OB und Planungsexperten von CDU und SPD weisen Kritik zurück

Aachener Stadtentwicklung : Brandbrief der Architekten zündet nicht

Der Brandbrief des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Aachen hat zum vergangenen Wochenende reichlich Öl ins Feuer gegossen. Oberbürgermeister Marcel Philipp, CDU-Fraktionschef Harald Baal und der planungspolitische Sprecher der SPD, Norbert Plum, haben am Montag vehement Vorwürfen widersprochen, nach denen man in Aachen in Sachen Stadtentwicklung auf der Stelle trete.

Außerdem prangerte Klever quälend lange Entscheidungsprozesse an, plädierte für eine weitgehend autofreie Innenstadt und forderte, das personelle Vakuum auf der Suche nach einem neuen Planungsdezernten (oder Dezernentin) schnellstmöglich zu beseitigen. Derzeit sucht die Stadt einen Nachfolger für den krankheitsbedingt schon vor Monaten ausgefallenen Dezernenten Werner Wingenfeld.

OB Philipp wies am Montag darauf hin, dass es glasklare gesetzliche Regelungen für solche Auswahlverfahren gebe. „Eine Einmischung von außen, auch seitens des BDA, ist da nicht nachvollziehbar“, sagte er. Gleichwohl sei „die Qualität der nun vorliegenden Bewerbungen nicht schlecht“, erklärte er. Letztlich entscheide der Stadtrat – niemand sonst, stellte er klar. Einer autofreien Innenstadt erteilte Philipp eine klare Absage.

„Damit haben wir uns in Aachen schon Anfang der 90er Jahre zur Lachnummer der Nation gemacht“, erinnerte er. Ab 1991 hatte Aachen vor allem samstags die sogenannte „fußgängerfreundliche Innenstadt“ vom Individualverkehr abgeschottet. Das Projekt war letztlich angesichts breiter Kritik – nicht nur aus dem Einzelhandel – gescheitert. „Da haben wir längst intelligentere Lösungen umgesetzt und auf den Weg gebracht. Womit wir nicht nur bei der Elektromobilität in Aachen eine Vorreiterrolle einnehmen“, erklärte der OB. „Die Mobilitätswende ist eingeleitet.“

Klare Absage: OB Marcel Philipp hält die BDA-Forderung nach einer autofreien Innenstadt für falsch. Foto: ZVA/Harald Krömer

Auch dank fortschreitender Digitalisierung befinde sich Aachen auf einem hervorragenden, zukunftsfähigen Kurs. Gleichwohl räumte OB Philipp ein, dass manche Entscheidungsprozesse zu lange dauern. „Ich selbst gehöre zu den Dränglern, befürworte schnellere Entscheidungen“, sagte er im Hinblick auf die Patt-Situation im Altstadtquartier Büchel wegen der Querelen zwischen Verwaltung, Politik und Investoren rund um den Rotlichtbezirk Antoniusstraße.

Mitwirkung kostet Zeit: CDU-Fraktionschef Harald Baal verweist auf die wünschenswerte Bürgerbeteiligung. Foto: HARALD KROEMER

CDU-Fraktionschef Harald Baal wies darauf hin, dass das vom BDA für den Personaldezernenten formulierte Anforderungsprofil völlig unrealistisch sei. „Charismatisch, Vordenker, omnipräsent – einer, der den Gordischen Knoten zerschlägt, mutig vorangeht und gleichzeitig mit allen im Gespräch bleibt und auf alles eingeht – das gibt es in der wirklichen Welt nicht“, sagte Baal.

Als Vorsitzender des Planungsausschusses weiß er um die komplexen Prozesse der Stadtentwicklung. „Wir wünschen uns Mitwirkung an Planungsprozessen aus der Bürgerschaft, und das setzen wir auch um. Aber dies führt naturgemäß dazu, dass Planungsprozesse bis zur Realisierung eines Bauvorhabens länger dauern“, erklärte Baal.

Bei der Suche nach Flächen für Gewerbe und Wohnen suche man aktiv den Schulterschluss mit dem Umland. „Das kann Aachen aufgrund der begrenzten Ressourcen nicht alleine stemmen, das ist längst auf den Weg gebracht.“ Der Verzicht auf jeglichen Autoverkehr sei illusorisch, sagte er.

Lehnt Pauschalkritik ab: SPD-Ratsherr Norbert Plum verweist auf Rekorde beim sozialen Wohnungsbau. Foto: Ralf Roeger

Auch SPD-Planungsexperte Norbert Plum verwies auf erfolgreiche Politik der vergangenen Jahre. Beispiel „geförderter Wohnungsbau: Hier habe man in Aachen vergangenes Jahr 287 Wohneinheiten bezugsfertig in Aachen gebaut – nach 209 im Jahr 2017 und 222 im Jahr 2016. Zum Vergleich: Bis 2012 waren es nicht einmal 100 pro Jahr. „Man sieht, dass wir hier erfolgreich gestalten; die Kritik daran zieht nicht“, sagte Plum.

Er wies die pauschale BDA-Schelte ebenfalls zurück. „Der BDA würde offenbar gerne Einfluss auf die Besetzung der Stelle des Planungsdezernenten nehmen. Das ist ausgeschlossen. Besser wäre es gewesen, wenn er rechtzeitig einige hochwertige personelle Vorschläge auf den Weg gebracht hätte“, so Plum. Laut BDA hat man indes im Bewerberkreis – um im Wortbild zu bleiben – ein heißes Eisen im Feuer.

Steine des Anstoßes: Im Altstadtquartier Büchel rund um die Antoniusstraße steht die Stadtentwicklung still. Foto: Andreas Steindl
Mehr von Aachener Zeitung