Aachen: Neues Kurhaus: Im Herbst will die Politik entscheiden

Aachen : Neues Kurhaus: Im Herbst will die Politik entscheiden

Jetzt ist die Verwaltung gefragt: Zum — so die Hoffnung der Politik — letzten Mal soll sie Zahlen sammeln, Kalkulationen anstellen und Optionen darlegen, damit die Fraktionen voraussichtlich im September endlich eine Entscheidung darüber fällen können, wie es in Sachen Neues Kurhaus weitergeht.

Die Hängepartie um die zukünftige Nutzung des denkmalgeschützten und dringend sanierungsbedürftigen Prachtbaus an der Monheims­allee soll sich damit maximal bis zum Herbst verlängern, wie es in der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch hieß.

Fest steht seit Mittwoch: Westspiel, das mittlerweile im Tivoli die Spielkarten mischt, ist an einer Rückkehr ins Neue Kurhaus nicht mehr interessiert. Damit ist auch die Dreier-Nutzung des Gebäudes — bestehend aus dem Spielcasino, dem Eventveranstalter Explorado und dem Gastrobetrieb Maison van den Boer — endgültig begraben. Im Herbst waren diese Planungen gestoppt worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die prognostizierten Sanierungskosten auf mehr als 40 Millionen Euro explodieren.

Für das Millionenprojekt soll die Verwaltung nun zwei Varianten prüfen: die Nutzung des Gebäudes durch das benachbarte Eurogress, das dringend expandieren muss, und eine Vergabe des Gebäudes in Erbpacht an private Interessenten. Ob dieses Interesse überhaupt besteht, soll die Verwaltung im Rahmen eines Markterkundungsverfahrens sondieren. Ein entsprechender Beschlussvorschlag der schwarz-roten Ratsmehrheit wurde am Mittwoch einhellig im Hauptausschuss beschlossen.

Damit hat die große Koalition einen Antrag von Grünen und Piraten aufgenommen. Diese hatten explizit eine Privatisierung des Neuen Kurhauses ins Spiel gebracht. Allerdings sollen diese potenziellen privaten Nutzer konkreten Einschränkungen unterliegen, wie Michael Servos betonte. „Wichtig ist, dass das Haus ein öffentliches Haus bleibt“, sagte der SPD-Ratsherr. So steht im Beschluss, dass bei der vorgesehenen Nutzung durch den Erbpachtnehmer „die öffentliche Zugänglichkeit und eine thematische Verknüpfung zum Standort“ vorzusehen sei.

Zudem solle der Nutzer „dem Gesamtensemble am Standort Monheimsallee dienlich sein“. Auch Harald Baal (CDU) betonte, dass die Erbpacht ein wichtiges Instrument sei, um das Gebäude einerseits für 30 bis 40 Jahre übergeben zu können, andererseits aber einen „gewissen Einfluss“ auf die Nutzung des Gebäudes zu sichern. Denkbar wären etwa Ausstellungen oder eine Akademie, so der CDU-Fraktionschef. Dass die Verwaltung tatsächlich bis September private Interessenten findet, die diesen Kriterien entsprechen, daran hegt Servos allerdings „erhebliche Zweifel“, wie er am Mittwoch sagte.

Dass die SPD eine Nutzung des Neuen Kurhauses durch das Eurogress favorisiert, hatte die Fraktion bereits früh signalisiert. Im Beschlussvorschlag hat sich die große Koalition nun darauf verständigt, dass die Verantwortlichen des Eurogress darlegen, wie sie das Gebäude nutzen wollen und welche „Entwicklungsmöglichkeiten“ sie sich vorstellen. Angedacht ist, dass das Erdgeschoss für Kongresse und Tagungen zur Verfügung steht. Im Obergeschoss sollen Büros an Dritte vermietet werden. Auch eine Gastronomie soll es geben, allerdings lediglich als Cateringangebot. Eine Außengastronomie sei jedoch in Sommermonaten auf einer Terrasse „wünschenswert“. Im Untergeschoss könnten kulturelle Veranstaltungen und Konzerte stattfinden.

Um die Sanierungskosten zu reduzieren, soll die Verwaltung zudem eine „umsatzsteuerpflichtige Vermietung“ prüfen. Durch einen „Vorsteuerabzug“ könnten die Kosten, so die Erläuterung durch Harald Baal, von 40 auf 33 Millionen Euro reduziert werden.

Bis August könne die Verwaltung Antworten auf diese Fragen liefern, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Dann steht die Entscheidung durch die Politik aus. Die Uhr tickt. Wegen des Anwachsens des Baukostenindexes wird das Kurhaus jeden Tag 6575 Euro teurer.

Mehr von Aachener Zeitung