Aachen: „Nuhr ein Traum“ und doch so viel mehr

Aachen: „Nuhr ein Traum“ und doch so viel mehr

Schon früh drängte sich das Publikum ins Foyer des Eurogress, um einen guten Ausblick auf den bekannten Kabarettisten zu haben. Der inzwischen mit dem Prädikat „Hassprediger“ herumläuft, verliehen von Rapper Bushido, der anscheinend keine Kritik an islamistischen Wüterichen verträgt.

Da staunt selbst der gut aufgelegte Dieter Nuhr, den die Gäste im Eurogress begeistert empfangen — auch wegen seiner klaren Haltung gegenüber echten, militanten Hasspredigern.

Zum zweiten Mal schon mischt der beliebte Comedian die Besucher im Eurogress auf: Bereits 2014 war seine Vorstellung restlos ausverkauft. Mit „Nuhr ein Traum“ entwickelt Nuhr, Jahrgang 1960, ein Feuerwerk von Ideen und Gedanken, tief hineingehend in die Abgründe der menschlichen Traumwelt. Gleichzeitig aber wirkt der ausgebildete Lehrer wie ein humorvoller Therapeut, der Ordnung in den Wirrwarr von Meinungen bringen will. Kein Wunder, meint er — schließlich sei seine Mutter Aachenerin.

„Voll katholisch“ sei seine Familie, und so wurde er auch Messdiener. Wie Nuhr es schafft, gleichzeitig Performer, Autor, Weltreisender, Künstler und Philosoph zu sein, erstaunt seine Fans immer wieder neu. Zweifellos ist er kein Verehrer der liebreizenden Helene Fischer: „Aus wie vielen Robotern ist die eigentlich zusammengebaut?“ Und die ältere Andrea Berg mag er sogar noch weniger.

Doch er hat auch sehr wichtige Themen im Paket: Die Voraussagen des Club of Rome etwa seien „zu apokalyptisch und zu spekulativ“. Das erinnere ihn an die Kabarettisten früherer Zeit — „da war doch auch alles so traurig“. Und dann die „armen Wälder“, die immer so betrauert würden: „Dabei düngt CO2 die Bäume, die brauchen das Treibhausgas, um sich ausbreiten zu können. Das wollen manche Grüne nicht hören.“ Ansonsten ist Nuhr großzügig: „Ich mag‘s auch vegetarisch, falls auch mal Fleisch auf den Teller kommt.“

Er will den Blick „auf das Positive in unserer Gesellschaft“ werfen, aber er mag nun mal keine „Weltenretter“. Die werden nämlich schnell zu „Hasspredigern“, meint er. Voller Ironie nennt er den Papst „einen lustigen Vogel“, der ja in Ohrfeigen nichts Schlechtes für Kinder sehe. Ja, Franziskus sei wohl auch ein guter „Rapper“ im katholischen Bereich. Doch das bleibt sicher „Nuhr ein Traum“.

Auch nach der Pause jauchzen die Besucher vor Vergnügen. Und das, obwohl Nuhr den Leuten auch die Leviten liest. Unzufriedenheit in einem reichen Land, eine gewisse Rotzigkeit mache sich breit — zwischen Pubertät und Demenz merke man kaum, wie gut es einem gehe. „Unser Hirn wiegt etwa 1400 Gramm, so viel wie ein Papagei“.

Was stimmt? Was ist gelogen?

Nach der Pause möchte er „niemanden verletzen“, aber Klimawechsel und erhöhter Meeresspiegel gingen ihm an einem ganz bestimmten Körperteil vorbei. „Was stimmt? Was ist gelogen“? Uns könne man wohl viel erzählen, aber man müsse nicht alles glauben. Immer neue Themen — auch über Frauen und Männer — kommen ins Spiel. Tempo 30 in der Innenstadt, „Handy-Strahlung und Statistiken, mit denen man alles beweisen kann“ — und dass „Witz und Wodka“ hilfreich seien.

Am Schluss — „ist doch selbstverständlich“ — signiert Nuhr für seine Gäste sein neues Buch: „Das Geheimnis des perfekten Tages“. Das Ganze: ein perfekter Auftritt, fürwahr.

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