Aachen: Nur jeder zwölfte Katholik geht zur Messe

Aachen: Nur jeder zwölfte Katholik geht zur Messe

Die Zahl der Aachener Katholiken ist auf einem historischen Tiefstand gelandet. Von insgesamt 266.337 Bürgern, die laut Generalvikariat in der (Kirchen-)Region Aachen-Stadt (inklusive Kornelimünster/Roetgen) leben, gehörten zum Stichtag 1. Januar 2012 nur noch 125.572 der katholischen Kirche an - das sind gerade noch 47 Prozent.

Laut der kirchlichen Statistik, die am Freitag für das Jahr 2011 veröffentlicht wurde, hat Aachen im Jahresvergleich 1356 Katholiken verloren. Seit 2006 zählt Bischof Heinrich Mussinghoff in der Kaiserstadt sogar über 7000 Katholiken weniger.

Die Reihen lichten sich

Seinen Priestern geht es bei einem Blick in die Kirchenbänke kaum besser. In einigen Gemeinden erscheinen kaum eine Handvoll Besucher zum Sonntagsgottesdienst. Auch deswegen werden Kirchen verkauft - wie demnächst St. Elisabeth am Blücherplatz. Im Aachener Durchschnitt gehen nur noch gut acht Prozent der Gläubigen zur Messe - das sind nach der jüngsten Zählung 10.587 Katholiken, fast 1000 weniger als 2010. Oder umgekehrt gerechnet: Nur noch jeder zwölfte Katholik besucht den Gottesdienst. Prozentual rangiert die Region Aachen deutlich unter dem Bistumsdurchschnitt (9,7 Prozent Gottesdienstbesucher).

Rückläufig ist weiterhin die Zahl der Erstkommunionen. 2006 waren es 1127, 2011 nur noch 840. Dafür registrierte man 746 Firmungen - deutlich mehr als in den zurückliegenden Jahren.

Zumindest zur Hochzeit zieht es in Aachen wieder mehr Christen vor den Altar. 2011 gaben sich 259 Paare auch vor Gott das Ja-Wort - 48 mehr als im Vorjahr.

Erfreulich für die Bistumsleitung: 58 Menschen, die ausgetreten waren, traten 2011 wieder in die Kirche ein. Hinzu kommen 25 katholische Kircheneintritte, darunter zwölf evangelische Christen.

Weniger erfreulich ist die Zahl der Kirchenaustritte in Aachen: 744 kehrten dem Bischof den Rücken. Das sind zwar weniger als nach den Missbrauchsskandalen 2010 (902), aber immer noch viel mehr als in den vorherigen Jahren. Generalvikar Manfred von Holtum erklärte, es schmerze ihn, dass die Zahl so hoch sei. „Es zeigt, dass wir auf dem Weg, intensiver mit unseren Katholiken in Kontakt zu treten und den Dialog zu suchen, weitergehen müssen. Ein Schritt in diese Richtung war im letzten Jahr die Dankaktion des Bischofs zur Kirchensteuer”, teilte er mit. Allerdings zahlt inzwischen kaum noch jeder dritte Katholik als Erwerbstätiger tatsächlich Kirchensteuern.

Nachdenklich stimmt auch die abschließende Zahl der Aachener Statistik: 1031 Katholiken starben 2011. Dies ist zwar ebenfalls ein Tiefstand (2006: 1243), aber letztlich kaum ermutigend.

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