Neue Komödie der Alt-Aachener Bühne

Aachener Mundart im Theater : Ein müder Kohlenhändler bringt das Publikum zum Lachen

Das Team der Alt-Aachener Bühne begeistert mit seiner neuen Komödie „Et es för ze fre/äcke“ – sowohl auf als auch hinter der Bühne

Wären alle 100-Jährigen so gut drauf, dann dürfte man wohl mit Fug und Recht vom gesegneten Alter sprechen. Die Alt-Aachener Bühne jedenfalls — gerade 100 Jahre alt geworden — hat nichts von ihrem Elan verloren. Das zeigte sich bei ihrer neuesten Komödie „Et es för ze fre/äcke“, die in der Aula des Einhard-Gymnasiums Premiere hatte.

Bei dem Stück handelt es sich um einen Schwank frei nach „Der müde Theodor“ aus der Feder des bayerischen Autoren-Duos Max Neal und Max Ferner, 1957 mit Heinz Erhardt verfilmt. Wenn man sagt „frei nach“, ist der Hinweis angebracht, dass es „sehr frei nach“ ist, denn was die Aachener aus dem Stock gemacht haben, ist so frei, dass wohl die Autoren selbst ihre Vorlage nicht erkennen würden. Aber der überwältigende Erfolg des turbulenten Lustspiels gibt dem Redaktionsteam der Bühne recht. Bei einer Dauer von rund vier Stunden — allein der erste Akt bringt es auf 90 Minuten — gilt das Fazit: Es ist zwar lang, aber nie langweilig.

Erzählt wird die Geschichte des Kohlenhändlers Küeb Steckenborn, der „ens nevver de Döör jekickt hau“, sich also ein „Fisternöllche“ angelacht hat. In seinem Liebeswahn bezahlt er der Angebeteten einige sehr teure Gesangsstunden. Das Geld dazu besorgt er sich, indem er eine kostbare Brosche seiner Ehefrau ins Pfandhaus trägt. Nun braucht er aber Geld, um das Schmuckstück irgendwann wieder auslösen zu können. Die Lösung liegt in einem Nebenjob als Kellner im Hotel-Restaurant „Klenkes“. Weil er regelmäßig bis spät in die Nacht arbeiten muss, ist Küeb tagsüber müde. Das wäre kein Problem, käme seine Gattin nicht auf die spontane Idee, besagte Brosche ihrer Schwester zu leihen. Ab da ist guter Rat teuer, und die Dinge entwickeln sich ins Chaos, in dem die Mimen der Alt-Aachener Bühne alle Register ihres Könnens ziehen.

Thomas Muckel als immermüder Küeb, Birgit Thelens als dessen äußerst strenge Ehefrau Ness, Leni Reißer als Hausfaktotum Minchen, Sabine Plum als Sängerin Cilly von der Krähe und Günter Erkens als Pit Winkeliser „met en Fluttsch ejjen Mull“, der aus einem L immer ein N macht, strengen die Lachmuskeln des Publikums bis zur Grenze des Zumutbaren an. Aber auch die anderen Rollen sind hervorragend besetzt, wie Anne Schwartz, Irmgard Faber, Uschi Schwieger, Anna Drews, Axel Schwartz, Franz Schnitzler und Ewald Stork beweisen

Jedoch sind die Aufführungen der Alt-Aachener Bühne im besten Sinne Teamwork. Denn was nutzt die beste Schauspielkunst, wenn das Bühnenbild ausdruckslos, der Bühnenbau schlampig, die Maske unprofessionell, die Inspizientin nachlässig und die Technik störanfällig ist? Deshalb geben auch die nicht auf der Bühne agierenden Mitglieder der Bühne — Henny Hack (Bühnenbild), Bernd und Hermann-Josef Frings, Heinz Mallmes und Günter Schwieger (Bühnenbau), Uschi Wenn (Inspizientin), Karin Faensen (Kostüme), Uschi Schwieger (Maske), Manfred Reißer (Technik), Michaela Strauß (Souffleuse), Resi Frings, Maria Graf, Resi Potrykus, Renate Strauch, Ralf Büter und Hans Georg Rade (Helfer hinter der Bühne) — alles, um die Spielzeit insgesamt zum Erfolg werden zu lassen.

Aufführungen in Alsdorf und Roetgen

Wer nun wissen will, was es mit den ominösen Fräcken, die namensgebend sind, und mit einer „Bettszene“ von Sabine Plum und Thomas Muckel auf sich hat, kann sich in weiteren 13 Aufführungen von „Et es för ze fre/äcke“ kundig machen. In der Aula des Einhard-Gymnasiums in Aachen ist man am 16. und 17. Februar und am 16., 17., 23., 24., 30. und 31. März zu Gast. Im Stadttheater Aachen wird am 2. März und in der Stadthalle Alsdorf am 9. und 10. März gespielt. Abgeschlossen wird die Saison mit zwei Vorstellungen im Bürgersaal Roetgen am 4. und am 5. Mai. Überall beginnen die Vorstellungen samstags um 19 Uhr und sonntags um 18 Uhr, Einlass ist eine Stunde vor Aufführungsbeginn. Karten sind erhältlich für das Einhard-Gymnasium bei den bekannten Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlags, für das Stadttheater dort selbst, für Alsdorf unter meyer-konzerte.de oder unter der Rufnummer 02405-40860 und für Roetgen unter ticket-regional.de oder bei der Tickethotline 0651-9790777

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