Aachen: Neuer Busbahnhof mitten auf der Peterstraße?

Aachen: Neuer Busbahnhof mitten auf der Peterstraße?

Alle Autos raus, massenhaft Busse rein. So sieht - plakativ formuliert - das Verkehrskonzept der SPD für die Peterstraße zwischen Elisenbrunnen und Blondel-/Kurhausstraße (und darüber hinaus) aus, um den ungeliebten Betonklotz Bushof für neue Nutzungen „frei zu kriegen” und gleichzeitig den Pkw-Verkehr noch weiter aus der Innenstadt zu drängen.

Die rote Flotte soll dann nicht mehr im 1973 eingeweihten Bushof, sondern entlang einer neu zu errichtenden, hunderte Meter langen Mittelinsel zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und der Kreuzung vor dem Bushof Fahrgäste zu- und aussteigen lassen. Am Elisenbrunnen zählt die Aseag derzeit pro Werktag gut 3200 An- und Abfahrten sowie rund 26.400 Ein-, Aus- und Umsteiger. Hinzukommen allein an den Bushof-Haltestellen über 4700 An- und Abfahrten sowie 40.400 ein- oder aussteigende Passagiere.

Wie das zu bewältigen wäre? Die neue, riesige Umsteigezone wäre dann für Privatautos tabu, erklärte SPD-Verkehrsexperte Michael Servos am Montag die Idee. Taxis dürften passieren. So könne laut SPD-Ratsherr Claus Haase der Verkehr durch Buchkremerstraße und Büchel nahezu vollständig unterbunden und der Elisenbrunnen entlastet werden. Der Autozufluss versiege, weil der Investor der Bel Etage am Büchel anstelle des abrissreifen Parkhauses keine Kurzzeitparkplätze für sein Zwei-Sterne-Hotel inklusive Ladenzeile plane. Am Straßenrand fielen dort ohnehin nach Umbaumaßnahmen - wie in der Kleinkölnstraße - fast sämtliche Stellplätze weg.

Die Aufwertung des Bushofs, dessen Abriss oder Umbau etwa zu einem weiteren Hotel oder einer Markthalle, hatten die Mehrheitsfraktionen CDU und Grüne bereits in ihrer Koalitionsvereinbarung ins Auge gefasst. Laut SPD scheiterte man bisher daran, „dass der Verknüpfungspunkt Bushof im Netzplan der Aseag von zentraler Bedeutung ist und nicht verlagert werden kann, ohne die Attraktivität des ÖPNV in Aachen massiv einzuschränken”. Deshalb will die SPD im Stadtrat beantragen, die Verwaltung prüfen zu lassen, ob sich eine Verlagerung ermöglichen lässt.

Nach dem Sommer soll zudem ein Busnetzgutachten vorliegen, in dem Fachleute unter anderem die Leistungsfähigkeit der Aseag-Linienstruktur und des Bushofs bewerten. Der gehört übrigens neben der Stadt einer Berliner Immobiliengesellschaft, die ihn angeblich gerne an einen privaten Investor verkaufen würde. „Dafür muss das Umfeld aber attraktiver werden”, betonte Servos. Vorstellbar sei, dass die Volkshochschule im dann umgebauten Bushof beheimatet bleibe. Ob dies auch für andere Geschäfte und die dortige Methadonambulanz gilt, deren Patienten auf die direkte ÖPNV-Anbindung angewiesen sind, ist offen.

Kein Geheimnis ist, dass sich Baudezernentin Gisela Nacken eine Verlegung des Busknotenpunkts auf die offene Straße - mit entsprechenden Einschränkungen für den Autoverkehr - durchaus vorstellen kann. Analysieren will man nun, ob den Aseag-Kunden auf einer neuen Mittelinsel entlang der Peterstraße beim Umsteigen teils Fußwege von bis zu einem halben Kilometer zumutbar sind. „Das müssen die Verkehrsexperten klären”, sagte Servos. Und schließlich sieht auch die SPD noch eine entscheidende Hürde: „Der Straßenumbau dürfte relativ teuer werden”, räumte Servos ein.

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