„Gesundheit – Eine Kosten-Nutzenfrage?“: Neue Initiative will bei Medizin Zeichen setzen

„Gesundheit – Eine Kosten-Nutzenfrage?“ : Neue Initiative will bei Medizin Zeichen setzen

Sie setzt sich für das Recht auf globale gesundheitliche Versorgung ein: Die Initiative „Gesundheit – Eine Kosten-Nutzenfrage?“ wurde jetzt ins Leben gerufen. Erreicht werden soll das mit provokanten Postkarten, Faltblättern und einer Homepage.

Bei Beschwerden schnell zur Apotheke zu gehen, um das passende Medikament zu holen. Während das für viele Menschen ein Selbstverständnis ist, hat ein Drittel der Weltbevölkerung kaum Zugang zu wichtigen Arzneimitteln.

„Gesundheit – Eine Kosten-Nutzenfrage?“ ist eine vom Eine-Welt-Forum Aachen, der Initiative für unbestechliche Ärzte Mezis (Mein Essen zahle ich selbst) und der Studierendenorganisation GandHI (Globalisation and Health Initiative) ins Leben gerufene Kampagne.

Eine-Welt-Forum

Gemeinsam mit Medizinstudenten hat Dr. Jan Salzmann vom Vorstand des Eine-Welt-Forums sowie von Mezis das Projekt auf die Beine gestellt. Hierzu gehört auch Medizinstudentin Vanessa Ruan, die sich neben ihrem Studium für die Initiative GandHI einsetzt. Das Ziel sei es, vor allem angehende Ärzte für das Thema globale Gesundheit zu sensibilisieren. Hierfür setzt sich Ruan auch als Mitglied der Fachschaft ein: „Das Thema globale Gesundheit taucht kaum auf im medizinischen Lehrplan. Es sollte einen viel höheren Stellenwert bekommen.“

Die Kampagne baut auf vier Schwerpunkten auf: Globale Gesundheitspolitik, vernachlässigte Krankheiten, soziale Determinanten von Gesundheit und Zugang zu Medikamenten. „Oftmals fehlen wichtige Arzneimittel völlig, weil die Hersteller auch Wirtschaftsspieler sind. Bringt ein Medikament keinen Umsatz, wird die Produktion oder Forschung eingestellt“, sagt Dr. Salzmann. Dies sei besonders bei vernachlässigten Krankheiten und Ländern mit beschränktem Zugang zu Medikamenten ein Problem.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es 300 Wirkstoffe die unentbehrlich sind um die dringlichsten Bedürfnisse der Bevölkerung behandeln zu können. Jährlich sterben rund zehn Millionen Menschen, weil sie keinen Zugang zu diesen Medikamenten haben. Grund dafür seien zum einen schlechte Infrastruktur, schwache Gesundheitssysteme, jedoch auch eine gewinnorientierte Pharmabranche.

Auch soziale Determinanten spielen eine wichtige Rolle, betont Vanessa Ruan. Menschen mit höherem sozioökonomischem Status leben meist deutlich länger als andere. Dies lässt sich festmachen am Lebensstandort, dem Einkommen oder dem sozialen Umfeld. „Es ist wichtig, dass wir lernen, den Patienten im großen Bild zu betrachten. Es spielen meist viele verschiedene Determinanten mit. Wir müssen als Ärzte dafür sensibilisiert werden, dass der Patient oft nicht selbst Schuld für seine Erkrankung hat, sondern seine Umgebung.“

Auf die Kampagne aufmerksam machen sollen provokante Postkarten, Faltblätter und eine Website mit Informationen und ein an Medizinstudierende gerichtetes Quiz über globale Gesundheit. Zudem soll  ein „Anti-Ignoranticum“, eine Medikamentenpackung mit Kaugummis und Beipackzettel mit der Aufschrift „Lindert Gleichgültigkeit, stärkt Aufmerksamkeit“ verteilt werden. Zwar richtet sich die Kampagne in erster Linie an Medizinstudenten und angehende Ärzte, jedoch sieht Jan Salzmann eine Chance: „Wir wollen allen Menschen aufzeigen, dass die Pharmaindustrie nach wie vor profitorientiert ist. So wie man bei Lebensmittel nach Fairtrade-Siegeln sucht, sollte man auch bei Medikamenten ein Zeichen setzten und sich moralisch orientieren.“

Mehr Infos auf gesundheit-eine-kostenfrage.mezis.de