Aachen: Neues Kurhaus wird nun zur Großbaustelle

Aachen: Neues Kurhaus wird nun zur Großbaustelle

Eine der vornehmsten Adressen der Stadt wird bald zur Großbaustelle, und das auf Jahre hinaus. Ende Januar sollen im Neuen Kurhaus im Kurpark an der Monheimsallee die vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung und den Umbau des neuklassizistischen Baus beginnen, der vor 100 Jahren eingeweiht worden ist.

Zu diesen gehört unter anderem die völlige Entkernung des Gebäudes. Dadurch wird das Haus unter anderem als Flüchtlingsunterkunft ausfallen, was aber noch die geringste Sorge der städtischen Planer sein dürfte. Schließlich wurden die 220 Feldbetten, die im ehemaligen Spielkasino Anfang dieses Jahres die Roulettetische ersetzt haben, bislang ebenso wenig benötigt wie die aufwendig eingebauten Duschen und Toiletten.

Bald auch nach außen als Großbaustelle sichtbar: Im Neuen Kurhaus beginnen im Januar die Vorbereitungen für die umfassende Sanierung. Dann werden auch die — nicht benutzten — Feldbetten für Flüchtlinge wieder abtransportiert. Foto: Steindl/ Herrmann

Das alles kommt nun wieder raus, und mit den neuen Betten und Sanitäranlagen auch die ganze alte Technik. Gleichzeitig will man sich die Bausubstanz unter Mitwirkung der Denkmalpflege genau anschauen und nicht zuletzt ein Schadstoffsanierungskonzept erarbeiten — etwa was das aktuelle Thema Asbest in Putzschichten angeht. Für das städtische Gebäudemanagement ist klar, dass alleine schon die mit alldem verbundenen „umfangreichen Entsorgungsarbeiten“ am Neuen Kurhaus eine Baustelleneinrichtung erforderlich machen, die man nicht einfach so hinterm Haus verstecken kann. Das schmucke Gebäude in repräsentativer Lage werde nun also auch „nach außen als Baustelle sichtbar — und bleibt es bis 2020“, schreibt das Gebäudemanagement. Und sei so lange auch „ohne Ausnahme nicht mehr nutzbar“.

So steht es in einer Tischvorlage, die dem Stadtrat morgen in der letzten Ratssitzung des Jahres präsentiert wird. Beantwortet wird damit eine Ratsanfrage der Partei Die Linke vom 6. Dezember, die sich nach dem Stand der Dinge erkundigt. Schließlich sei mehr als ein Jahr vergangen, seit die Firma Explorado als vorgesehener Ankermieter des städtischen Gebäudes — neben dem Spielkasino und einem niederländischen Gastronomen — der Politik und der Öffentlichkeit ihr Nutzungskonzept vorgestellt haben, begründen Leo Deumens und Matthias Fischer den Vorstoß ihrer Fraktion.

Von der Verwaltung ist nun zu erfahren, dass Explorado das mit der Westspiel GmbH und dem Gastronom erarbeitete „Nutzer-Bedarf-Programm“ erst „mit Verzögerung“ am 30. November vorgelegt habe. Die Abstimmungen über die verschiedenen Nutzungen im Haus hätten sich als „überaus komplex und zeitaufwendig“ herausgestellt, ohnehin sei das gesamte Vorhaben keine normale Maßnahme, betont das Gebäudemanagement. „Sowohl Westspiel als auch Explorado bestätigen die unterschätzte Komplexität des Projekts“, heißt es in der Vorlage.

Immerhin seien nun aber die Voraussetzungen für die EU-weite Ausschreibung der Generalplanung erfüllt, in deren Verlauf man im September 2017 eine konkrete Kostenberechnung erwartet. Dann sei auch „eine erneute politische Beratung bei Bedarf möglich“, heißt es weiter.

Dies könnte dann der Zeitpunkt einer wichtigen Weichenstellung werden. Denn zum einen will die Stadt maximal 20 Millionen Euro in die Sanierung des Neuen Kurhauses stecken. Zum anderen hat auch Explorado, das im Neuen Kurhaus ein „Eventmuseum“ plant, laut Stadt deutlich gemacht, nicht in Vertragsverhandlungen einzusteigen, ohne die Kosten zu kennen. Verträge sind daher auch noch mit keinem der potenziellen Mieter geschlossen — auch das war eine Frage der Linken.

Aktuell rechnet die Verwaltung ab August 2018 mit dem eigentlichen Baubeginn, was bei 13 Monaten Bauzeit einen Nutzungsstart Anfang 2020 vermuten ließe. Das aber erscheint dem Gebäudemanagement als zu „sportlich“. Realistisch sei eher Mai 2020, heißt es. Und zu einer „realitätsnahen“ Sicht ermahnt die Vorlage auch Nachbarn und übrige Nutzer wie Eurogress, RWTH und Kurpark Classix. Und das unmissverständlich: „Ein Ausschluss jeglicher Störungen ist nicht möglich!“

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