Aachen/Stolberg: Neuauflage von Ewald Hallers Buch über NS-Zeit

Aachen/Stolberg: Neuauflage von Ewald Hallers Buch über NS-Zeit

Am Fuß des Napoleonsbergs in Kornelimünster kündet ein großes, in weißer Farbe aufs Pflaster gepinseltes Hakenkreuz schon Monate vor der „Machtergreifung“ von der kommenden Katastrophe. Sie wird alles in den Schatten stellen, was die Menschen im „Münsterländchen“ bis dahin je ertragen mussten — und manche von ihnen ein Stück weit in verbrecherischer Mission mit verantwortet haben.

Auf einem von hunderten Fotos, die er für seine umfangreiche literarische Rückschau „Spurensuche im Aachener Grenzraum“ zusammengetragen hat, hat Ewald Haller auch dies dokumentiert. Im vergangenen Jahr hat der pensionierte Berufsschullehrer aus Stolberg-Dorff die erste Auflage seines Werkes, herausgegeben vom Eifel- und Heimatverein Breinig, mit 500 Exemplaren vorgelegt. Sie war schnell vergriffen.

Kürzlich wurde das Buch mit dem Wolf-von-Reis-Kulturpreis ausgezeichnet, der 2007 vom langjährigen stellvertretende Hauptschatzmeister des Eifelvereins gestiftet worden ist. Jetzt legt Haller, Jahrgang 1942, die zweite Auflage mit weiteren 600 Exemplaren vor, die in der Mayerschen Buchhandlung, in der Buchhandlung Schmetz am Dom sowie der Buchhandlung am Markt in Brand und der Buchhandlung Lausberg in Walheim erhältlich ist.

Vor allem dank der Unterstützung zahlreicher Sponsoren, darunter der Sparkasse Aachen, der Stolberger Unternehmerfamilie Wirtz und der Jüdischen Gemeinde Aachen, sei die „überaus mutige und engagierte Aufarbeitung“ ermöglicht worden, betont Helmut Falter, Seniorchef der Mayerschen Buchhandlung.

Haller zeigt darin, wie die menschenverachtende NS-Ideologie wie ein schleichendes Gift das gesamte Leben auch im Münsterländchen erfasst, und dokumentiert mit Hilfe zahlreicher Experten aus dem Grenzland Einzelschicksale insbesondere von jüdischen Mitbürgern, die ab 1933 zunächst systematisch schikaniert, dann entrechtet, deportiert und umgebracht worden sind. Dabei stellt er die Geschehnisse in den kleinen Orten zwischen Stolberg und Aachen stets in den großen Zusammenhang der politischen und letztlich verheerenden kriegerischen Entwicklung, nennt auch Täter beim Namen und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen.

Zugleich spannt das Werk einen weiten historischen und thematischen Bogen, gibt zugleich einen erhellenden Abriss der Wirtschafts- und Sozialgeschichte vor allem in Breinig, Dorff und Kornelimünster, widmet sich zudem in großen Teilen der Benediktiner-Abtei im Indestädtchen. So ist auf knapp 470 Seiten ein spannendes, vielfach durchaus weit über den regionalen Tellerrand blickendes Werk entstanden, das als „historisches Lesebuch“ nicht zuletzt durch zahlreiche Bilder und Dokumente besticht.

(mh)
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