Neun Teilnehmer der Schokofahrt bringen 100 Kilo Süßes nach Aachen

Emissionsfrei naschen : Diese Aachener radeln für gute Schokolade

Rund 500 Kilometer sind es vom Aachener Markt bis zum Radarweg in Amsterdam und wieder zurück. Diese Strecke haben am Wochenende neun Aachener zurückgelegt. Mit dem Rad. Für Schokolade.

Milchschokolade mit 40 Prozent Kakaoanteil und dunkle Schokolade mit 75 Prozent Kakaoanteil stapeln sich kistenweise im Aachener Ladenlokal von „Madame Cargo“, dem Geschäft von Katharina und Sebastian Nippgen. Die beiden sind Mitinitiatoren des Aachener Ablegers der „Schokofahrt“, einer Initiative, die sich für die Verbreitung von emissionsfreier Schokolade einsetzt. Am Montagabend ist die neue Lieferung frischer Süßwaren aus Amsterdam in Aachen angekommen, und zwar mit Fahrrädern.

„Donnerstag um 8 Uhr morgens sind wir von Aachen aus losgefahren in Richtung Niederlande“, erzählt Sebastian Nippgen. Mit einer Zwischenübernachtung ging es bis nach Amsterdam, wo die Fabrik der „Chocolate Makers“ gleich am Hafen liegt. „Dieses Unternehmen stellt emissionsfreie Schokolade her, die Rohstoffe werden mit einem Segelboot aus der Karibik in die Niederlande gebracht“, erklärt Nippgen. In Münster sei vor einigen Jahren dann die Idee entstanden, diese besondere Schokolade auch konsequent emissionsfrei zum Endverbraucher zu bekommen, sie also mit dem Fahrrad in Amsterdam abzuholen.

Und aus dieser Idee, die anfangs nur drei Münsteraner verfolgten, ist mittlerweile ein richtiges Happening geworden. „Wir sind am Samstag mit rund 240 Fahrradfahrern aus ganz Deutschland und auch aus Österreich bei der Fabrik angekommen. Mittendrin die Gruppe aus Aachen“, sagt Nippgen. 2,5 Tonnen Schokolade seien in den Lastenrädern der Teilnehmer, die allesamt ehrenamtlich unterwegs sind, verstaut worden. „Das ist schon eine ganze Menge, und die Fabrikanten haben schon ganz schön gestaunt.“

Jetzt muss die Schokolade nur noch an die Läden verteilt werden, die die „Chocolate Makers“-Schoki auch verkaufen.

Warum sollte man aber ausgerechnet aus Aachen, wo es nun wirklich nicht an Süßwaren mangelt, an so einer Schokofahrt teilnehmen? „Da ist schon eine gute Portion Idealismus dabei, wir sind schon ein bisschen verrückt“, sagt Nippgen lachend, „die Schokolade wirklich komplett emissionsfrei nach Hause zu bekommen, das ist ein großer Anreiz.“ Außerdem sei es fantastisch, die gute Infrastruktur für Fahrradfahrer in den Niederlanden zu genießen. Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger im Straßenraum, übersichtliche Kreisverkehre und ganze Parkhäuser nur für Fahrradfahrer sind nur einige Beispiele, die er nennt. „Das kann man mit der Situation in Aachen einfach nicht vergleichen“, sagt Nippgen, der auch Unterstützer des „Radentscheids“ ist. Dann wiegen auch die Pannen, die die Aachener Truppe unterwegs hatte, nicht ganz so schwer. Auch nicht das schlechte Wetter: „Gerade am zweiten Tag hatten wir viel Regen und viel Gegenwind, das war gemein“, sagt Nippgen.

Trotzdem: Bei der nächsten Schokofahrt, die wahrscheinlich rund um Ostern 2020 stattfinden wird, ist er wieder mit dabei.