Aachen: Neuer Kompromiss im Ringen um Kurklinik?

Aachen : Neuer Kompromiss im Ringen um Kurklinik?

Im Tauziehen um den Fortbestand der fusionierten Burtscheider Kurkliniken steht jetzt eine weitere entscheidende Frist im Raum: Bei einer Mitgliederversammlung am vergangenen Mittwoch haben die Vertreter der Marienhaus GmbH eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat der ehemaligen Rheumaklinik vorgelegt, welche die rund 270 Arbeitsplätze sichern könnte — allerdings müssten die rund 100 Mitarbeiter der Rheumaklinik dabei erhebliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen.

Eine Schließung der zum Jahresbeginn zusammengelegten Einrichtungen zum 30. September dieses Jahres, erklärte Marienhaus-Sprecher Heribert Frieling am Freitag, könne auf diese Weise doch noch verhindert werden. Voraussetzung: Die Arbeitnehmer erklären sich bis kommenden Donnerstag mit der Vereinbarung einverstanden.

Keine Tariferhöhungen bis 2019

Im Ganzen ginge dies mit dem Verzicht auf bislang geleistete Sonderzahlungen in Höhe von 8,3 Prozent der Bezüge rückwirkend zum 1. Januar 2014 einher. Ferner müssten die Mitarbeiter bis 2019 auf jegliche Gehaltserhöhung verzichten. Damit stünden weiterhin Lohneinbußen in einer Größenordnung von um die 20 Prozent im Raum.

Im Gegenzug erklärt die Klinikbetreiberin sich bereit, bis zum 30. Juni 2015 einen Bauantrag zur Erweiterung des Hauses an der Benediktiner Straße inklusive Investitionszusage zur Standortsicherung vorzulegen, erklärte Frieling. Der zeitliche Vorlauf sei notwendig, da das auf rund 30 Millionen Euro veranschlagte Projekt europaweit ausgeschrieben werden müsste. Sollte dies scheitern, hätten die Arbeitnehmer Anspruch auf Rückerstattung des „freiwillig“ geleisteten Lohnverzichts. Und: Sollte sich erweisen, dass die Einnahmen des Kurbetriebs die prognostizierten Summen überschreiten, würde der Überschuss bis auf einen Sockel von 50.000 Euro alljährlich wieder in die Lohntüten zurückfließen.

Jährliche Bestandsaufnahme

Zudem würde die wirtschaftliche Entwicklung der Klinik jedes Jahr auf den Prüfstand gestellt. „Dabei sichern wir den Mitarbeitern jegliche Transparenz zu“, unterstrich Frieling. Schließlich soll eine Lenkungsgruppe eingerichtet werden, in der Vertreter der Belegschaft, des Personalrats und der Geschäftsführung gemeinsam und regelmäßig über weitere Maßnahmen zur Standortsicherung beraten.

Frieling betonte, dass auch der Personalrat sich „voll und ganz“ zu dem Maßnahmen bekannt habe. Eine Stellungnahme der Arbeitnehmervertreter war am Freitag nicht zu erhalten. Entscheidend sei jetzt ohnedies, dass möglichst viele Mitarbeiter sich auf individueller Basis mit den Vorschlägen einverstanden erklärten, sagte Frieling. „Wir sind zuversichtlich, dass wir damit einen Durchbruch erzielen können.“