Aachen: Neuer Pfarrer an St. Jakob findet ungewöhnlich klare Worte

Aachen: Neuer Pfarrer an St. Jakob findet ungewöhnlich klare Worte

Für Andreas Mauritz ist das Leben wie ein großes Mosaikbild. „Gott, dem ich fest vertraue, fügt kleinere und größere Steine hinzu, nimmt einige weg und hält mein Leben behutsam in meinen Händen”, sagt der Mann, der am Sonntag um 15 Uhr in einem feierlichen Gottesdienst von Regionaldekan Josef Voß als neuer Pfarrer in der Kirche St. Jakob eingeführt wird.

Damit tritt Mauritz die Nachfolge von Pfarrer Wolfgang Acht an und ist für die zusammengelegten Pfarreien Heilig Geist, Maria im Tann, St. Hubertus und St. Jakob zuständig. „Ich bin sehr erwartungsfroh und gespannt”, sagt Pfarrer Mauritz im AZ-Gespräch. Er wurde in Lank-Latum in der Stadt Meerbusch geboren. „In meiner Kindheit habe ich viel Liebe und Gemeinschaft erfahren”, erzählt der 47-Jährige, der sich schon als Jugendlicher in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) engagierte.

Begegnungen mit Menschen wie seinem Religionslehrer prägten ihn und hielten ihn schließlich von seinem ursprünglichen Plan, Bankkaufmann zu werden, ab. Stattdessen studierte er Theologie. „Die Entscheidung, Priester zu werden, kam erst später. Ich bin jetzt 21 Jahre Priester, und bereue kein einziges Jahr.” Mauritz sieht es als große Herausforderung an, für die fusionierten Pfarreien zuständig zu sein, „ihre Besonderheiten und Stärken zu begleiten”.

Das will Mauritz im Team schaffen. „Ich betrete kein Feld, das nicht bearbeitet ist, sondern eines, auf das ich weiter aufbauen kann”, lobt er seinen Vorgänger. Er sei dankbar für seine neuen Kollegen, die vielen Ehrenamtler, die sich iengagieren, aber auch für das gute Netzwerk der Aachener Gemeinden. Wichtig ist dem Pfarrer, alle katholischen Christen der Gemeinde mit der Botschaft des Gottessohnes anzusprechen. Auch Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, will er einbeziehen. „Wissen wir um ihre Ideen und Bedürfnisse?”, fragt Mauritz.

Es sieht so aus, als hätte das Bistum Aachen einen sehr aufgeschlossenen Pfarrer hinzugewonnen. Mit Blick auf den Priestermangel spricht sich der 47-Jährige deutlich gegen den Pflichtzölibat aus. Natürlich gebe es noch Menschen, die bereit sind, alles in die Liebe zu Jesus Christus zu investieren - was Mauritz nicht schlecht reden will.

„Ich habe aber auch viele junge Männer kennen gelernt, die gerne Priester werden wollten, die dafür aber nicht auf Familie und Sexualität verzichten wollten. Wenn jemand liebt und ein gutes Sexualleben hat, dann ist das eine große Quelle an Energie”, findet Mauritz klare Worte. Gleichzeitig betont er, dass die Abschaffung des Zölibats kein Allheilmittel wäre, dass es nur ein erster Schritt sein könnte.

Mauritz freut sich nicht nur auf seine neue Aufgabe als Pfarrer an St. Jakob, sondern auch auf das Leben in der Stadt, darauf, „mal ohne Auto unterwegs zu sein, einen Kaffee mit Freunden in der Stadt zu trinken”. In sein neues Heim am Jakobsplatz kann Mauritz noch nicht einziehen, ein Hausschwamm verzögert die Sanierungsarbeiten. Ende Februar wird es dann soweit sein, der neue Pfarrer kann endlich ganz ankommen an St. Jakob. So wird seinem Leben wieder ein neues Mosaiksteinchen hinzugefügt.