Neues Stück beim Aachener Puppentheater Pech&Schwefel

Puppentheater in Aachen : Höllischer Spaß für echte Öcher

Gar nicht stocksteif: Stockpuppentheater „Pech und Schwefel“ des Öcher Schänge überzeugt mit seinem neuen Programm.

Ssssst – und anderthalb Stunden sind rum. So schnell rast die gefühlte Zeit im Stockpuppen-Kabarett „Pech & Schwefel“. „Hat es Spaß gemacht?“ ruft bei der Premiere des 11. Programms Autor Wendelin Haverkamp in den Saal in der Barockfabrik und hundertfach antwortet es „Jaaaaa!“

„Pech & Schwefel“ macht Riesenspaß. Schon im Entree versprechen die „Spitzen-Stockpuppen“ alles unter die Puppenlupe zu nehmen. Sie halten ihr Versprechen, und die Fritzen im Saal reagieren ganz und gar nicht stocksteif.

Es geht Schlag auf Schlag. Pech und Schwefel sind in der Hölle zu verorten, wo Satan und Ausbildungsteufel Hubert sich Sorgen um den Nachwuchs machen. Der Kunst, „die Wahrheit zu sagen und trotzdem zu lügen“, kommen sie mit ihrer neuen Methode der „Influenza“ näher und „influenzen“ die Bayern, die Alemannia, den AKV und, und, und.

Beim Studium der Tageszeitung rätseln „Maria und Josef“ über so komplizierte Dinge wie Gravitationswellen im All, bevor sie sich über ihr „Multimedia-Grab“ kurioses Kopfzerbrechen machen.

Die medial vorab gefeierten, in „Öcher Englisch“ geführten Geheimgespräche zwischen Donald Trump und Kim Jong Un an den klotzigen „Aachener Friedens-Pilomaten“ in der Jakobstraße können die Streithähne nicht friedfertig stimmen.

Helmut und Günther vom „aachen statt betrieb“ rücken wieder für das Dezernat „Auf- und Abbruch“ an als „SEK“, Säge-Einsatz-Kommando, und garantieren allen Hilferufern, städtische Schandflecken „wegzuhauen“ – „wir knallen dat Ding weg“, „wir reißen den Laden ab“, machen sogar vor Aachens Heiligstem nicht Halt und tanzen vergnügt den „Baustellen-Walzer“.

„Ganz großes Hochamt“

Fein hinzuhören lohnt sich beim Fachsimpeln des von einem High-Tech-Heiligenschein erleuchteten Bischofs mit seinem Sekretär Sanctus vor dem Domportal. „Ganz großes Hochamt“ ist das, wenn spitzeste Spitzen die um ihre Zukunft bangende Kirche piesacken, wenn die Rettung wohl nur aus dem Monschauer Land kommen kann: „Wo man Els trinkt, hat der Atheismus keine Chance.“ Den beiden kommt die geniale Idee, leerstehende Gotteshäuser zu Ladestationen für Elektroautos umzurüsten.

Schon rollt der Zug nach „Nirgenzwo“ im Hauptbahnhof ein, „planmäßige Ankunft vorletzte Woche“, schnarren die Lautsprecher, auch in Öcher Englisch. Über „Hurry Village“ geht die Reise des selbstfahrenden Zuges, was unschwer als Ieledörp, das Eilendorf mit den „prätti jörls“ zu erkennen ist. Wie der Zug autonom, tänzelt ein „autonomer Schuh“ vorbei, Anspielung auf Aachens berühmten, E-Autos bastelnden Professor Schuh.

„Nirgenzwo“ ist – leider, leider, leider - Endstation eines kurzweiligen Programms. Ein Programm, das nicht nur besticht durch den stockpuppenspitzen Haverkampschen Wortwitz, sondern auch durch die technische und sprachliche Meisterschaft der Akteure. Wendelin Haverkamp stellt sie alle vor – die Sprecher Hubert Crott, Resi Schumacher, grandios und stimmlich zum Verwechseln ähnlich als Ulla Schmidt, Albert Henrotte, Uli Haverkamp und er selbst sowie die Puppenspieler Peter Reuters, Albert Baurmann, Elfriede Schultz, Anna Inkmann und Ruben Küffen. Nicht zu vergessen und neben dem Spiel ein Kunstgenuss für sich: Öcher Blues live von Dieter Kaspari und Franz Brandt, mit Ohrwürmern wie „Oche“, zu hören auch auf Kasparis jüngster CD Dröimer“.

„Es war Klasse. Ich bin begeistert, ich werde wiederkommen“, war auch die Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt „sehr angetan“. Ihr Applaus mag für das Publikum stehen. „Pech & Schwefel“ ist Spitzenklasse.

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