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Event-Kultur in Aachen: Neue Pläne gegen den Papierkrieg um den Schallschutz

Event-Kultur in Aachen : Neue Pläne gegen den Papierkrieg um den Schallschutz

Die Realisierung größerer Veranstaltungen soll in Aachen künftig durch neue Genehmigungsstandards erleichtert werden. Transparenter, einfacher und zügiger – so kann man den gewünschten Dreiklang in Sachen Konzertkultur auf den Punkt bringen.

Sobald am Lautstärkeregler gedreht wird, verschärft sich die Tonlage: Seit Jahr und Tag bewegt sich der Reizpegel zwischen städtischen Behörden und Musikveranstaltern in Aachen immer wieder quasi am Anschlag; insbesondere, wenn es um die Genehmigung größerer Events geht. Jetzt soll ein Konzept entwickelt werden, um die Bewältigung der rechtlichen Anforderungen in Sachen Schallschutz für alle Beteiligten zu vereinfachen.

Denn mehrfach mussten gerade aufwendig geplante Festivitäten – wie zuletzt beispielsweise eine Party der Initiative „Sounds for Climate“ mit mehreren Bands im Tuchwerk Soers – kurzfristig abgeblasen werden, weil die einschlägigen Vorgaben aus Sicht der Verwaltung nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt worden waren. In der Tat ist mittlerweile für jede einzelne Veranstaltung, insbesondere unter freiem Himmel, ein kostspieliges Gutachten erforderlich, um im Vorfeld sicherzustellen, dass die Lärmemissionen den zulässigen Rahmen nicht sprengen. Damit jedoch seien vor allem nicht-professionelle Veranstalter organisatorisch und finanziell vielfach „total überfordert“, konstatiert der Kulturbetrieb in einer Vorlage für die jüngste Sitzung des Kulturausschusses.

Folglich sollen nun auf Vorschlag des städtischen Fachbereichs Klima und Umwelt neue, einheitliche Rahmenvorgaben zur Genehmigung von Konzerten an besonders gefragten Örtlichkeiten, wie zum Beispiel dem Campus Melaten oder eben dem Tuchwerk, erarbeitet werden. Somit könne im Zuge eines beschleunigten Genehmigungsverfahrens mehr Planungssicherheit geschaffen und zugleich dem Ruhebedürfnis der Anwohner im Umfeld Rechnung getragen werden.

Schließlich habe auch die Bezirksregierung nach zunehmenden Beschwerden lärmgeplagter Bürger darauf gedrängt, die vorgegebenen Richtlinien im sogenannten „Orientierungsrahmen für Veranstaltungen im Freien mit erhöhtem Gefährdungspotenzial des Landes NRW“ in jedem Fall einzuhalten. Bereits 2012 ist beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung daher eine „Zentrale Ansprechstelle für Großveranstaltungen und Sicherheitskonzepte“ eingerichtet worden, um die Genehmigungsverfahren zu bündeln. Allein: In der Praxis habe sich gezeigt, dass die nötigen Anträge angesichts der Fülle von Vorgaben oftmals nicht rechtzeitig eingehen – was „in letzter Konsequenz“ zwangsläufig zu einer Absage führen müsse.

Deshalb arbeite das Ordnungsamt derzeit an einem neuen „Leitfaden Veranstaltungen“, der in Kürze auch auf der städtischen Website wichtige Orientierungshilfen liefern soll, etwa wenn es darum geht, die richtigen Ansprechpartner in den zuständigen Behörden wie Ordnungs- und Umweltamt zu finden.

Um einen möglichst vollständigen Überblick zu ermöglichen, soll darüber hinaus ein Online-Formular bereitgestellt werden, in dem die rechtlichen Voraussetzungen zur Realisierung größerer Events aufgelistet sind. Grundsätzlich müssen etwa Konzepte für „Veranstaltungen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial“ zumindest in einer ersten Fassung drei Monate vor dem geplanten Termin eingereicht werden. Für Darbietungen, die keine maßgeschneiderten Sicherheitsvorgaben erforderlich machen, ist immerhin noch ein Vorlauf von sechs Wochen einzuhalten. Um das bürokratische Dickicht zu lichten, ist mit Lukas Delvenne zudem seit Ende Juli erstmals ein sogenannter „Nachtbürgermeister“ eingestellt worden, der als Mitarbeiter im städtischen Fachbereich Bürgerdialog und Verwaltungsbereich direkt der Oberbürgermeisterin unterstellt ist.

Vorläufiges Fazit aus Sicht des Kulturbetriebs: Mit dem neuen „Leitfaden Veranstaltungen“ könnte eine „wesentliche Erleichterung“ für alle Beteiligten erreicht werden, um Konflikten im Spannungsfeld zwischen Event-Kultur und Lärmschutz rechtzeitig entgegenzuwirken.