Aachen: Noch tropft es: Neues Dach für die Taufkapelle

Aachen : Noch tropft es: Neues Dach für die Taufkapelle

Helmut Maintz rüttelt an den Schieferplatten. Die dritte, die der Dombaumeister auf ihre Stabilität hin prüft, löst sich und lässt sich aus der Dacheindeckung der Taufkapelle herausziehen. Sie ist brüchig und stellenweise moosbedeckt.

Die ursprünglich gotische Kapelle aus dem 18. Jahrhundert wurde zwar zuletzt 1984 saniert, das Schieferdachs hatte die Dombauhütte dabei aber zunächst außen vor gelassen. „Jetzt ist das Dach undicht und wir kommen um die Erneuerung nicht mehr herum“, sagt Maintz.

Für die nächsten 200 Jahre

Das Wasser, das durch Lücken und Risse dringt, hat bereits die darunterliegende Holzschalung beschädigt, so dass auch hier saniert werden muss — wenn der Schaden bereits zu groß ist, wird sogar eine neue Holzschale aufgesetzt werden müssen. Beim Schieferdach reicht Sanieren nicht mehr aus: Nach den Sommerferien wird das Dach der Kapelle am Rande des Domhofs komplett ab- und anschließend neu gedeckt. Etwa ein halbes Jahr wird es dauern, das rund acht Meter hohe Dach zu erneuern und die Bleigrate an den Kanten, also sozusagen die Nähte des Dachs, auszutauschen. Dafür wird die Taufkapelle in mehreren Stufen eingerüstet, so dass die Handwerker alle Ebenen des Dachs bequem erreichen können.

Der aktuelle Dachbelag stamme erst aus der Nachkriegszeit, sagt Maintz. Er sei aber ungenau gedeckt worden, wodurch er nun schon nach rund 70 Jahren brüchig ist. „Wenn man es ordentlich macht, kann so ein Schieferdach bis zu 200 Jahre lang halten“, erklärt der Dombaumeister.

Beim aktuellen Dachbelag wurde wahrscheinlich Moselschiefer verwendet — mit dem solle in Abstimmung mit der Denkmalpflege auch jetzt wieder gearbeitet werden, wenn nach den Sommerferien die Arbeiten an der Taufkapelle beginnen. In jedem Fall werde es eine heimische Schiefereindeckung, sagt Maintz.

Kosten wird die Dacherneuerung 300.000 bis 500.000 Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen bezuschusst die Sanierung mit Denkmalfördermitteln in Höhe von 100.000 Euro.

NRW-Ministerin Ina Scharrenbach findet es wichtig, die Bürger dabei zu unterstützen, das kulturelle Erbe ihrer Stadt zu erhalten. Beim Besuch in Aachen lässt sie sich von Maintz und von Thomas Kempen vom Karlsverein-Dombauverein die anstehenden Arbeiten an der Taufkapelle zeigen — und gewann beim Rundgang durch den Dom einen Überblick über die Grundsanierung der vergangenen 30 Jahre. „Wie wollen die Menschen das historische Erbe ihrer Heimat weiterentwickeln?“ — das sei die Frage, die sie bei ihrem Besuch in Aachen besonders interessiert habe, sagt Scharrenbach.

Auf der Brücke und im Turm des Doms zeigt Maintz der Ministerin das Bleidach mit „Formel 1“- Unterbau aus Carbon, die im vergangen Jahr sanierten 9000 Orgelpfeifen und die Chorhalle des Doms, der 1978 als erstes deutsches Bauwerk auf der Liste des Unecso Welterbes landete. Für dieses Jahr steht neben der Dacherneuerung für die Dombauhütte nur noch eine weitere Baustelle an: Die Innenbeleuchtung des Doms muss erneuert werden.

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