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Niederländer entwickeln gigantischen "Campus Jahrhunderthalle"

Groß wie zwölf Hangeweiher-Becken : „Campus Jahrhunderthalle“ soll an der Jülicher Straße entstehen

Die gewaltige und gammelnde „Jahrhunderthalle“ an der Jülicher Straße ist von Kadans Science Partner gekauft worden. Entsprechende Informationen unserer Zeitung hat der Projektentwickler jetzt bestätigt. Es geht um einen Umbau und Abrissarbeiten für einen neuen Campus auf 50.000 Quadratmetern.

Zehn Mal so groß wie der Aachener Katschhof: Das Areal an der Jülicher Straße mit der gewaltigen „Jahrhunderthalle“, in der zurzeit Streetscooter Hunderte Elektroautos der Post zwischenparkt, hat für einen Millionenbetrag den Besitzer gewechselt und soll unter dem Namen „Campus Jahrhunderthalle“ zu einer hochmodernen wissenschaftlichen Arbeits- und Produktionslandschaft umgebaut werden. Dies hat Christoph Kellermann, Direktor des neuen Eigentümers Kadans Science Partner Germany, am Montag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.

Auf Europas größter Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München war der Verkauf der früheren Montagehalle der Maschinenfabrik Garbe-Lahmeyer aus dem Jahr 1899 und des 50.000 Quadratmeter großen Geländes von der Aachener Wirtschaftsförderung vermittelt worden. Die städtischen Experten sind Teil der Delegation, die – vereint von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen am Messestand „aachen 1a“ – Jahr für Jahr Anfang Oktober lukrative Kontakte knüpfen. Der Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung, Dieter M. Begaß, spricht „von einem Paradebeispiel gelungener Revitalisierungsmaßnahmen, denen angesichts knapper Gewerbeflächen auf städtischem Gebiet besondere Bedeutung zukommen“.

Dreischiffige Backsteinhalle

Die dreischiffige Backsteinhalle mit „basikalem Querschnitt“ misst unweit der Krantzstraße etwa 60 mal 200 Meter – allein hier würde das Hauptschwimmbecken des Freibads Hangeweiher zwölf Mal hineinpassen. Da die Halle, in früheren Jahren von Talbot als Lager genutzt, mehrere Etagen aufweist, stehen schon in diesem Hauptgebäude Zehntausende Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Zu dem Industriekomplex zählen noch sechs kleinere Gebäude.

Kadans Science Partner investiert in den Niederlanden und England im großen Stil in Entwicklung, Bau, Finanzierung, Kauf, Vermietung und Verwaltung von Gewerbe- und Bürogebäuden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Labore, Reinräume, klimatisierte Bereiche von Unternehmen, Hochschulen und Firmen in innovativen Branchen wie Agrar- und Ernährungswirtschaft, Biowissenschaften, Gesundheitswesen, Medizintechnik und High-Tech. Junge Start-ups und Existenzgründer nimmt man besonders in den Fokus. Trotzdem passt der derzeitige Mieter Streetscooter als bekannte expandierfreudige DHL-Tochter in Sachen Elektromobilität sowie der benachbarte Süßwarenhersteller Zentis hervorragend ins Kadans-Mieterportfolio. Beide planen laut Kadans eine weitere Expansion auf dem „Campus Jahrhunderthalle“.

Kellermann erklärt, man werde die Liegenschaft umfangreich sanieren und in einen „wissensschaftsbezogenen Campus und Hotspot für Aachen-Nord“ verwandeln. „Das industrielle Erscheinungsbild der charmanten, loftartigen Gebäudestrukturen wird erhalten bleiben und mit modernen Flächen kombiniert“, teilt er mit. Kadans besitzt viel Erfahrung in der Entwicklung und Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden, wie zum Beispiel der Pastoe Fabrik in Utrecht oder dem ehemaligen Kloster Mariënburg in ’s-Hertogenbosch.

„Sehr schlechte“ Bausubstanz

200 mal 60 Meter groß, bis zu 22 Meter hoch: Vor allem die rückwärtige Ansicht der Jahrhunderthalle an der Jülicher Straße ist imposant. Foto: ZVA/Harald Krömer

Teilbereiche und Nebengebäude an der Jülicher Straße sollen abgerissen werden. So würde Platz für aufgeständerte Autoparkplatz-Ebenen geschaffen werden. Als architektonisch besonders wertvoll gilt der bis zu 22 Meter hohe rückwärtige Teil der Jahrhunderthalle. Die Bausubstanz beschreiben Gutachter jedoch als „sehr schlecht“. In früheren Jahren waren auch Teilabrissgenehmigungen erteilt, aber nicht in letzter Konsequenz umgesetzt worden. Geschäftsführer Kellermann will mit einer eigenen Kadans-Mannschaft in Aachen die neue Architektur vorantreiben und die Bauleitung stemmen. In Kürze sollen Planungsdetails vorgestellt werden.

Ein noch vor zwei Jahren in der Aachener Kommunalpolitik diskutierter Umbauplan der Jahrhunderthalle zu einer Multifunktionshalle – in der dann etwa auch die Erstliga-Volleyballerinnen der ­Ladies in Black des PTSV eine neue Heimat mit ausreichender Hallenhöhe hätten finden können – ist damit endgültig vom Tisch.

Der PTSV plant mit Partnern einen Hallenneubau auf dem gerade verlassenen Polizeipräsidiumsgelände an der Hubert-Wienen-Straße. Dort ist der Zeitplan unklar. An der Jülicher Straße wurde indes schon ein Bauzaun montiert. Für Aachen-Nord bedeutet die gewaltige Investition von Kadans Science Partner, da sind sich Immobilienexperten einig, einen enormen Schub – auf rekordverdächtig großer Fläche. Erste generalsanierte Flächen sollen Mitte 2020 verpachtet werden.