Neuer Gedichtband des Aachener Autors Uli Wollgarten erschienen

Literatur : Lyrisches von Spiegeleiessern und frittierten Pferden

Sprachwitz und viel eine große Portion Humor – das sind die Zutaten, aus denen der Aachener Autor Uli Wollgarten ein ausgesprochen schmackhaftes literatisches Menü gezaubert hat. Der neue Gedichtband „Gefeilt entlassen“ ist jetzt erschienen.

Der feinsinnige Humor von Uli Wollgarten erschließt sich – in diesem Fall – erst auf den zweiten Blick. „Spiegelbestseller“ steht in allseits bekannter weißer Schrift auf orangerotem Grund auf dem Buchdeckel des neuen Lyrikbandes aus der Feder des 56-jährigen Aacheners. „Respekt“, ist man geneigt auszurufen. Geadelt vom vermeintlichen Literatur-TÜV aus Hamburg. Das schafft nicht jeder. Aber: Wer wirklich liest, ist klar im Vorteil. Der Aufkleber ist ein Fake. Dort steht statt „Spiegelbestseller“ in Wahrheit „Spiegeleiesser“...

Gedruckt statt geklebt

„Ein Spaß“, schmunzelt Wollgarten. Aber auch Kritik am Literaturbetrieb. Uli Wollgarten hat einmal ein Buch gekauft, da war der Spiegelhinweis nicht – wie meist üblich – im Nachhinein aufs Buch geklebt worden, sondern vom Verlag direkt auf den Buchdeckel gedruckt. Reine Verar.... meint nicht nur Wollgarten

Dann schon lieber Spiegeleier essen, sagte sich Wollgarten. Und die Ironie, der deutliche Hang zur Satire passen zu Autor Wollgarten wie Hanns Dieter zu Hüsch oder Robert zu Gernhardt. Womit wir schon bei zwei von zahlreichen Vorbildern sind, aus denen Wollgarten seit langer Zeit seine Inspiration schöpft. Nach „Gefangene Gedanken“ aus dem Jahr 2012 legt Wollgarten jetzt seinen zweiten Lyrikband vor: „Gefeilt entlassen“.

Neben Hüsch und Gernhardt liest man viel Heinz Erhardt, Wilhelm Busch oder Christian Morgenstern in den Gedichten. Aber Uli Wollgarten läuft nicht in die Plagiatsfalle. Vorbilder zu haben muss eben nicht notwendig heißen, plump nachzuahmen. Uli Wollgarten hat seine eigenen Bilder entwickelt, seine ganz persönlichen Geschichten, seinen individuellen Duktus. Das geht vom – Originalton Wollgarten! – „sinnfreien Blödsinn“ bis hin zu Nachdenklichem, zum Fragenden. Der zweite Band, so sagt er, sei „deutlich politischer und gesellschaftskritischer“ angelegt als der erste.

Wollgarten, der in Tradition seines Vaters Richard auch ein ausgewiesener Öcher-Platt-Experte ist, weiß mit Sprache umzugehen. Er hat das Gespür für lyrische Finessen, für das Tempo und den Takt des geschriebenen und sicher auch vorgelesenen Wortes. Natürlich liegt es im Auge des Betrachters und hier in erster Linie in der Vorliebe der Rezipienten, was denn nun die Stärke von Wollgartens Lyrik ausmacht. Daher die ganz individuelle Einschätzung: Dort, wo es herrlich blödsinnig wird (siehe Info), da brilliert Wollgarten. Weil es nicht Blödelei ist, sondern Humor mit Hintergrund. „Gefeilt entlassen“ verspricht bestes Lesevergnügen, in einem Rutsch oder als Häppchen genossen. Das passt immer, gefeilt und entlassen.

Uli Wollgarten wird seinen Lyrikband am Samstag, 2. November, ab 20 Uhr im Schlüsselloch, Boxgraben 51, vorstellen. Mit dabei ist an diesem Abend Bruno Bings, der unter anderem aus seinem Roman „Poly und die Raschelbande“, eine Geschichte um Gebrauchsgegenstände, die Menschen wegwerfen, liest.

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