen: Öcher Nölde stricken wieder feinste Satire

Dass Öcher Nölde besonders gut piesacken, davon konnten sich die Besucher bei der Premiere des neuesten Kabarettprogramms „Ich meng joe mär“ im Einhard-Gymnasium überzeugen. Seit 17 Jahren greift das Ensemble um Manfred und Jan Savelsberg Jahr für Jahr heiße Themen auf, bringt sie fein kabarettistisch verpackt auf die Bühne.

Schon der Titel bot sich ideal an, Geschehnisse aus Politik und lokalem Geschehen saftig zu verbraten und schmackhaft zu servieren. Das Entree aller Nölde mit dem Song „Ich meng joe mär“ ließ so manches erahnen: ein Spitzenhit, nach Öcher Facon gestrickt.

Da kommt auch Jan Savelsbergs Song „Atemlos“ genau richtig. Um fit zu bleiben, läuft der Gute „atemlos durch den Wald“. Als Saunaboys schwitzen sich Herbert Dejosez und Horst Kreuz in die Herzen der Besucher, Probleme mit dem Nachwuchs plagen die Helikoptereltern (Verena Clemens, Eva-Maria Arns, Kerstin Lenz, Ulla Liermann), vier gestandene „Nölde-Weiber“ mit spitzer Zunge.

Wenn Harald Brammertz, Verena Clemens und Manfred Savelsberg „typisch deutsch“ daher kommen, lassen Kulturschocks allerdings nicht lange auf sich warten. „Au Nöldefott“ oder „e Köppelche“ sind für manche Kellnerin in fernen Urlaubsländern halt Fremdwörter. Einfacher ist es mit „Denglisch“: Eva-Maria Arns und Ulla Liermann treffen beim „Newcomerday“ den Nagel auf den Kopf, raten aber: „Finger futt von englischen Begriffen.“

„Der Schötzekönneg“ ist Angelika Kutsch auf den Leib geschrieben, ihre Erlebnisse mit dem Festtagskleid und dem Treiben auf der Schützenwiese — einfach umwerfend. „Dat Jeli“ gibt eine vorzügliche Majestät ab, nachdem ihrem Bernd das Gewehr aus der Hand gefallen ist, sie es aufgehoben hat und sich ein Schuss löste, der den Flattermann prompt von der Stange holte: Treffsicher ihr Angriff auf die Lachmuskeln, damit schießt sie den Vogel ab.

„Outlet“-Erlebnisse der anderen Art gibt‘s nicht nur in Bad Münstereifel, Christian Menten und Jeli Kutsch shoppen auf Teufel komm raus. Und auch Heino ist zur Stelle, den et Jeli als „süßes Kind“ besingt. Vom Wasser verzapfen Kerstin Lenz und Christian Menten „Verzällcher“, Probleme mit der „Unreinen Haut“ (nicht nur im Gesicht) besingen Eva-Maria Arns und Jan Savelsberg. Mit „Yoga-Power“ beschäftigen sich Verena Clemens und Marianne Windmüller. Wenn der Vater mit dem Sohne (Manfred und Jan Savelsberg) eine Autofahrt macht, stehen derweil dem Filius die Haare zu Berge. Der Oldie hört und sieht schlecht, ergo fährt er miserabel. Aber den Lappen will er nicht abgeben. „Der Hans hat zehn Leute umgefahren, ich erst zwei“, so sein störrisches Argument.

„Wir sind länger tot, als wir leben“, singt Manfred Savelsberg folgerichtig in „Wenn der Himmel ruft“ (nach Johnny Cashs „Lonseome“). Da gibt der Koch den Löffel ab, der Gärtner beißt ins Gras, die Putzfrau wird zu Staub — „ich meng joe mär.“ Super-Manni begeistert die 700 Besucher mit seinen makabren Wortspielen.

In Aachen eine Veranstaltungsgenehmigung zu bekommen, ist allerdings auch „ein Drama“ für sich. Beim „ersten Aachener Genehmigungstag“ setzt es reihenweise Ablehnungen. Erst recht, wenn es sich um Rockmusik handelt. Kommentar: „Der Katschhof ist ein schöner, großer, leerer Platz. Darum lieben wir ihn so.“ Aachen olè, ich meng joe mär!

Die große Stunde für „Manni, der Huusmeäster“ (Savelsberg) kommt zum Finale: ein „Öcher Leckerbissen“ mit Erlebnissen bei der Stadtverwaltung. Da wiehert der Amtsschimmel, der Saal tobt. Was Manni als Verhaltensforscher alles herausgefunden hat: „Die Frauen latschen durch Aachen und sammeln Schuhe.“

Klasse wie immer auch die „Combo Jazzlite“, die sich hervorragend präsentiert und einen Sonderapplaus erhält. Ein dickes Lob gebührt der Textfabrik „Savelsberg & Co.“ (Marlene, Jan und Manfred). Ja, dann das „Grande Finale“ noch einmal mit dem Mottosong „Ich meng joe mär.“ Da hält es keinen mehr auf den Stühlen: Riesenbeifall für eine bewährte Kabarett-Spitzentruppe. Am kommenden Samstag und Sonntag geht es weiter: „Ich meng joe mär!“

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