Aachen: Neue Gleise: Bahn will in Eilendorf Gas geben

Aachen: Neue Gleise: Bahn will in Eilendorf Gas geben

Ein durchgehendes drittes Bahngleis zwischen Aachen und Köln ist zwar vom Bundesverkehrsminister erst einmal aufs Abstellgleis geschoben worden, doch Gas geben will die Deutsche Bahn auf dieser Strecke schon. Zumindest ein bisschen, an bestimmten Stellen.

Damit Regional- und Fernverkehrszüge den deutlich langsameren Güterverkehr überholen können und man somit, wie es bei der Bahn heißt, das „europäische Hochgeschwindigkeitsnetz“ erweitern kann.

Eine dieser Erweiterungen ist in Eilendorf geplant, genauer zwischen dem alten Güterbahnhof Rothe Erde und dem Haltepunkt Eilendorf. Dort soll ein „Überholgleis“ um 1700 Meter verlängert werden, damit der Personenverkehr das nötige Tempo aufnehmen kann. Ähnliches ist auch im Bereich Eschweiler vorgesehen. Bereits vor gut zwei Jahren ist das sogenannte Planfeststellungsverfahren zu diesem Vorhaben beim Eisenbahn-Bundesamt eröffnet worden, jetzt ist langsam das Ende dieses Genehmigungsprozesses in Sicht.

Am kommenden Mittwoch, 28. September, findet in Aachen ein Erörterungstermin statt, bei dem Anregungen und Stellungnahmen zu dem Projekt noch einmal diskutiert werden. Der Termin ist nicht-öffentlich, Betroffene sind allerdings zugelassen. Mit einem Planfeststellungsbeschluss — also der Erteilung des Baurechts — rechne man Mitte nächsten Jahres, so ein Bahnsprecher gegenüber der AZ.

Diskutiert werden dürften am kommenden Mittwoch in Aachen dann auch noch einmal einige Bürgereinwände gegen das Projekt. Diese gibt es, wie die Bahn auf Anfrage bestätigt, vor allem aus dem Bereich der Rödgener Straße in Eilendorf, und sie richten sich gegen die dort geplante Schallschutzwand, „obwohl diese ja zum Schutz der Anwohner realisiert werden muss“, wie der Bahnsprecher anmerkt. Allerdings fürchten die Bürger unter anderem Beeinträchtigungen wie Baulärm, Baustellenverkehr, Schmutzbelästigung und nicht zuletzt auch eine Wertminderung für ihre Grundstücke.

Die Bahn hält dem entgegen, dass man die Eingriffe in privaten Grund und Boden weitgehend minimieren werde. Nur „bei acht Grundstücken sei eine vorübergehende Inanspruchnahme während der Bauzeit auf einem schmalen Streifen entlang der Grundstücksgrenzen erforderlich“, teilt der Konzern mit.

Insgesamt sollen in dem Gleisabschnitt zwischen Rothe Erde und Eilendorf Schallschutzwände auf einer Länge von rund 1000 Metern entstehen — der größte Teil davon zur Rödgener Straße sowie eine kleinere Wand zur Rottstraße hin. Und das ist laut Bahn ein Muss: Denn wenn die Züge künftig Gas geben in Eilendorf, wird es laut. Eine schalltechnische Untersuchung habe ergeben, dass aktive und passive Maßnahmen nötig seien.

Neben den Schutzwänden bestehe damit in Teilbereichen für Betroffene auch der Anspruch auf den Einbau von Schallschutzfenstern. Außerdem will man auf 1,3 Kilometern Länge ein „besonders überwachtes Gleis“ einrichten. Dort würden, so erklärt es die Bahn, die Schienen regelmäßig auf Schallabstrahlung hin überprüft werden und bei Bedarf geschliffen, womit man den Lärm dauerhaft um drei Dezibel reduzieren könne.

Die Stadt Aachen steht dem Vorhaben „grundsätzlich positiv“ gegenüber, wie Axel Costard vom städtischen Presseamt sagt. „Wir begrüßen es, wenn die Leistungsfähigkeit der Bahnlinie Aachen-Köln verbessern wird.“ Gleichwohl habe man einige Hinweise gegeben und um deren Berücksichtigung gebeten.

Dazu gehöre unter anderem, dass die bauliche Umsetzung der Maßnahme so gut wie möglich koordiniert werden müsse, um die Beeinträchtigungen der Bürger gering zu halten. Außerdem solle der Lkw-Verkehr nicht über den Zehnthofweg, sondern über den Eisenbahnweg geführt werden. Denn am Zehnthofweg gebe es zahlreiche Bedenken bei den Anwohnern, insbesondere was die Schulwegsicherheit angeht, so Costard.

Bevor jedoch der erste Lkw anrollt, wird es noch dauern. Mit einem Baubeginn rechnet die Bahn frühestens 2019. Zwei Jahre später könnten die Maßnahmen, für die man in Aachen und Eschweiler zusammen Kosten im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“ einkalkuliert, dann umgesetzt sein. Es wird also noch etwas dauern, bis die Bahn in Eilendorf aufs Überholgleis ausschert.

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