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Start ins neue Ausbildungsjahr: Nicht nur der Einzelhandel in der Städteregion ringt um Azubis

Start ins neue Ausbildungsjahr : Nicht nur der Einzelhandel in der Städteregion ringt um Azubis

Zum Start des Ausbildungsjahres sind die Aussichten rosig – zumindest für junge Bewerberinnen und Bewerber. 1600 Ausbildungsstellen sind unbesetzt.

Für angehende Einzelhandelskaufleute sind die Aussichten besonders erfreulich. 144 unbesetzte Lehrstellen gibt es in der Branche allein in der Städteregion Aachen. Dem gegenüber stehen 39 junge Leute, die sich für den Beruf interessieren, aber noch unversorgt sind. Rein rechnerisch ist die Sache klar: Die jungen Leute können zwischen den vielen Angeboten wählen. Derweil klagen etliche Betriebe über unbesetzte Lehrstellen.

„Die Chancen für Jugendliche, einen Ausbildungsplatz zu finden, sind so gut wie noch nie“, sagt Meike Hahn, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, zum Start des neuen Ausbildungsjahres am Montag. Auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen kommen demnach in der Städteregion aktuell 44 Bewerberinnen und Bewerber.

Nach der Corona-Flaute der vergangenen Jahre wollen die Betriebe wieder verstärkt selbst ausbilden. Der Fachkräftemangel ist hoch. Insgesamt hätten Unternehmen der Arbeitsagentur rund 3950 Ausbildungsstellen gemeldet. Damit sei man wieder auf dem Niveau von 2019 gelandet, ordnet Hahn ein.

Die Anzahl der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, geht allerdings weiter zurück. Rund 3070 Bewerberinnen und Bewerber hätten sich bei der Arbeitsagentur gemeldet. 2019, vor Corona, waren es noch 3526 – ein Rückgang um knapp 13 Prozent. Insgesamt sind in der Städteregion Aachen rund 1600 Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig sind noch fast 700 Jugendliche auf der Suche.

Statt eine Ausbildung zu beginnen, entscheiden sich immer mehr Jugendliche für ein Studium. Und das obwohl, wie Meike Hahn betont, eine Berufsausbildung „gute Perspektiven und Verdienstmöglichkeiten“ biete. Die Pandemie habe die Lage verschärft. Immer häufiger tendierten Jugendliche zu einem weiteren Schulbesuch, „weil sie durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie verunsichert sind und sich in der Schule auskennen und zurechtfinden“.

Stark bemerkbar macht sich laut Heike Borchers, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Aachen für den Bereich Ausbildung, zudem, dass den diesjährigen Schulabgängern in den vergangenen beiden Schuljahren unter Corona-Bedingungen keine Schul- und Schnupperpraktika oder Ausbildungsmessen zur Berufsorientierung angeboten werden konnten.

„Es lohnt sich auch jetzt zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben“, appelliert sie an die jungen Menschen. Selbst im Herbst und Winter bestehe die Möglichkeit, mit einer Ausbildung zu beginnen – nicht zuletzt, weil sich viele Auszubildende noch während der Probezeit für einen anderen Bildungsweg entschieden.

Insbesondere für das Handwerk sind die Umstände schwierig: Angriffskrieg in der Ukraine, steigende Energiekosten, Inflation, Corona und natürlich der demografische Wandel. Angesichts dessen sei die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt „noch ganz erfreulich“, teilt Elmar Brandt, Sprecher der Handwerkskammer Aachen, mit. Vom 1. Januar bis 31. Juli dieses Jahres wurden demnach 1510 neue Lehrverträge im regionalen Handwerk abgeschlossen. Das waren 44 weniger (minus 2,8 Prozent) als zum Vorjahreszeitraum.

Einen Rekord vermeldet indes die Stadt Aachen. In diesem Jahr starten insgesamt 150 Auszubildende in den Bereichen Verwaltung, Erziehung, dem gewerblich-technischen Bereich und bei der Feuerwehr – „das ist Rekord bei der Stadt Aachen“, zeigte sich Personaldezernent Markus Kremer am Montag bei der Begrüßung der neuen Nachwuchskräfte im Rathaus erfreut. Damit habe sich die Gesamtzahl aller Auszubildenden bei der drittgrößten Arbeitgeberin der Region verdreifacht.