Neuer Führer für den Aachener Dom auf Öcher Platt

Neuer Domführer auf Öcher Platt : Ene Ronkjangk dörch os Öcher Mönster

„Ein kleines Buch macht auch viel Arbeit.“ Schon ein erster schneller Blick in das Büchlein bestätigt den Autor Gerhard Dünnwald. Der ehemalige Leiter der Domsingschule hat einen Domführer auf Öcher Platt geschrieben. Das kleine Buch ist ganz groß.

„Öcher Ronkjangk dörch os Mönster“ heißt der Domführer der anderen Art. „Et Mönster — verkliert en os Heämetsproech“, verspricht Dünnwald im Untertitel. Auf den 45 Seiten im Taschenbuchformat liefert er noch viel mehr: Er lädt ein „zu einer ganz besonderen Reise durch die Jahrhunderte und präsentiert den Dom auf eine ganz andere Weise“, wie es in der Einführung treffend heißt.

Auch geistliche Heimat

Der Dom, sagt er bei der Vorstellung seines Büchleins im Domkapitel, sei ihm „geistige und geistliche Heimat“. Als „herausragenden Kenner und Interpreten unseres Domes“, rühmt ihn im Vorwort Dompropst Manfred von Holtum.

Öcher-Platt-Fan Dünnwald entdeckte bei seinen Sonderführungen durch „seinen“ Dom, wie begeistert Gäste auf seine Geschichte und Geschichten in Mundart reagierten. Da lag es nahe für den Träger des Thouet-Mundartpreises 2017, den Menschen den Dom in einem Büchlein auf Öcher Platt näherzubringen.

Dompropst von Holtum begrüßte es, dass Dünnwald „diesen besonderen Domführer“ in der Aachener Muttersprache geschrieben habe und darin „die ganz tiefen und in die lange Geschichte hinreichenden Wurzeln des Domes“ freilege.

Auch Manfred Birmans, Präsident des Vereins „Öcher Platt“, drückte seine Freude aus. In seinem Vorwort schreibt er in einem Sprach-Mix: „Dieses unvergleichliche Gotteshaus und seine liturgischen Schätze op Platt ze spejjele, let os net mär deä kulturelle Riichdom angeschter erleäve, nein dies zeigt auch, welche Ausdruckskraft das Kulturerbe Öcher Platt besitzt.“

Für den Öcher-Platt-Verein sei es „wichtig, dass die sehr ernste wissenschaftliche Arbeit in unserer Heimatsprache“ erscheine, ergänzte Birmans bei der Präsentation.

„Ich hoffe auf eine zweite Auflage“, ergänzte Ralf Otten, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Aachener Dommusik“. Um die Herausgabe des Domführers möglich zu machen, orderten die Dommusik-Freunde und der Verein Öcher Platt zusammen vorab 1600 der Erstauflage von 2500 Exemplaren.

Dünnwalds Büchlein ist kein Führer im üblichen Stil, führt im Dom nicht rundum aufzählend alle Kostbarkeiten an, sondern will „wo ich stehe, auf die historischen Hintergründe hinweisen, die Grunddinge erkennen, wobei es um das Gewordene geht, um das, was uns im Dom bewegt“, sagt der Autor.

So führt Dünnwald den Leser von der Aachener Pfalzanlage, dem Bauensemble Kaiser Karls und dessen Ideenwelt, den Ausgleich mit Byzanz zur karolingischen Renaissance und Karls Bedeutung für Europa hin zur „Chorhalle als gläserner Schrein für goldene Schreine“ und von den Heiligtümern hin zur „Liturgie als bleibender Seinsgrund des Mariendomes“.

Ein kostbares, anspruchsvolles und wissenschaftliches Geschichts-Büchlein — ein Schatz. Und das alles auf Öcher Platt, Erläuterungen auf Hochdeutsch zwischengeschaltet, aufgelockert mit wunderbaren Farbfotos und erklärenden Skizzen, gerade rechtzeitig erschienen zur großen Jubiläums-Woche „40 Jahre Unesco-Weltkulturerbe Aachener Dom“ ab Sonntag, 23. September.

Gerhard Dünnwald setzt ans Ende einen ihn charakterisierenden Satz: „Et Schönnste va Oche es et Mönster — än ouch noch os Öcher Sproech.“

„Öcher Ronkjangk dörch os Mönster — Et Mönster verkliert en os Heämetsproech“: von Gerhard Dünnwald; 45 Seiten mit vielen Farbfotos; Einhard-Verlag Aachen; erhältlich in allen Buchhandlungen und im Domlädchen .

(5 Euro)