Neues Pilotprojekt: Stadt Aachen will Parksuchverkehr reduzieren

Pilotprojekt für neues Parkplatz-Leitsystem startet : 13 Sensoren sollen in Zukunft den Weg weisen

Die erste Nachfrage lässt nicht lange auf sich warten. Videoüberwachung in der Friedrichstraße? Das geht doch gar nicht, meint der Passant und kündigt eine Beschwerde bei der Stadt Aachen an. Die aber kann er sich sparen. Denn nicht Kameras, sondern insgesamt 13 Sensoren hat die Stawag am Donnerstag an Straßenlaternen in der Friedrichstraße montiert.

Mit ihrer Hilfe soll nach einer Testphase noch in diesem Jahr ein neuartiges Parkplatz-Leitsystem in Betrieb genommen werden, das Autofahrern freie Stellflächen am Straßenrand anzeigt.

„Dass eine solche Technik in einer kompletten Straße zum Einsatz kommt, ist bundesweit einmalig“, erklärt Victor ter Smitten. Der Geschäftsführer des Aachener Start-up-Unternehmens „S O NAH“ hat besagte Technik mit seinen Kollegen entwickelt und in den vergangenen zwölf Monaten am Blücherplatz getestet. Das Pilotprojekt verlief erfolgreich und soll nun in seine nächste Phase überführt werden.

„Ein Parkplatz hat in der Regel eingezeichnete Flächen. Am Straßenrand gibt es solche Markierungen oftmals aber nicht. Deshalb ist dieser Anwendungsfall deutlich anspruchsvoller“, stellt Uwe Müller fest. Der Leiter der Abteilung Verkehrsplanung und Mobilität der Stadt Aachen verbindet große Hoffnungen mit dem Einsatz der Sensoren: „Der Parksuchverkehr kann deutlich reduziert werden, wenn der Nutzer über freie Plätze informiert ist.“ Die vor allem Bewohnern der Innenstadt leidvoll bekannten „Runden um den Block“ würden entfallen und, da ist Müller sicher, so ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität geleistet.

22.450 Lichtpunkte in Aachen

Die Stawag nimmt bei dem Pilot eine Doppelrolle ein. Zum einen stellt sie ihre Straßenlaternen für die Anbringung und die Stromversorgung der Sensoren zur Verfügung, zum anderen tritt sie als Sponsor auf und finanziert das Projekt in seiner Startphase. „Wir haben in Aachen 22.450 Lichtpunkte, die von uns betrieben werden“, sagt Gerd Klöfkorn, Beleuchtungsexperte der Stawag. „Dabei haben wir uns schon häufiger mit der Frage befasst, wie man die Straßenbeleuchtung smarter gestalten kann. Dank des engmaschigen Netzes könnte man beispielsweise Umweltdaten oder Daten über Verkehrsflüsse flächendeckend erheben.“

Während das noch eine Zukunftsvision ist, wird das Parkplatz-Leitsystem voraussichtlich schon Anfang November Realität. Ab dann sollen Autofahrer zunächst über eine Internetseite in Echtzeit die Übersicht über alle freien Parkplätze in der Friedrichstraße aufrufen können. „Längerfristig soll der Informationsdienst dann in Fahrzeuge und Navigationssysteme integriert werden“, kündigt Victor ter Smitten an.

Was die Datenbank speichert

Dass die angebrachten Sensoren nicht nur bei Passanten für Unruhe sorgen könnten, ist dem Geschäftsführer nach eigenem Bekunden bewusst. „Wir informieren die Bewohner der Friedrichstraße deshalb mit Flyern über unser Projekt.“ So soll Sorgen hinsichtlich eines möglichen Verstoßes gegen den Datenschutz frühzeitig und direkt begegnet werden. „Die Sensoren ermitteln keine personenbezogenen Daten. Es wird ausschließlich der Belegungsstatus der Parkplätze übertragen und in einer Datenbank gespeichert“, betont ter Smitten. Vergleichbar sei dies mit der Technik beim autonomen Fahren. „Es sind beispielsweise weder Gesichter noch Nummernschilder zu erkennen.“ Und die vom Sensor gemachten Aufnahmen würden hinsichtlich des Parkraums ausgewertet und dann sofort vernichtet.

So soll es in der Friedrichstraße sein – und möglicherweise in naher Zukunft auch in weiteren Straßen der Aachener Innenstadt. „Wenn sich das Pilotprojekt bewährt und angenommen wird, möchten wir es auf das gesamte Frankenberger Viertel ausweiten“, kündigt Victor ter Smitten schon mal an. 500 Sensoren müssten dafür in der Summe installiert werden. Für den „S O NAH“-Chef ist das auch kurzfristig kein Problem, wie er betont: „Das könnten wir innerhalb von zwei Monaten schaffen.“