Neues Konzept für Medienausstattung von Grundschulen in Aachen

Technische Ausstattung von Grundschulen : Die „Resteverwertung“ soll ein Ende haben

Nicht nur Sozialverbände werben mit dem Spruch „Gutes aus zweiter Hand“. Auch in Aachens Bildungslandschaft galt lange Zeit diese Prämisse. Zumindest mit Bezug auf die technische Ausstattung städtischer Grundschulen.

Seit Jahren werden diese durch die Stadt Aachen mit gebrauchten Computern aus der Stadtverwaltung und aus weiterführenden Schulen versorgt. Darüber hinaus können Grundschulen pro Ausstattungsintervall, also alle sechs Jahre, basierend auf ihrem Medienkonzept jeweils 5000 Euro in IT-Equipment investieren. Dieses Prozedere kam einerseits dem städtischen Haushalt zugute. Andererseits ging man davon aus, dass für Computerprogramme, mit denen Grundschüler arbeiten, auch gut gewartete PCs ausreichten, die bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Bis jetzt.

Die Zeit der Zweitverwertung soll nun ein Ende haben. Der Schulausschuss hat am Dienstag einstimmig die Medienausstattung an Grundschulen auf neue Beine gestellt. So sollen Grundschulen nicht länger auf aussortierte Rechner angewiesen sein. Stattdessen sollen sie analog zu den weiterführenden Schulen mit moderner Medientechnik ausgestattet werden – also mit mobilen und kabelgebundenen Endgeräten wie Tablets und Laptops sowie Präsentationstechnik, zum Beispiel Beamern.

Der Vorschlag der Verwaltung sieht folgendes Verfahren vor: Basierend auf der jeweiligen Gesamtschülerzahl soll den einzelnen Schulen eine Summe X für die technische Ausstattung zugeteilt werden. Bei einer Schule mit 210 Schülern kalkuliert die Verwaltung zum Beispiel mit einem Bruttobetrag von rund 20.300 Euro pro Ausstattungsintervall. Kleinen, einzügigen Schulen mit wenig Schülern sollen mindestens 13.500 Euro zur Verfügung stehen. Die Stadt nimmt also pro Grundschule deutlich mehr Geld in die Hand. Im Gegenzug sollen die zusätzlichen 5000 Euro, die bislang den Schulen für IT-Equipment zustanden, gestrichen werden. „Diese zusätzlichen Mittel hatten ursprünglich den Sinn, den Grundschulen beim Einsatz von gebrauchten PCs die Beschaffung zusätzlicher Hardware zur Umsetzung des schulischen Medienkonzepts zu ermöglichen“, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage. Dies sei mit dem neuen Konzept aber nicht mehr erforderlich.

Weiterhin gilt: Nur mit einem genehmigten Medienkonzept werden Schulen vom Schulträger mit entsprechender Technik ausgestattet. Die Schulen müssen sich also vorab konkrete Gedanken dazu machen, wie sie Technik im Unterricht einsetzen wollen. Viele setzen dabei offensichtlich verstärkt auf mobile Endgeräte wie Tablets, wie die bereits eingereichten Medienkonzepte zeigen. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht allerdings der Wunsch nach Präsentationstechnik, um digitale Inhalte an die Wand projizieren zu können – und das möglichst in jedem Klassenraum. Dies decke sich mit den „Empfehlungen der Kultusministerkonferenz und der Medienberatung NRW, wonach in jedem Unterrichtsraum, in dem mit digitalen Medien unterrichtet und gelernt wird, auch die Möglichkeit zur Präsentation digitaler Inhalte bestehen sollte“, wie die Verwaltung ausführt.

Ab kommendem Jahr sollen sich die Grundschulen in Aachen Schritt für Schritt über neue und vor allem hochwertige Technik freuen können. Entsprechende Mittel sollen im Haushalt 2020 bereitgestellt werden. Bei den Schulpolitikern stieß der Vorschlag der Verwaltung – eine Reaktion auf einen Ratsantrag der schwarz-roten Koalition – einhellig auf Zustimmung. „Die Resteverwertung ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Holger Brantin, schulpolitischer Sprecher des CDU. Und auch Bernd Krott, SPD, sieht in dem neuen Konzept einen „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“.

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