Aachen: Nutzung der Sportstätten: Vereine weiter gratis, andere zahlen drauf

Aachen: Nutzung der Sportstätten: Vereine weiter gratis, andere zahlen drauf

Es ist eine Art Spagat, die der städtische Fachbereich Sport mit seiner neuen Entgeltordnung für die Nutzung der Aachener Sportstätten versucht. Denn das antiquierte Regelwerk soll nicht nur modernisiert und in vielen kleinen Details an heutige Gegebenheiten angepasst werden, sondern es soll durch kräftige Preiserhöhungen auch mehr Geld in die städtischen Kassen gespült werden. Sozial soll das Ganze aber auch bleiben.

Und natürlich familienfreundlich. Ob das klappt, darüber werden letztlich die Nutzer entscheiden. Hier ein Blick auf die wichtigsten Aspekte:

Die Vereine: Ob in Schwimmbädern, Turnhallen oder auf Sportplätzen: An der bisherigen Praxis, den Aachener Vereinen, Schulen, Kitas, Jugendhilfeträgern, Betriebs- und Behindertensportgemeinschaften eine kostenlose Nutzung zu ermöglichen, wird nicht gerüttelt. Auch für die Fußballteams der Bunten Liga beispielsweise soll sich nichts ändern. Bei der Verwaltung ist man auf diese Leistungen stolz: „Es gibt zum Beispiel kaum noch Schwimmhallen im Umfeld von Aachen, die für Vereine kostenlos sind“, sagt Petra Prömpler, Leiterin des städtischen Sportamts. Dafür müssen die anderen — auswärtige Vereine oder kommerzielle Nutzer — künftig bei Nutzungs- und Beleuchtungsgebühren kräftig draufzahlen: Auf teurem Kunstrasen oder im Waldstadion kostet die Übungsstunde dann nicht mehr zehn, sondern 90 Euro, bei Sportveranstaltungen sogar nicht mehr 30, sondern 180 Euro.

In den Schwimmhallen wird es aber auch teilweise happig. So werden die Schwimmkurse organisatorisch umgekrempelt (20 statt bisher 15 Stunden, Eintritt demnächst inbegriffen), aber vor allem werden sie deutlich teurer — beim Einzelunterricht liegt der Aufschlag pro Stunde zwischen knapp 55 Prozent (Erwachsene) und 116 Prozent (Kinder unter sechs). „Einzelunterricht ist Luxus“, sagt Prömpler, das Angebot werde ohnehin kaum gebucht. Da drängt sich der Gedanke auf, dass man es nun per Preiserhöhung ganz abschaffen will. Aber auch die Gruppenkurse werden teurer — bei den Erwachsenen nur geringfügig (plus 2,7 Prozent), bei Kindern, Jugendlichen und sonstigen Ermäßigungen (plus 25 Prozent) und Kindern unter sechs (plus 33,3 Prozent) deutlich kräftiger. Auch wenn Kinder von Leistungsempfängern hier weitgehend ausgenommen sind, weil sie sich die Kurse per Bundesmitteln über das Bildungs- und Teilhabepaket finanzieren lassen können: Die deutliche Preiserhöhung bei Kindern und Jugendlichen fällt ins Auge. „Wir haben die Kursgebühren seit der Euro-Umstellung nicht mehr erhöht“, hält Prömpler dagegen.

Wenig familienfreundlich mutet auch die künftige Preisgestaltung beim beliebten Geburtstagsschwimmen an. „Das ist ein Renner“, sagt die Sportamtsleiterin. Künftig verdoppelt sich allerdings der Preis — ausgenommen sind wieder sozial schwache Kinder — für den „Renner“: Ein Geburtstag mit zehn Gästen, den es heute für 27,50 Euro gibt, kostet dann 55 Euro. „Wir stecken da sehr viel Personal hinein“, sagt Prömpler, „und andere Geburtstagsevents sind noch teurer.“