Aachen: Niederländisches Vorbild: Grüne wollen große Kreuzungen umbauen

Aachen : Niederländisches Vorbild: Grüne wollen große Kreuzungen umbauen

Auf der Mittelinsel des Hansemannplatzes steht immer noch das „Ghostbike“ - jenes weiß getünchte Fahrrad, das mit stets neuen Kerzen und Blumen geschmückt wird. Es steht dort schon seit Ende April vergangenen Jahres. Und niemand — auch nicht die Stadt — denkt auch nur daran, es zu entfernen.

Denn dieses „Ghostbike“ erinnert an jenen schrecklichen Unfall, bei dem eine Fahrradfahrerin am Hansemannplatz unter einen Bus geriet und starb. Verkehrstechnisch ist auf der Kreuzung — einer der größten und meistbefahrenen der Stadt — längst wieder der Alltag eingekehrt. Inklusive der Gefahren, die die Verkehrsführung dort insbesondere für Fahrradfahrer mit sich bringt. Das wollen die Grünen — auch in Bezug auf Fußgänger — nicht mehr länger hinnehmen. Am Hansemannplatz nicht und auf vielen anderen Kreuzungen im Stadtgebiet auch nicht. Sie haben jetzt einen Ratsantrag formuliert, demzufolge gefährliche Kreuzungen umgebaut werden sollen. Angefangen eben mit dem Hansemannplatz und auch dem Kaiserplatz.

„Nach dem tödlichen Unfall ist ein Aktionsplan Verkehrssicherheit ins Leben gerufen worden. Doch dieser ist noch nicht mit Leben gefüllt“, sagen die grünen Verkehrspolitiker Wilfried Fischer und Relindis Becker. Die Grünen wollen jetzt Nägel mit Köpfen gemacht wissen. Und zwar nach niederländischem Vorbild. Die Änderung für den Hansemannplatz kommt dabei vergleichsweise simpel daher. Wie im Nachbarland sollen die Radwege im Kreuzungsbereich einfach ein Stück verschwenkt werden, was den Sicherheitsfaktor enorm erhöht. Am Kaiserplatz hingegen stehen die Fußgänger im Fokus, insbesondere im Bereich Gasborn/Stiftstraße. „Da weiß man als Fußgänger kaum, wo man eigentlich die Straße überqueren soll.

Die Sicherheit ist für die Grünen auch der Schlüssel für einen hören Fahrradanteil im „Verkehrsmix“. Der stagniere seit etlichen Jahren bei zehn oder elf Prozent. Über die Parteigrenzen hinweg sei man sich jedoch einig, dass 20 Prozent die Zielmarke ist. Weswegen die Grünen auch zuversichtlich sind, dass ihr Antrag im Rat auf fruchtbaren Boden fällt. „Ich kann mir überlegen, ob ich mit dem Stadtpanzer in die City fahre und die Luft verpeste. Oder ich kann mir überlegen it dem Fahrrad zu fahren und schlage abends drei Kreuze, dass ich noch lebe“, drückt es Fischer pointiert aus. An der Sicherheit müsse dringend gearbeitet werden.

Relindis Becker sagt, dass zum Beispiel am Hansemannplatz viel Platz sei, so dass man die Änderungen vornehmen könne, ohne dabei etwa den Autofahrern Platz wegzunehmen. Die Verkehrsteilnehmer würden lediglich besser voneinander getrennt. Wilfried Fischer sagt aber auch, dass man in der Abwägung „mehr Sicherheit oder ein paar Meter mehr Stau“ die Priorität eindeutig auf die Sicherheit legen müsse.

Auch für die Autofahrer werde es sicherer, wenn es die Gefahrenpunkte insbesondere beim Rechtsabbiegen nicht mehr gäbe. Sollte es an Kreuzungen am Ende zum Beispiel Umstellungen bei den Ampelphasen geben müssen, sei auch das nötig: „Früher wurde nur im Sinne der autogerechten Stadt geplant. An Ampeln galt, dass möglichst viele Autos rüberkommen.“ Heute nehme man auch die Sicherheit der Radfahrer und Fußgänger in den Fokus. Eine Planung, wie sie die Grünen am Hansemannplatz vorschlagen, sei in den Niederlanden üblich, würde für Aachen aber ein absolutes Novum darstellen.

Außer dem Hansemann- und dem Kaiserplatz gebe es noch viele große Kreuzungen, die sicherer werden müssten. Die Normaluhr, die Schanz, Ponttor, Mozartstraße und Europaplatz seien nur Beispiele. Zur Finanzierung dessen gebe es „etliche Förderprogramme“, sagt Fischer. Auch Geld aus dem Dieselgipfel könnte dafür eingesetzt werden. Im Haushalt stünden ohnedies 1,2 Millionen Euro für den Aktionsplan Verkehrssicherheit. Die Grünen peilen das Ziel an, dass zwei Kreuzungen pro Jahr umgebaut werden sollen.