Aachen: Neues Kurhaus: „Jede Idee ist willkommen“

Aachen : Neues Kurhaus: „Jede Idee ist willkommen“

„Das Feld ist offen. Jede Idee ist willkommen“. Sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp an den Stadtrat gerichtet. Er meint damit das Neue Kurhaus. Nach Bekanntwerden der Kostenexplosion von rund 25 auf 38 Millionen Euro für den Umbau und damit einhergehend dem Platzen der bisherigen Pläne, diskutierte am Mittwoch die Politik die Situation.

Klar wurde dabei schnell: Dass nun wieder „alles auf Null“ stehe, wie mehrfach betont wurde, darüber ist niemand wirklich unglücklich, Mal abgesehen von der zeitlichen Verzögerung des Projekts. Zuletzt war eine Mehrfachnutzung des Vorzeigebaus vorgesehen: eine Gastronomie im Kaffeehaus-Stil, das Spielcasino, eine „Event-Ausstellung“ mit Drucken berühmter Kunstwerke und ein Club im Keller.

Dieser Mix allerdings sorgte nie für echte Begeisterung. Er hatte aber den Vorteil, dass über die Mieten die städtischen Kosten refinanziert worden wären. Angesichts der gestiegenen Kosten wäre das auch in dieser Konstellation jedoch nicht mehr gegeben.

So kamen denn am Mittwoch auch schon erste Wünsche und Vorstellungen auf den Tisch. Margrethe Schmeer (CDU) machte sich für eine ehedem schon angedachte Lösung stark, die Erweiterungsflächen fürs Eurogress, Gastronomie und jenen Club vorsieht. Eine weitere Idee geht dahin, unter anderem das Standesamt dort zu etablieren und somit einen hochkarätigen Ort für Hochzeiten zu erhalten. Das erscheint dann aber doch wohl eher unrealistisch.

Kritik an „Westspiel“

Denn klar ist: Auf die 25 Millionen Euro Investitionssummer wird man wohl nicht mehr kommen. „Es wird wohl irgendetwas zwischen dieser Summe und den 38 Millionen sein“, mutmaßt CDU-Fraktionschef Harald Baal. Egal, welche Nutzung kommt.

Ellen Begolli äußerte die Vermutung, dass „Westspiel“ (Spielcasino) in den 40 Jahren als Nutzer nicht im notwendigen Maß seinen Instandhaltungsverpflichtungen nachgekommen sei. „Man sollte schauen, ob man Westspiel an den Kosten beteiligen kann“, sagte sie. Auch Boris Linden (SPD) kritisierte: „Das Haus zu verlassen, noch schnell meistbietend wertvolle Kunstwerke zu versteigern und das Geld einzukassieren ist nicht die feine Art.“

Jetzt hänge die Stadt am Fliegenfänger. Gleichwohl müsse zunächst und schnell mit Westspiel gesprochen werden, denn schließlich gebe es eine Rückkehrgarantie in das dann sanierte Haus. Weitere Planungen seien davon abhängig, ob das Spielcasino überhaupt wieder vom Tivoli zur Monheimsallee wolle. Diese Gespräche seien zeitnah geplant, so der Oberbürgermeister.

Ein Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes, wie ihn zunächst Grüne und Piraten ins Spiel gebracht hatte, kommt wohl nicht infrage. Gleichwohl unterstrich Michael Rau (Grüne), dass man auch für Lösungen offen sein sollte, das Gebäude bei Interesse und entsprechend hochwertiger Nutzung an einen Privatinvestor für einen symbolischen Preis in Erbpacht zu vergeben. Einig war man sich im Rat, dass die Verwaltung goldrichtig handelte, als sie angesichts der Kostenexplosion sofort die Notbremse zog.