Aachen: Obskurer Überfall auf Freier: Haft für Raub im Drogenmilieu

Aachen: Obskurer Überfall auf Freier: Haft für Raub im Drogenmilieu

An viele Dinge wollten sich die drei Angeklagten nicht mehr erinnern können. Die Verteidiger sahen darin die verheerende Wirkung von langem Drogenkonsum bestätigt. Wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und Freiheitsberaubung wurden Rebecca T. (28), Alex M. (35) und Vladji J. (43) zu Haftstrafen verurteilt.

Die zwei Männer bekamen ein Jahr mehr als vom Staatsanwalt gefordert. Sie sollen, so entschied die 1. große Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Arno Bormann, für fünf und für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Die aus Düsseldorf stammende Mittäterin kassierte immerhin noch drei Jahre und neun Monate Haft.

Die Tat am späten Morgen des 9. April 2012 war in der dreitägigen Hauptverhandlung kaum noch genau zu rekonstruieren. Nach dem nach Überzeugung des Gerichtes vorher abgesprochenen Tatplans sollte die als Prostituierte im Umfeld des Kaiserplatzes „tätige“ Rebecca T. beim dem späteren Opfer in der Steinkaulstraße klingeln und sich Einlass verschaffen.

Die Drogenabhängige habe gewusst, dass dort an der Adresse ein angeblich gut situierter Chemiker wohne, der sie bereits angesprochen und ihre Dienste hatte in Anspruch nehmen wollen. Doch sie hatte ihn bei dieser Begegnung „abgezogen“: Er hatte 50 Euro bezahlt und nicht das Versprochene bekommen.

Am Morgen des Überfalls versprach sie ihm an der Türe, dies nun nachholen zu wollen. Er ließ sie herein - und sie ließ wiederum für ihre Mittäter die Türe auf.

Die beiden Männer stürmten dann maskiert in die Wohnung, bedrohten sie und den Chemiker: Er solle 5000 Euro bezahlen, sei die Forderung gewesen.

Aufgrund ihrer „drogenverseuchten“ Hirne, wie ein Verteidiger den Zustand bei der Tat beschrieb, klappte jedoch nichts, wie es geplant war. Das Opfer zeigte nur wenig Angst. Der Mann wurde zunächst mit einem Messer - oder möglicherweise einem Gewürzbeil - bedroht werden, damit er schließlich preisgab, wo sein Portemonnaie lag. Daraus raubten die Männer, die ebenfalls aus der Aachener Drogenszene stammen, ganze 50 Euro sowie EC-Karten. Sie fesselten den Chemiker, der wenig Angst zeigte und immer lauter wurde. Er bekam Knebel in den Mund, damit er still war.

Später im Zeugenstand konnte sich sogar der 65-Jährige nicht mehr genau an den Tatablauf erinnern. Auch die Angeklagten zogen sich darauf zurück, dass die genauen Tatumstände bei ihnen in dem üblichen Drogennebel verschwunden seien. Die 28-Jährige schilderte, dass sie seit mehr als elf Jahren abhängig sei und sich mit Dealen und dem Verkauf ihres Körpers finanziert habe. Jetzt wolle sie einen Schlussstrich ziehen und mit einer Therapie den Grundstein für ein neues Leben legen.

Doch die 1. Große Strafkammer ließ sich durch die Drogenproblematik und die behaupteten Erinnerungsverluste nicht beeindrucken. Auch die Einlassungen des Opfers, er habe das alles als nicht so schlimm empfunden, zählten nicht bei der Findung des Strafmaßes. Alle drei müssen zunächst einen Teil ihrer Strafe verbüßen, erst dann dürfen sie in Entziehungsmaßnahmen.

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