Aachen: Neues Konzept für Aachens alte Kultstätte

Aachen: Neues Konzept für Aachens alte Kultstätte

Der letzte Zweitligaball rollte dort im Mai - immerhin vier Mal ins gegnerische (Augsburger) Tor. Der erste Bagger wird wohl frühestens 2011 anrollen, um den alten Tivoli abzureißen.

Doch die Pläne für das, was dann kommen soll, sind jetzt schon ziemlich konkret: Am 3. Dezember wird die Verwaltung der Politik im Planungsausschuss das von ihr favorisierte Konzept vorlegen, mit dem die künftige Nutzung des Areals städtebaulich ein ähnlicher Volltreffer werden soll wie der sportliche Abschied von der traditionsreichen Kultstätte.

„Markanter Eingang”

An der Ecke Krefelder Straße/Merowingerstraße soll demnach ein Hotel mit 120 bis 140 Zimmern Platz finden, das einen städtebaulichen Akzent setzen und einen „markanten Eingang in das Gebiet” schaffen soll.

An der nördlichen Ecke des Areals sieht das Konzept an der Krefelder Straße einen SB-Markt mit rund 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche vor, der dort auch die vorhandenen 160 Stellplätze des ehemaligen Alemannia-VIP-Parkplatzes nutzen könnte - und der auch über die alte Fußgängerbrücke gut erreichbar wäre.

Die Lücke zwischen den beiden Eckpunkten soll ein Boardinghouse mit rund 90 Appartements zur Kurzzeitvermietung füllen, in dessen Erdgeschoss zudem Raum für Praxen und Läden wäre.

Dieser Bebauungsriegel an der Krefelder Straße sollte dabei eine Höhe von zwei bis drei Geschossen nicht unterschreiten, damit er als Schallschutz für das dahinter liegende neue Wohngebiet fungieren kann.

In dieses gelangt man über Merowinger- und Emmastraße, wo auch die heutige Wiese bebaut werden soll. Die Verwaltung spricht sich „nach eingehender Prüfung” gegen den von manchen Bürgern geforderten Erhalt dieser Grünfläche aus und verweist auf neue Spiel- und Erholungsmöglichkeiten im Plangebiet.

Damit ist zum einen eine „grüne Mitte” an der Nahtstelle zwischen Wohnen und Gewerbe gemeint: rund 3500 Quadratmeter Grünfläche, in deren Nähe eventuell auch die neue Kindertagesstätte gebaut werden könnte.

Spielmöglichkeiten soll zum anderen der Würselener Wall bieten, der zumindest teilweise als Schallschutz stehen bleiben soll. An der stadtwärts gelegenen Wallseite - wo Generationen von schwarz-gelben Fans ihr Team anfeuerten - regt das Konzept Wohnbebauung in Terrassenform an.

Reminiszenzen an die alte Nutzung” sollen ohnehin dafür sorgen, dass die vergangenen 100 Jahre an Ort und Stelle nicht ganz in Vergessenheit geraten. So könnte sich beispielsweise eine alte Tivoli-Trainerbank in der neuen Grünfläche wiederfinden.

Und möglicherweise wohnen die künftigen Bewohner „Im Abseits”, „Am Elfmeterpunkt” oder schlicht in der „Alemannia-Allee” - die Straßennamen könnten auf die frühere Nutzung Bezug nehmen, heißt es in der Vorlage.

Entworfen hat das städtebauliche Konzept das Dortmunder Büro „Post Welters”. Auf dieser Grundlage soll ein Bebauungsplan erstellt werden, bevor das Areal ausgeschrieben wird. Von der Vermarktung verspricht sich die Stadt bis zu zehn Millionen Euro.

Da die Alemannia das alte Stadion entgegen ersten Plänen nun bis Ende 2010 für ihr Reserveteam nutzen will - diese Möglichkeit besteht laut Erbbaurechtsvertrag -, kann der Abriss erst Anfang 2011 beginnen. Anpfiff für den Neubau am alten Tivoli wäre dann frühestens im Spätsommer gleichen Jahres.

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