Neues Stück der "Erholung" Eilendorf

Premiere im Saalbau Kappertz : Im Seniorenheim blüht die Selbstironie

Darauf haben die Freunde der Aachener Mundart zwei lange Jahre gewartet. Mit einer begeisternden Premiere meldete sich die Volksbühne Erholungsgesellschaft Eilendorf 1889 zurück.

Als sich im Saalbau Kappertz in der Hüttenstraße der Vorhang zur Premiere des neuen Stücks der „Erholung“ mit dem Titel „Aue Daach, joue Vermaach“ hob, konnten die Mitspieler auf ein ausverkauftes Haus schauen. Nach Spielzeiten mit großartigen Inszenierungen und der zweijährigen Zwangspause waren die Erwartungen der großen Fangemeinde des ältesten Aachener Mundarttheaters immens hoch, aber man darf feststellen, dass das neue Stück die lange Erfolgsliste fortsetzt.

Die Komödie, bei der Heinz Wirtz Regie führt, wartet mit einer Besonderheit auf. Angesichts der Schwierigkeit, geeignete Stücke zu finden, haben die Akteure aus der Not eine Tugend gemacht und selbst ein Stück geschrieben. Das ist sicher ein schwieriges Unterfangen, hat aber den Charme, dass die Mimen mit ihrem reichen Erfahrungsschatz selbst am besten wissen, was bei ihrem Publikum ankommt. Von daher durfte man von „Aue Daach, joue Vermaach“ einiges erwarten. Um so mehr als die Farce in einem Altenheim spielt, was zum einen ein glänzender Einfall ist, zum anderen ein bemerkenswertes Maß an Selbstironie zeigt, wenn man bedenkt, dass die Mitglieder der Kerntruppe die Jüngsten nicht sind, was auch für einen großen Teil des Publikums gilt.

Zur Handlung: Im katholischen Seniorenstift „Himmelspforte“ leben die Ehepaare Havenith und Netterscheid. Da aber beide Ehepaare seit längerem nicht mehr zusammenleben und im Stift Männer und Frauen strikt von einander getrennt in Doppelzimmern untergebracht sind, hat sich die Situation ergeben, dass die Ehemänner Wand an Wand mit ihren Frauen wohnen, ohne voneinander zu wissen. Die beiden Ehefrauen verdienen sich „etwas“ nebenbei durch „Heimarbeit mit telefonieren“.

Unklarheiten über die Heimarbeit beseitigt eine Kleinanzeige in der Zeitung: „Willst du Spaß und nicht zu teuer, Svetlana macht dich richtig Feuer!“ Als sich dann noch die KG „Löstelijje Hurrabülle“ ankündigt, um ihr Ex-Tanzmariechen Netta „Svetlana“ Netterscheid zu ehren, ist zwerchfellerschütterndes Chaos auf der Bühne angesagt. Das ist alles nicht logisch aber wahnsinnig lustig und bietet den Darstellern jede Menge Möglichkeiten zu brillieren, wovon sie zum Vergnügen des Publikums reichlich Gebrauch machen. Natürlich muss man Ina Gröbner als Netta Netterscheid als den unumstrittenen „Star“ des Abends hervorheben, aber die anderen Mitglieder des Ensembles wie Heinz Wirtz, Bernd Thomas, Berti Mehsen, Martina Stracke, Claudia Jankovic, Hajo Meehsen, Gerda Bemmelen, Leo Lauscher, Sascha Kunz, Peter Wirtz oder Michael Zeitz können ihr durchaus das Wasser reichen und gestalten ihre Rollen mit genau so viel Hingabe.

Das gilt auch für Florian Gröbner und Lukas Körner, die beiden Youngster im Teenager-Alter, die bei ihrem Debüt ihre Omis und Opis auf der Bühne gekonnt abzocken. Gisela Wirtz als Souffleuse, Peter Frohn, Dieter Hermanns und Peter Wirtz, die für Requisite und Bühnenaufbau verantwortlich sind, Ulla Kohlbau und Michaela Wirtz als Maskenbildnerinnen und Andreas Wirtz als Techniker trugen ebenfalls maßgeblich zum Erfolg der Premiere bei, die von frenetischem Beifall umtost wurde.

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