Aachen: Neue Sportanlagen für die „Kletteraffen“

Aachen : Neue Sportanlagen für die „Kletteraffen“

Noch klettern am Grünen Weg vor allem die Dezibelwerte in die Höhe. Es wird gehämmert, gebohrt und zusammengeschraubt. Auf dem Boden stapeln sich Holzbalken, die sich Schritt für Schritt zu einem kahlen Holzgerüst entwickeln. Bis sich an diesem Gebilde Sportler an farbigen Griffen wie wendige Kletteraffen entlang hangeln können, ist es noch etwas hin.

Doch das Tempo, das Susanne und Stephan Hilgers vorgegeben haben, ist durchaus sportlich. Bereits am 9. September, also in weniger als zwei Monaten, sollen die neuen Hallen der „Kletteraixperten“ offiziell eröffnet werden — und die Aachener Hallenlandschaft um zwei Sportanlagen reicher.

Künstliche Kletterfelsen: Das Holzgerippe wird noch mit Holzplatten und bunten Griffen verkleidet. Foto: Michael Jaspers

Das geplante Angebot kann sich durchaus sehen lassen: Auf einer Fläche von gut 3400 Quadratmetern sollen in zwei nebeneinander liegenden Hallen bis zu acht Sportarten betrieben werden. Dann lädt nicht nur das „Holzgerippe“ ab September mit Holzplatten und bunten Griffen verkleidet zum Bouldern ein — also zum Klettern ohne Seil und Gurt an künstlichen Kletterfelsen.

Dann soll es zum Bouldern - also zum Klettern ohne Seil und Gurt - einladen. Foto: Michael Jaspers

Hinzu kommen zudem ein Hangelparcour, ein Crossfit-Bereich und Trampolins, erläutert Susanne Hilgers. Wer lieber etwas mehr Bodenhaftung behält, kann in der benachbarten Beach-Halle auf 1400 Quadratmetern und 14 Zentimeter hohem Sand beim Beachvolleyball, -fußball und Beachminton auf seine Kosten kommen. Die Kosten für die Investition beziffert Susanne Hilgers mit rund 800.000 Euro.

„Platz reicht nicht“

Zwei Jahre lang haben Susanne und Stephan Hilgers nach neuen Hallen gesucht. Der Klettersport beschäftigt das Paar seit Jahren. Mit ihrer Firma Kletteraixperten betreiben sie den Kletterwald bei Maria im Tann und die Moove-Boulderhalle an der Kurbrunnenstraße. Dass sie nun auch am Grünen Weg tätig sind, ist unter anderem mit dem begrenzten Platz in der Moove-Halle begründet. Denn der Klettersport boomt seit Jahren — ob mit oder ohne Seil. Durchschnittlich 600 Abonnenten zählt Susanne Hilgers für die Moove. Hinzu kommen Spontanbesucher und Schulklassen. Die 47-Jährige stellt fest: „Der Platz reicht nicht aus.“

Erweiterungsmöglichkeiten bestehen an der Boulder-Halle an der Kubrunnenstraße jedoch nicht. Der Mietvertrag für die Moove-Halle bestehe noch bis August 2019. Wie es danach weitergeht, können Susanne und Stephan Hilgers nicht absehen. Schließlich hat die Aachener Reaq Immobilien GmbH für das Areal rund um das Burtscheider Viadukt große Pläne — auch wenn die Politik im vergangenen Herbst den Bestrebungen des Investors, ein zehnstöckiges Hochhaus zu errichten vorerst einen Dämpfer verpasst hatte. Rund 100 Wohnungen will die Aachener Reaq Immobilien GmbH direkt am Burtscheider Viadukt in der Nähe von Kurbrunnen- und Bachstraße schaffen.

Doch vor allem die Hochhaus-Pläne stießen bei der Politik auf Skepsis. Stattdessen soll ein Bebauungsplan für das Areal südlich des Viadukts her. Hintergrund ist auch die Diskussion um ein mögliches drittes Gleis auf der Strecke Aachen-Düren-Köln, das durch die geplante Bebauung behindert werden könnte. Doch auch ohne ein mögliches Hochhaus am Viadukt, gehe Susanne Hilgers davon aus, dass es für die Moove-Halle ab September 2019 — wenn überhaupt — „nur noch kurzfristige Mietverträge“ geben werde, und sie stellt fest: „So kann man nicht arbeiten.“

Aachener Alpinisten

Von einem Ende der Moove-Halle will Susanne Hilgers aber noch nicht reden. Abwarten lautet die Devise. Auf Veränderungen müssen sich die Hallennutzer dennoch einstellen. Ab 2018 werde die Halle zu einer „Bewegungslandschaft für kleine Kinder“ umgebaut und die Öffnungszeiten entsprechend angepasst. „Die Älteren sind dann eben hier am Grünen Weg.“

Doch nicht nur die Kletteraixperten ziehen Sportler an, die hoch hinaus wollen. Allein die Aachener Sektion des Deutschen Alpenvereins zählt 5100 Mitglieder. Tendenz steigend. Die Klettergruppe des Hochschulsports hangelt sich in der Campus Boulderhalle auf 1200 Quadratmetern Grundfläche und mehr als 800 Quadratmetern Wandfläche von Griff zu Griff. Und auch in der Kletterhalle Tivoli beobachtet der sportliche Leiter Jochen Schäfer schon seit Jahren das große Interesse an dem Sport. „Der Affe steckt in allen von uns“, sagt Schäfer, der seit sechs Jahren am Strangenhäuschen tätig ist. „Das Schöne am Klettern ist, dass man relativ schnell Erfolgserlebnisse hat.“ Für diese Erfolgserlebnisse gibt es für die Aachener nun noch mehr Raum.

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