Erweiterung der Klinik : Neue OP-Säle des Luisenhospitals schweben durch die Luft

Erweiterung der Klinik : Neue OP-Säle des Luisenhospitals schweben durch die Luft

Nur knappe drei Tage hat es gedauert, bis zwei neue OP-Säle am Luisenhospital installiert wurden. Möglich war das dank zweier Module, die mit speziellen Kränen auf einem zuvor angelegten Fundament aufgebracht wurden.

„Ein herkömmlicher Erweiterungsbau wäre an dieser Stelle kaum möglich gewesen“, meint Thomas Siebers, Bauleiter am Luisenhospital. Denn monatelanger Baulärm und Schmutz seien weder den Patienten noch den Operateuren in den angrenzenden OP-Sälen zuzumuten. Und so haben die Planer auf Module zurückgegriffen, die erst vor Ort zusammengesetzt und dann mit einem Kran an der vorgesehenen Stelle abgesetzt wurden.

„Einer dieser Säle ist ein Hybrid-Saal“, sagt Dr. Wolfram Reeker, Ärztlicher Direktor des Luisenhospitals. Hier werden in Zukunft Operationen der Gefäßchirurgie mit einem Roboter ausgeführt, der dabei hilft, passgenau die Röntgenbilder zu liefern, die der Arzt während des Eingriffs dringend braucht. Laut Reeker vereinfacht das den gesamten Operationsverlauf ungemein. Die meisten Eingriffe in der Gefäßchirurgie verlaufen heute demnach endovasculär, das heißt ohne offene Operation. „Wir können heute vieles machen, was früher nicht möglich war“, ergänzt Reeker.

OP-Anzahl drastisch gestiegen

Mit den zwei neuen Operationssälen verfügt das Luisenhospital insgesamt über zwölf OPs. Und die werden nach Meinung von Vorstand Marco Plum auch dringend gebraucht. Die Anzahl der OPs ist in den vergangenen 15 Jahren auch am Luisenhospital drastisch gestiegen. Waren es 2002 noch 7000 Operationen, wurden im vergangenen Jahr 15.000 Operationen durchgeführt.

„Und das liegt vor allem daran, dass die Menschen immer älter werden und dann Operationen brauchen, die sich erst aus ihrem Alter ergeben“, sagt Reeker. Heute könne eine 90-jährige Dame mit einem Wirbelsäulenbruch problemlos operiert werden. „Am nächsten Tag ist sie wieder auf den Beinen“, meint er.

Möglichst schonend und risikoarm

Die „robotergesteuerte Angiographieanlage“ im neuen Hybrid-OP wird ein weiterer Beitrag sein, um möglichst schonend und risikoarm operieren zu können. Ein bisschen müssen sich die Operateure aber noch gedulden. In Betrieb gehen die neuen OPs voraussichtlich erst im Januar.

So lange dauert es, bis sie vollständig eingerichtet sind. Außerdem wird auch die Fassade noch so gestaltet, dass später niemand erkennen kann, dass hier zwei Module angesetzt worden sind. Die neuen OPs sind mit den alten vernetzt und bringen die gesamte Technik mit, die für ihr Funktionieren notwendig ist. Bauleiter Siebers freut sich, dass alles — auch die Zusammenarbeit mit den Aachener Behörden — so gut geklappt hat.

Und während die Module hoch oben in der Luft hingen, konnte der Betrieb in den bestehenden OPs weitergehen. Auch die Unfallchirurgen werden vom Hybridsaal profitieren. Denn dank des Roboters können sie etwa Schrauben und Implantate problemlos an der richtigen Stelle anbringen. Für die Patienten bedeutet das: Sie können sich viel rascher erholen, als das bei einer offenen Operation möglich wäre.

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