Neue Variante für die Sanierung der Inde-Stützmauer in Kornelimünster

Inde-Stützmauer in Kornelimünster : Ein Jahr Bauzeit, aber insgesamt nur sechs Wochen Vollsperrung

Die Inde-Stützmauer an der Landstraße 233 in Kornelimünster muss mit großem Aufwand saniert werden. Allerdings steht nun eine Variante zur Diskussion, bei der die Ortsdurchfahrt nicht für insgesamt zehn Monate voll gesperrt wird.

Es geht also doch einfacher: Die Sanierung der maroden Inde-Stützmauer in der Ortsdurchfahrt Kornelimünster kann so angepackt werden, dass der Ort sich auf eine Vollsperrung von „nur“ sechs Wochen einstellen muss. Die ursprüngliche Planung hatte bei zwölf Monaten Bauzeit eine Vollsperrung von satten zehn Monaten vorgesehen und bei den Fraktionen in der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim vor gut einem Jahr mittelprächtiges Entsetzen ausgelöst. Am 6. Februar sind die konkreten Vorschläge für eine neue Planung nun Thema in der Bezirksvertretung.

Unterm Strich, so ist der Verwaltungsvorlage zu entnehmen, müsste die L 233 zwischen Steinkaulplatz und Korneliusmarkt insgesamt für sechs Wochen voll gesperrt werden. Veranschlagt sind dreimal je eine Woche für das Verlegen von Fertigteilen und Betonarbeiten sowie am Ende drei Wochen am Stück für abschließende Straßenbauarbeiten.

Sechs Wochen Vollsperrung, das dürfte manchen Anlieger, besonders in der örtlichen Geschäftswelt, dennoch ächzen lassen. Und ohne Staus wird die Großbaustelle ebenfalls nicht abgehen. Für einen Teil der Arbeiten muss der Verkehr nämlich einseitig an der Baustelle vorbeigeführt werden. Ein Ingenieurbüro, das eine Machbarkeitsstudie zur Verkehrsführung erstellt hat, geht vor allem im Berufsverkehr von „massiven Rückstaulängen“ an den Baustellenampeln aus. Allerdings suchten sich die Autofahrer erfahrungsgemäß nach den ersten Stautagen Wege, um die Baustelle zu umfahren, heißt es, so dass der Rückstau dann deutlich kürzer werde.

Dass die 9,50 Meter hohe Inde-Stützmauer dringend saniert werden muss, ist bereits seit einer Bauwerksprüfung im Jahr 2013 bekannt. Sowohl die Mauer als auch die darauf liegende Stahlbeton-Kragplatte, die zur Inde hin wie ein Balkon über die Stützmauer hinausragt, weisen Schäden auf. Die Sanierung soll für die nächsten Jahrzehnte neue Standfestigkeit garantieren. Im Zuge der Sanierung soll auf dem Straßenstück aber auch der Gehweg verbreitert werden. Das bringt Fußgängern mehr Platz und Radfahrern endlich eine sichere Führung.

All das ist auch weiterhin das Ziel. Allerdings haben sich die Fachleute Verfahren überlegt, die den Autoverkehr auf der L 233 weniger beeinträchtigen. So soll die Stützmauer durch „Injektionen“ stabilisiert werden. Dabei wird die Mauer nicht im Fels verankert, sondern quasi angeklebt. „Die Wand wird durch beide Verfahren nachweisbar standfest“, versichert die Verwaltung. Der Vorteil aber: Für das Injektionsverfahren seien lediglich vertikale Bohrungen an der Wandrückseite notwendig. Das beeinträchtige die Straße weniger, heißt es. Und auch in Sachen Kampfmittelsondierung und Archäologie müsse weniger aufwändig untersucht werden.

Der Tragbalken in der Straßenmitte muss nach der neuen Planung nicht erneuert werden, sondern kann so verstärkt werden, dass er die vergrößerte Kragplatte tragen kann. Im Gegensatz zur ursprünglichen Planung sind die Fachleute mittlerweile auch überzeugt, dass Fertigteile eingebaut werden können. Eine Vollsperrung wird dann nur nötig, um die Fertigplatten zu montieren. Nach der ursprünglichen Variante sollte aufwändig vor Ort betoniert und ausgehärtet werden.

Mehr als 2,7 Millionen Euro

Den Baubeschluss für die Sanierung der Inde-Brücke soll am 21. Februar der Mobilitätsausschuss fassen. Die Verwaltung kalkuliert dann mit rund sieben Monaten für Planung und Vergabe und danach etwa einem Jahr Bauzeit. Die Kosten, die ursprünglich mit gut 2,4 Millionen Euro kalkuliert waren, dürften sich Schätzungen zufolge um rund 275.000 Euro verteuern. Diese Kostensteigerung von rund elf Prozent sei aber vor allem der guten Baukonjunktur geschuldet, heißt es in der Verwaltungsvorlage. In dem Jahr, seit die erste Planung gestoppt wurde, ist das Bauen deutlich teurer geworden.

Aus den Reihen der Bezirksvertreter gibt es positive Signale zu den neuen Vorschlägen. „Das ist eine Lösung, mit der wir alle leben können“, findet Hans Müller, Sprecher der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung. Eine monatelange Vollsperrung auf der L 233 hätte Kornelimünster komplett durchtrennt. „Die Leute hätten riesige Umwege fahren müssen, um von einer Seite auf die andere zu kommen“, sagt Müller. „Das war nicht möglich.“ Er ist zuversichtlich: „Wenn man die Zeiten der Vollsperrung geschickt verteilt und einige vielleicht in die Ferien verlegen kann, dann wird sich das nicht so stark auswirken.“ Auf jeden Fall werde Kornelimünster von dem neuen Geh-/Radweg profitieren. „Das ist für Schulkinder gut, aber auch für Wanderer und Radler.“

Zufrieden mit der neuen Variante ist auch SPD-Sprecher Bernd Krott. „Die jetzt veranschlagte Vollsperrung ist natürlich immer noch ärgerlich“, sagt er, „aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Es muss ja etwas gemacht werden.“ Und das neue Stück Radweg bringe eindeutig eine Verbesserung für den Ort.

Bezirksamtsleiterin Rita Claßen geht davon aus, dass die Arbeiten in der Ortsdurchfahrt frühestens Ende des Jahres beginnen werden, „auf jeden Fall aber nach dem Historischen Jahrmarkt“. Von der Mauersanierung werde Kornelimünster sicher profitieren, sagt sie. Wie gut sich eine fachmännisch sanierte Mauer mache, könne man jetzt bereits auf der anderen Straßenseite der L 233, zum Berg hin, sehen. Die Sanierung der dortigen Mauer ist bereits auf der Zielgeraden - inklusive neuem Geländer.

Die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim befasst sich am Mittwoch, 6. Februar, 17 Uhr, im Sitzungssaal des Bezirksamts mit der Mauersanierung.

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