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Die Woche in Aachen: Nur noch mit Toupet ins Freibad

Die Woche in Aachen : Nur noch mit Toupet ins Freibad

Eine Frage ist geklärt: Oben ohne geht im Hangeweiher nicht. Andere Fragen bleiben hingegen offen. Ein Rückblick auf Themen der Woche.

Geht es Ihnen auch so? Sie spazieren abends durch die Innenstadt und sagen sich: „Kenger, wat ist dat schön hier.“ Also rund um Dom und Rathaus. Einen weiteren Radius wollen wir nicht ziehen. Die Gefahr, die eigene Einschätzung relativieren zu müssen, ist bereits wenige Meter vom Münster entfernt ziemlich groß. Wenn man zum Beispiel an der Ecke Franzstraße steht, vor dem Citycenter. Oder in der Adalbertstraße, im Dahmengraben oder an der Peterstraße ... Aber das ist eine andere Baustelle.

Sie befinden sich also in der City und fühlen sich wohl. Weil – auch das ist mehr als eine Binsenweisheit – alles in wohliges Licht gehüllt ist. Soweit LED-Technik wohlig sein kann. Sicher gibt es den ein oder anderen, der das piefig findet. Dieses Historisierende, das zum Beispiel die alten Laternen ausmacht, die überhaupt nicht so alt sind, wie sie aussehen. Aber sie gehören einfach dazu. Basta. Hier ohne Not Fußgängerzonen und Plätze auf modern zu trimmen, versteht kaum ein Mensch. Wobei modern auch relativ ist. Kommt das neue Modell „Residenza“ denn modern daher? Oder einfach nur hässlich? Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Wir legen uns hier einmal ganz objektiv fest: Residenza ist keine Schönheit, eher das Gegenteil. 

Die Planer haben sich das aber prima zurechtgelegt und ebenso prima von der Politik absegnen lassen: Es muss einheitlich sein. Also macht man sich sukzessive daran, zu vereinheitlichen. Denken wir diese Idee einmal konsequent weiter: Das Aus der Alt-Aachener Laternen ist programmiert. Nur der Zeitraum ist noch nicht definiert. Denn wenn die Krämerstraße der Inbegriff der einheitlichen Gestaltung sein soll, dann muss der Rest der ollen Lampen auch auf den Müll. Halt! Klarstellung! Sie kommen ja nicht auf den Müll, sondern ins Endlager. Dort dürfen sie abklingen. So hat die Verwaltung diese Woche ihre eigene Falschmeldung richtiggestellt. Der guten Ordnung halber sei es auch hier erwähnt.

Jetzt werden Sie völlig zu Recht sagen: Gibt es derzeit nicht drängendere Probleme als Lampen? Antwort: eindeutig ja! Aber das so wichtig Nebensächliche aus dem Blick zu verlieren, weil es akutere Themen gibt, ist auch nicht der richtige Weg. Die vielen Reaktionen auf den Lampenstreit zeigen ganz deutlich: Wenn es um ihre Stadt geht, dann sind die Öcher und Öcherinnen hoch emotional. Eine sympathische Identifikation mit Heimat ist das. Verwaltung und Politik sollten das nicht unterschätzen!

Ein Jahr ist es her, dass die Flut auch in unserer Region großes Leid verursacht hat. Der Rückblick auf die schlimmen Ereignisse zeigt aber auch noch einmal, wie groß die Solidarität war, wie schnell Trost gespendet und konkret geholfen wurde. Beeindruckend ist die Summe an Spenden, die unsere Leserinnen und Leser dazu beigetragen haben. Das zählt: Zusammenhalt, Anpacken, für andere da sein. Aber es bedarf noch mehr: Vorausblickende Planung tut Not, um im Notfall gewappnet zu sein. Damit Naturereignisse dieser Art nicht auch ganz natürlich zu so großen Schäden führen. Dazu gehört auch eine schonungslose Fehleranalyse. Denn vielerorts sind die Probleme hausgemacht. Es fehlt an Regenrückhaltebecken, an Auen, um selbst kleine Bäche nicht zum reißenden Strom werden zu lassen. Da tut sich jetzt einiges, aber es ist noch längst nicht alles getan.

Manch einer in der Aachener Verwaltung fühlt sich verfolgt. Weil es eine erhebliche Fehleinschätzung gibt. Kritik ist nicht gleich Kampagne. Fehler und Defizite müssen benannt werden. Wie es in dieser Woche der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) getan hat. Mit durchaus scharfem Schwert. Planen und Bauen werde massiv erschwert, klagt ein BDB-Sprecher. Das hat man Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen dann in einem mehr als deutlichen Schreiben auch mitgeteilt. Immerhin: Die Klage stößt nicht auf taube Ohren. Die personellen Probleme in den Fachändern seien allerdings auch nicht von der Hand zu weisen. Zumindest gibt es Signale, dass sich die Situation jetzt verbessert.

Und wo wir eben schon bei den wahren Problemen in dieser Welt im Allgemeinen und in Aachen im Speziellen waren – auch diese Frage ist jetzt abschließend geklärt: Oben-ohne-Baden ist im Freibad Hangeweiher nicht gestattet. Punkt! Das wird vor allem die Menschen hart treffen, die aus biologischen oder modischen Gründen Glatze tragen. Sie brauchen künftig mindestens ein Toupet. Besser zwei, weil das erste wahrscheinlich beim ersten Sprung ins Wasser baden geht. Oben ohne eben ...

Die Woche in Aachen: Da wird jeder Kaffeeklatsch zur Tortur. Weil Wespen zu Mitessern mutieren. Schädlingsbekämpfer rödeln im Akkord. Dabei ist die Lösung so einfach: Kuchen nur in Begleitung eines Wespenbussard oder Neuntöters verspeisen. Das sind die natürlichen Feinde der Wespen. In diesem Sinne: guten Appetit, pardon, schönes Wochenende!