Aachen: Nun kommt die vierte Gesamtschule doch

Aachen: Nun kommt die vierte Gesamtschule doch

Schulleiter Klaus Becker war erst sprachlos, dann enttäuscht. Er hatte das Geschwister-Scholl-Gymnasium als erstes Aachener Gymnasium in den gebundenen (verpflichtenden) Ganztagsunterricht geführt. Er sah eine neue Perspektive für seine Schule. Er hatte falsch gesehen.

Denn CDU, SPD und Grüne haben einen Antrag formuliert, in Aachen eine vierte Gesamtschule zu eröffnen. Dafür sollen das Geschwister-Scholl-Gymnasium, die Hugo-Junkers-Realschule und die Hauptschule Aretzstraße auslaufen und somit letztlich geschlossen werden.

Die neue Gesamtschule wird als „integrierte Stadtteilschule” an Stelle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums an der Stolberger Straße einziehen. „Ich bin darüber nicht glücklich”, sagt Becker.

Am Montag hatten die Fraktionen unabhängig voneinander über die Schullandschaft diskutiert und kamen unabhängig voneinander zu dem Entschluss, dass Aachen eine vierte Gesamtschule brauche.

Das wurde am Mittwoch gemeinsam auf den Weg gebracht - zur Freude der Linken, die schon 2008 eine vierte Gesamtschule beantragt hatte.

„Man kann die Überhänge nicht wegdiskutieren”, kommentiert Fraktionsvorsitzender Harald Baal. Zuletzt fanden 250 Kinder keinen Platz an einer der drei Gesamtschulen.

„Man kann über pädagogische Konzepte streiten, aber auch wir sehen, dass an den Gesamtschulen gute Arbeit geleistet wird”, erklärt Baal.

Alle anderen Ideen für Kooperationen verschiedener Schulformen sind vom Tisch. „Alle Verbundlösungen wären uns nicht genehmigt worden. Aber wir müssen jetzt reagieren”, erläutert SPD-Schulexperte Claus Haase.

Wird der Antrag vom Land genehmigt, und die Chancen sind groß, dann wird die Schule bereits zum Schuljahr 2010/2011 an den Start gehen. Die drei betroffenen Schulen werden dann keine Kinder mehr aufnehmen.

An der Hauptschule Aretzstraße spricht Leiter Manfred Paul von einem „voreiligen Schritt”. Die Schulen hatten mehrfach an einem Tisch gesessen und Kooperationen besprochen - nie diesen Einschnitt.

Die Politiker betonen unisono, dass sie die „hervorragenden Konzepte” der Schulen bündeln wollen. Paul kann dazu nur sagen: „Unsere Schüler können in einer großen Schule nicht so gefördert werden, wie sie es brauchen.” Er ist enttäuscht.

Verständlich, findet dies Grünen-Sprecher Michael Rau. „Aber auch die Betroffenen werden die Chance der neuen Schule erkennen. Die Idee ist genial”, sagt er dann.

CDU, SPD und Grüne wollen eine Schule, die stark integrativ im Viertel arbeitet und alle Schulabschlüsse bietet. „Es ist nicht einfach eine vierte Gesamtschule”, kündigt Grünen-Schulexpertin Karin Schmitt-Promny an.

„Wie soll das funktionieren?”, fragt Klaus Becker. Er wird 2010/2011 einen Gesamtschuljahrgang, einen Ganztagsgymnasialjahrgang und sieben Gymnasialjahrgänge an seiner Schule haben. „Das kann ich mir nicht vorstellen”, sagt er.

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