Lichtenbusch: Neue Jungfrau ist die schwarze Barbara

Lichtenbusch: Neue Jungfrau ist die schwarze Barbara

Die Art von ursprünglichem Karneval, die im jecksten Dörp Europas seit mehr als vier Jahrzehnten mit wachsender Begeisterung gefeiert wird, kann man fast nicht erklären, man muss sie live im Saal Kessel, im belgischen Teil Lichtenbuschs, erleben.

Die KG Grün-Weiss Lichtenbusch hatte zur Gala-Sitzung eingeladen und schon kurz nach dem Beginn des Vorverkaufs waren alle Karten vergriffen. „Hier wird Dorfkarneval im besten Sinne gefeiert und auch zelebriert“, erläutert Heinz Sauer, Geschäftsführer der KG. Ein toller alter Saal, sympathische Enge, gepflegt gezapftes Bier und eine bombastische Stimmung - damit ist das Flair der Gala-Sitzung der Grün-Weißen aus Lichtenbusch schon umschrieben.

Wenn sich das alte Dreigestirn 2012 — mit Prinz Jan I. Buchsteiner, Jungfrau „Basti“ Bastian Hahn und Bauer Ralph Schulenberg — mit Tränen in den Augen für die Prinzenzeit bedankt und der Prinz Federn und Zepter abgibt, dann produziert das mehr als nur ein paar feuchte Augen im Saal. „Hier in Lichtenbusch Prinz sein zu dürfen war wie ein Geschenk“, erzählt Buchsteiner rückblickend. „Wir alle — das Dreigestirn und die KG — waren wie ein Herz und ein Pulsschlag. Zurück bleibt ein Herz voll Freude und Dankbarkeit.“

Nach dem Abschied von Prinz Jan

Freud‘ und Leid sind auch in Lichtenbusch sehr nahe beieinander. Das Dreigestirn ist tot, es lebe das Dreigestirn. Zur bombastischen Musik von AC/DCs „Thunder-struck“ wird das neue Trio, noch in grünen Tüchern eingehüllt, in den Saal geführt. Außer ein paar Offiziellen weiß niemand, wer in den Tüchern steckt und im Dreigestirn sein wird — so ist es Tradition in Lichtenbusch. Die Leute feuern das noch unbekannte Dreigestirn an und auf der Bühne werden sie von ihren jeweiligen Vorgängern sehr theatralisch von ihren Umhüllungen befreit. Wie von einer zentnerschweren Last befreit und nach Monaten des Stillschweigens, die Sekunde der Erlösung, die alle drei durch tiefe Schreie herausbrüllen. Da steht es, das neue Lichtenbuscher Dreigestirn und wird frenetisch von den Dorfkarnevalisten gefeiert: Prinz Jörg I. Boßhammer, Jungfrau „Barbara“ Holger Campo und seine Deftigkeit, Bauer Martin Campo. Ihre äußerlichen Kennzeichen sind neben dem Ornat drei dunkle Heino-Sonnenbrillen und dass ihr Prinzenlied ein Medley bekannter Heino-Melodien ist. Deshalb heiß die Jungfrau auch „Schwarze Barbara“ — die erst Jungfrau in einem Lichtenbuscher Dreigestirn, die eine schwarze Perücke trägt. Das neue Dreigestirn ist nach vielen Jahren das erste Dreigestirn, das komplett aus Schleckheim kommt, und es fordert das jubelnde Publikum auf, mit ihnen die schönsten drei Wochen ihres Lebens zu erleben.

Eingebettet war die Proklamation in eine stimmungsvolle Gala-Sitzung, die unter anderem gestaltet wurde durch die vereinseigene Tanzabteilung, durch die Prinzengarde „Brander Stiere“ samt Bürgerprinz Thomas I., Määtnix und Stimmungssänger H.P. Johnen.

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