Neuer Bebauungsplan soll Zukunft des Aachener Kurwesens sichern

Neuer Bebauungsplan : Fünf Hektar im Herzen Burtscheids sollen die Zukunft des Kurwesens sichern

Es geht um nicht weniger als die Zukunft des Kurwesens: Per Bebauungsplan und notfalls per städtischem Vorkaufsrecht soll auf einem knapp fünf Hektar großen Areal Platz für den Neubau einer Reha-Klinik geschaffen werden. Auch neue Wohnungen könnten dort entstehen.

Auf den ersten Blick handelt es sich „nur“ um knapp fünf Hektar im Herzen Burtscheids, also eine Fläche, die gerade einmal sieben Fußballfeldern entspricht. Doch bei genauerer Betrachtung steht dort nicht weniger als die Zukunft des Kurwesens in der Kaiserstadt Aachen auf dem Spiel - weshalb sich Politik und Verwaltung das Heft des Handelns auf keinen Fall aus der Hand nehmen lassen wollen.

Deshalb soll für den Bereich zwischen Michaelsbergstraße, Friedrich-Ebert-Allee und Zeise zum einen ein Bebauungsplan aufgestellt werden, der klare Vorgaben für die künftige Nutzung machen wird. Und deshalb soll zum anderen für eben diesen Baublock eine städtische Vorkaufsrechtssatzung erlassen werden, damit die Stadt zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung ein weiteres wirksames Instrument an der Hand hat. Beides soll schon in der kommenden Woche auf den Weg gebracht werden, wenn die Bezirksvertretung Aachen-Mitte (Mittwoch, 9. Januar, 17 Uhr) und der Planungsausschuss (Donnerstag, 10. Januar, 17 Uhr) sich mit dem Thema befassen.

Dass es bei dem Areal am Rande des Burtscheider Kurparks, auf dem unter anderem die großen Klostergebäude der Schwestern vom Armen Kinde Jesu und die Grundschule Michaelsbergstraße liegen, um ein wichtiges und sensibles Stückchen Stadt handelt, betont die Verwaltung gleich mehrfach. Schließlich befinden sich dort vermutlich die einzigen geeigneten Bauflächen, die benötigt werden, „um den Kurstandort Burtscheid zukunftsfähig aufzustellen“, wie es in der Vorlage heißt.

Gemeint sind damit die Neubaupläne des Schwertbad-Eigners Inoges AG, der bis zu 100 Millionen Euro in eine neue Reha-Klinik investieren will, weil das traditionsreiche Schwertbad am heutigen Standort aus allen Nähten platzt. Dabei wolle man, wie Inoges-Chef Wolfgang K. Hoever jüngst gegenüber unserer Zeitung bekräftigt hat, am Standort Aachen festhalten.

Daher hat man bereits sowohl auf das Klostergelände als auch kürzlich auf das Grundschulgrundstück ein Auge geworfen und rennt insbesondere mit letzterem Anliegen bei der Stadt offene Türen ein. Eine Verlegung der Grundschule Michaelsbergstraße hin zum bald verwaisten Hauptschulstandort Malmedyer Straße wird aktuell geprüft und erscheint praktikabel, womit passende Flächen für einen Klinik-Neubau frei werden könnten. Aus Sicht der Verwaltung wäre dies unbedingt zu begrüßen. Schließlich sei das Fortbestehen des Kur- und Bäderwesens für Aachen „sehr bedeutsam“ und für die Aachener Wirtschaft „unverzichtbar“.

Deshalb wird zurzeit auch ein „Zukunft- und Handlungskonzept für das Kur-, Bade-, Reha- und Gesundheitswesen“ erarbeitet, das im Frühjahr vorliegen soll. Auf dieser Basis könne dann eine „richtungsweisende Entscheidung“ getroffen werden, wobei die Stadt „alle flankierenden Maßnahmen zum Fortbestand und zur Entwicklung des Kur- und Bäderwesens“ ergreifen wolle. Und dies gegebenenfalls auch dadurch, dass man besondere Vorkaufsrechte ausübt. Wobei sich eine solche Einflussnahme nicht nur auf das Kurwesen beschränken muss. Man ziehe auch städtebauliche Maßnahmen in Betracht, „die zum Beispiel dem Wohnbedarf dienen und in einer besonderen Weise auf die sensible Lage eingehen“, heißt es in der Vorlage. Schließlich benötigt man auch dafür in Aachen dringend Flächen.

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