Aachen: Neue Kampagne: Mehr Rücksicht und 1,5 Meter Abstand

Aachen : Neue Kampagne: Mehr Rücksicht und 1,5 Meter Abstand

Wer sich mit dem Rad durch die Stadt bewegt, erlebt es regelmäßig: Ungeduldige Autofahrer kommen beim Überholen gefährlich nah. 2017 hat es auf Aachens Straßen insgesamt 102 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung gegeben. Allein in den vergangenen zwei Wochen ist es laut Polizeipräsident Dirk Weinspach zu drei Unfällen gekommen, weil Fahrer zu wenig Seitenabstand gehalten hatten.

Wer hinter dem Steuer sitzt, gerät auf vielen engen Straßen häufig in die Situation, sich entscheiden zu müssen: Reicht der Platz gerade noch aus, um den Radfahrer sicher zu überholen? Oder ist es besser, erst einmal langsam hinter dem Radfahrer herzufahren — der eigenen Ungeduld und dem Groll der Fahrer im Rückspiegel zum Trotz.

Wenn es nicht möglich ist, mindestens anderthalb Meter Seitenabstand zu halten, sollten Autofahrer sich für letzteres entscheiden, appellieren Polizei und Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC) mit einer neuen Kampagne. Neongelbe Aufkleber sollen im Straßenverkehr immer wieder daran erinnern: „Seitenabstand 1,5 Meter“.

Unterstützt wird die Aktion von Stadt, Städteregion und RWTH. Die Aufkleber schmücken seit Donnerstag die Heckscheiben von knapp 50 Streifenwagen der Aachener Polizei. „In Aachen als Studentenstadt ist das Fahrrad zum Glück ein sehr gängiges Verkehrsmittel“, sagte Polizeipräsident Dirk Weinspach beim Auftakt der Aktion vor dem Super C am Templergraben. Zudem seien viele Urlauber in der Städteregion mit dem Rad unterwegs.

Für die RWTH ist es laut Prorektor Aloys Krieg ganz besonders wichtig, die Sicherheit von Fahrradfahrern zu gewährleisten.„Da wir keine Campus-Uni sind, nutzen unsere Studierenden auf ganz besondere Weise das Fahrrad.“ Darüber hinaus werde die Städteregion von vielen Urlaubern mit dem Fahrrad befahren.

Gegenseitige Akzeptanz und Rücksichtnahme unter den Verkehrsteilnehmern ist das Ziel der Aktion. Der enge Verkehrsraum soll „nicht mit Zwang, sondern durch Überzeugung“ sinnvoll geteilt werden, bekräftigte Städteregionsrat Helmut Etschenberg. 35 Dienstwagen der Städteregion werden ebenfalls mit den fluoreszierenden Piktogrammen beklebt. Auch bei der Stadt soll angeregt werden, Dienstfahrzeuge mit Stickern zu bestücken, sagte Niels-Christian Schaffert vom Fachbereich für Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen.

Gegenseitiges Verständnis statt Kontrolle — das sieht auch Monika Volkmer vom ADFC als den richtigen Weg: „Es ist wichtig, die Menschen im Straßenverkehr immer wieder auf das Problem aufmerksam zu machen.“ In der Straßenverkehrsordnung ist übrigens nicht festgelegt. was ein „ausreichender Seitenabstand“ ist. Die Rechtsprechung hat „ausreichend“ zuletzt auf 1,5 Meter festgelegt. Eingehalten werden soll dieser Abstand egal unter welchen Verkehrsbedingungen, betonte Volkmer, ob ein Schutzstreifen vorhanden sei oder nicht. Ist die Straße oder Spur dafür nicht breit genug, müsse der Autofahrer eben solange hinter dem Radfahrer bleiben, bis ein sicheres Überholen möglich ist.

Privatpersonen können die Aufkleber (fünf Euro) über den ADFC bestellen (www.adfc.de). Wie eine großflächige Verbreitung der Sticker an alle interessierten Autofahrer organisiert werden könnte, darüber denke man beim Fahrradclub noch nach, so Volkmer.