Aachen: Neue Müllgebühren: Stadt erwartet Ansturm auf Recyclinghöfe

Aachen: Neue Müllgebühren: Stadt erwartet Ansturm auf Recyclinghöfe

Die Stadt rechnet im kommenden Jahr mit einem Ansturm auf die beiden Recyclinghöfe an der Kellershaustraße im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd und — nur wenige Meter entfernt — an Camp Pirotte nahe der Debyestraße. Und zwar in Bezug auf Sperrgut und Grünschnitt.

Der Grund liegt in der neuen Müllgebührenordnung, die am 1. Januar in Kraft tritt. Dann muss man bei der Anmeldung eines Sperrmülltermins 15 Euro berappen. Bisher ist die Abfuhr kostenlos. Außerdem werden Biotonnen gesondert vom Restmüll berechnet. Der kleinste Behälter — 60 Liter Volumen — kostet 46,30 Euro pro Jahr. Bei 90 Litern ist man mit 69,45 Euro dabei, 120 Liter kosten 92,60 und 240 Liter 185,20 Euro. Das wird nach Einschätzung des Stadtbetriebs zu einer „Verschiebung“ zwischen Hol- und Bringsystem führen — also zwischen Müllabfuhr und Recyclinghof. Schließlich kann man seinen Grünschnitt oder auch Sperrmüll kostenlos dort abliefern. Letzteres gilt bislang für die Kellershaustraße und soll auf Camp Pirotte ausgeweitet werden.

Das Problem: Gerade in Sachen Grünschnittanlieferung „knubbelt“ es sich auf der Anlage Camp Pirotte schon heute, teils bilden sich lange Schlangen — und an Camp Pirotte wird wegen der dortigen Platzverhältnisse wie wild rangiert. Kommen nun noch mehr Anlieferer, kann es durchaus an einigen Tagen chaotisch werden. Deswegen soll der Betriebsausschuss für den Stadtbetrieb kommenden Dienstag Änderungen in den Benutzungsordnungen der beiden Recyclinghöfe beschließen. Und die zielen in erster Linie auf eines ab: Mengenbeschränkung.

So wird zwar der Hof an Camp Pirotte ebenfalls eine Sperrmüllsammelstelle erhalten. Aber: Die Menge, die man anliefern darf, beträgt höchstens ein Kubikmeter. Das entspricht einer Kofferraumladung oder einem kleinen Anhänger. An der Kellershaustraße durfte man bisher „bis zu fünf Teile“ Sperrmüll bringen. Aber es war nicht definiert, wie groß diese Teile sein dürfen. Man hätte also auch fünf Kleiderschränke anliefern können. Auch dort soll nun die Menge auf einen Kubikmeter gedeckelt werden. Mehr noch: Beim Bauschutt wird deutlich gekappt. Bisher durfte man an beiden Höfen bis zu 0,5 Kubikmeter mitbringen. Künftig soll die zulässige Menge nur noch ein Fünftel dessen betragen, also 0,1 Kubikmeter.

Und: Wer mehr als die erlaubten Mengen ankarrt, der kann vom Personal wieder nach Hause geschickt werden. Er darf dann nicht einmal den Teil abladen, der den Regeln entspricht. In den Benutzungsordnungen soll nämlich folgender Satz ergänzt werden: „Teilabladungen sind nicht zulässig.“

Das alles treibt die Grünen auf die Palme. Zum Beispiel in Bezug auf „wilden Müll“. Kai Neumann, Mitglied des Betriebsausschusses, sagt: „Kommen die Leute auf den Hof und haben mehr als die erlaubte Menge bei sich, so vermute ich, dass sie damit nicht wieder nach Hause fahren, sondern die korrekte Menge abmessen, und zur Abgabestelle zurückkehren.“ Das Abladen irgendwo in der Landschaft sei damit programmiert und werde einen großen Kostenaufwand für die Entsorgung bedeuten. „Von dem Schaden für unsere Umwelt ganz zu schweigen“, kritisiert Neumann.

Die Grünen erneuern deswegen die Forderung nach einem dritten Recyclinghof, der im Norden oder Westen der Stadt angesiedelt sein soll und die Situation entzerren könnte. Aus ökologischer Sicht sei es ohnehin inakzeptabel, wenn man für die Sperrgutentsorgung von Richterich oder Laurensberg an das andere Ende der Stadt fahren müsse. Neumann: „Die Überlastung der vorhandenen Recyclinghöfe durch eine Reduzierung der erlaubten Anliefermengen zu verringern, das kann nicht die Lösung sein. Dadurch verschwinden ja die Abfälle an sich nicht.“

Allerdings hatte es jüngst einen Bericht des Stadtbetriebs im Ausschuss bezüglich eines dritten Recyclinghofes gegeben. Demnach scheint ein solcher in weiter Ferne. Denn bisher hat man dafür keinen Standort gefunden, obwohl etliche Areale geprüft wurden.